Das grüne Dutzend

Kein frischer Wind, aber frisches Blut: Grüne nominieren ihre Stadtratskandidaten

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Alte Bekannte und neue Gesichter: Katharina von Platen, Wolfgang Schweiger, Georg Drexel, Ulrich Welzel, John-Christian Eilert, Birgit Kürzinger, Petra Drasdo, Kerstin Engel, Sebastian Fügener, Eva Riemann, Franz Bachus und Ingrid Hauptmann (von links).

Penzberg – Da war er wieder, der Karton, der schon bei der Nominierung von Karl-Heinz Grehl zum Grünen-Landratskandidaten im Landkreis Weilheim-Schongau als Urne die Stimmzettel schluckte. Grehl hält ihn in den Händen. Er grinst, dieses Mal geht es nicht um ihn, sondern um die Grünen von Penzberg. 

Die Grünen stellen an diesem Abend ihre Stadtratskandidaten auf, wenig spektakulär, dafür aber in einem ungekannten Tempo. In größerem Ärmelschonerdeutsch lässt sich die Aufstellungsversammlung dabei wohl nicht einleiten: „Wir haben heute einen Verwaltungsakt zu vollziehen“, meint Grehl, der stellvertretende Landrat, nachdem er zum Wahlleiter des Abends gekürt wurde. Ein Abend, bei dem sich die 20 stimmberechtigten Grünen, die im ersten Stock der Stadthalle, über dem Restaurant „Koinschaufe“, zusammen gekommen sind, ganz konsequent an die Tagesordnungspunkte halten. Grehl liest aus dem Protokoll, und die Grünen, darunter ein Dutzend Stadtratskandidaten, hören aufmerksam zu, fast wie bei der CSU. Es scheint, als wolle man wenigstens einmal pünktlich zum Schluss kommen, zumal man mal wieder zu spät angefangen hat, 20 Minuten im Verzug. Und obwohl Grehl die einzelnen Punkte vorträgt, als sei seine Zunge ein Fließband, kann sich der Mann aus Weilheim einen Scherz nicht verkneifen, ausgerechnet in der „Koinschaufe“ sei man zusammen gekommen, „das geht gar nicht“, findet der Landratskandidat und meint, der Ort des Geschehens sollte doch eher „Windradl oder so“ heißen. 

Das war‘s dann aber auch schon mit lustig: Die zwölf potenziellen Stadtratskandidaten versuchen sich und ihre Ziele komprimiert in drei Minuten und mit einer gewissen Ernsthaftigkeit vorzustellen. Für manchen, der aus dem Nichts aufgetaucht zu sein scheint, keine leichte Angelegenheit. Klar, bekannte Gesichter zeigen sich an diesem Abend auch, darunter Bürgermeisterkandidatin Kerstin Engel, Ortsverbandssprecherin Katharina von Platen und der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wolfgang Schweiger. Doch ebenso politische Neulinge wollen den Sprung in das kalte Wasser der Kommunalpolitik wagen. So wie der 27-jährige Bauingenieur Georg Drexel, der erst vor wenigen Tagen seinen Mitgliedsantrag eingereicht hat und sich nun für nachhaltiges Bauen, für den Ausbau des Radwegenetzes und für die Pflegebedürftigen einsetzen möchte. Auch John-Christian Eilert ist erst seit kurzen offiziell ein Grüner. Der Biologe und Lehrer hatte als Jugendlicher eigentlich eine politische Karriere im Auge, entschied sich aber für eine akademische Laufbahn, denn Politik sei ein „ziemlich schmutziges Business“, so der 43-Jährige, der nun wohl doch keinen Schmutz mehr scheut und sogar gegen den Schmutz, nämlich den in der Umwelt, auf kommunalpolitischer Ebene ankämpfen möchte. Doch neben ihm will das eigentlich auch der Rest der Runde, die sich an diesem Abend vorstellt. Leierkastenartig werden so immer wieder der Schutz von Klima, Natur und Arten als Ziele genannt, Wiederholungen, die kaum überraschen dürften, sind es doch schließlich Grüne, die sich da zu Wort melden. Genauso wie das Umweltthema wiederholt sich auch die Aussage, die Stadtentwicklung vorantreiben zu wollen, ohne die Stadt in einer übermäßigen Bebauung ersticken zu lassen. Nur einer hält sich bei den Themen Umwelt und Bebauung zurück: Ulrich Welzel, der Mann, der sich vor gut einem Jahr mit Inbrunst für den Bau eines Vier-Sterne-Hotels in der Stadt eingesetzt hatte und nun ganz am Ende der Liste der potenziellen Stadtratskandidaten der Grünen aufgeführt wird: „Ulrich Welzel, 62, Unternehmensberater“. 

Auch auf ein anderes Klima, das im derzeitigen Stadtrat, kamen einige Bewerber zu sprechen, nicht ohne dezente Seitenhiebe versteht sich. So plädierte die Mehrheit dafür, vorausschauender zu planen und dabei ein Miteinander zu pflegen. Ein Stichwort, das sogleich an jene denken ließ, die sich in diesem Moment dort befanden, wo eigentlich das große grün-blaue Stoffbanner mit der „Bündnis 90“-Aufschrift aufgespannt werden sollte. Die Liste Penzberg Miteinander, die im kleinen Saal der Stadthalle mit mehr als doppelt so großer Belegschaftsstärke als die Grünen nominiert. Den Saal hatte eigentlich Katharina von Platen reserviert, doch die trat den Raum dann an Markus Bocksberger ab, weil abzusehen war, dass die Neuen mehr Zulauf erhalten würden. Bevor Bocksberger drunten zum Bürgermeisterkandidaten gekürt wurde, kletterte er noch zu den Grünen hinauf, eine Vase mit 24 Sonnenblumen, von beiden Händen fest umschlungen, im Marschgepäck. Ein grünes Dankeschön für die Grünen, allerdings viel zu großzügig bemessen. Zwei Dutzend Blumen, eine pro Sitz im Stadtrat, für das grüne Dutzend, das neidvoll nach unten blickt, wo es den Bocksbergern gelungen ist, 24 Kandidaten zu finden. 

Nächster Einsatz Grehl, der die Stimmzettel aus der Kartonurne nimmt und zählt. Das Ergebnis ist dann sehr grün: Alle Bewerber um einen Platz auf der Stadtratsliste haben 19 von 20 Stimmen bekommen. Im Gegensatz zu Bocksberger, der drunten mit hundert Prozent durchgeht. 

Droben braucht es jetzt den Dreisatz: 24 = 6 x 3 + 6. Was bedeutet: Kerstin Engel, John-Christian Eilert, Katharina von Platen, Sebastian Fügener, Ingrid Hauptmann sowie Franz Bachus belegen in ebendieser Reihenfolge, von der Spitze abwärts, auf der Liste der Grünen jeweils drei Plätze. Der amtierende Stadtrat Wolfgang Schweiger kann aus beruflichen Gründen die Stadtratsarbeit nicht fortführen, sodass er weit hinten auf Listenplatz zehn kandidiert. Grehl schaut auf die Uhr: 21.14 Uhr, Feierabend. Ging schneller als befürchtet. Drunten zählt man derweil noch aus. ra/la

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