Der zahnlose Tiger

Penzberg und Benediktbeuern ab sofort von Mietpreisbremse betroffen

+
Bei Neuverträgen dürfen die Mieten nur noch zehn Prozent über der ortsüblichen Miete liegen. Gut gemeint, aber trotzdem verkehrt, meint ein Makler.

Penzberg/Benediktbeuern – Seit Mittwoch gilt in Penzberg und Benediktbeuern die Mietpreisbremse, wie in weiteren 160 bayerischen Städten und Gemeinden. Und das bedeutet, dass Mieten bei neuen Verträgen nur noch maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Miete liegen dürfen.

Das gilt aber nicht für Neubauten und umfassend renovierte Wohnungen. In Penzberg wie in Benediktbeuern zeigte man sich überrascht, davon jetzt betroffen zu sein. Das baye­rische Kabinett hatte am 16. Juli die sogenannte Mieterschutzverordnung beschlossen, ohne aber die Kommunen, in denen diese nun gilt, zu informieren. Für Dominik Hammer vom Penzberger Maklerbüro Immo Plus ist dieser Schritt der Politik zwar „gut gemeint“, er ist aber überzeugt: „Der Schuss geht nach hinten los.“ 

Penzbergs Vizebürgerrmeister Johannes Bauer, der derzeit die Amtsgeschäfte führt, wusste überhaupt nichts davon, dass in Penzberg jetzt die Mietpreisbremse gilt. Und Benediktbeuerns Rathauschef Toni Ortlieb hatte davon nur „durch Zufall“ gehört. Die Auswirkungen der Bremse auf die Mietpreise in Penzberg mochte Bauer nicht abschätzen, zumal die Verordnung auch nur bis zum 31. Juli 2020 gilt. Für die Mieter der städtischen Wohnungen „wird sich aber nichts ändern, weil unsere Mietpreise durchweg sehr moderat sind und wir auch mit Erhöhungen immer sehr zurückhaltend umgehen“. Welche Konsequenzen die Bremse in Benedikbeuern haben wird, konnte auch Ortlieb nicht sagen: „Das werden wir aber aufarbeiten“, sagte er und kündigte an, dieses Thema mit dem Gemeinderat zu diskutieren. 

Dominik Hammer von Immo Plus schüttelt über die Mieterschutzverordnung hingegen den Kopf. „Ich finde es ja gut, dass die Politik versucht, etwas gegen die steigenden Mieten zu unternehmen.“ Die nun erlassene Verordnung sei aber ein „zahnloser Tiger“. Das beginne schon bei der Auswahl der betroffenen Kommunen: „Warum stehen Penzberg und Benediktbeuern auf der Liste, nicht aber Iffeldorf und Bichl, wo die Situa­tion identisch ist?“, fragt Hammer. Außerdem stört sich Hammer am Begriff „ortsübliche Miete“, deren Höhe nur über den Mietpreisspiegel ermittelt werden könne. „Den haben wir in Penzberg aber gar nicht.“ Deshalb befürchtet Hammer, dass betroffene Mieter aufgrund der begrifflichen Unsicherheit sofort den Klageweg beschreiten werden. „Das freut nur die Anwälte“, meint er. Und er glaubt, dass viele Vermieter, die in den vergangenen Jahren die Miete gar nicht oder nur moderat erhöht haben, jetzt aufgeschreckt werden: „Die werden jetzt erhöhen, weil sie nicht wissen, ob im nächsten Jahr möglicherweise nicht noch größere Einschränkungen auf sie zukommen“, prognostiziert Hammer. Das Schlimmste aber für ihn ist: „Es wird dadurch keine einzige Wohnung mehr geschaffen.“ Ein erheblich vergrößertes Angebot ist für Hammer aber das einzige Mittel, um eine weitere Explosion bei den Mietpreisen zu verhindern.la

Auch interessant

Meistgelesen

Hörmann Automotive Penzberg: Im Schnitt erhält jeder Mitarbeiter eine Abfindung über 30.000 Euro
Hörmann Automotive Penzberg: Im Schnitt erhält jeder Mitarbeiter eine Abfindung über 30.000 Euro
Mit Korpan an der Spitze in den Wahlkampf: CSU stellt Liste der Stadtratskandidaten auf
Mit Korpan an der Spitze in den Wahlkampf: CSU stellt Liste der Stadtratskandidaten auf
Rund 1.600 Teilnehmer lassen sich im Dauerregen den Spaß am Festzug nicht nehmen
Rund 1.600 Teilnehmer lassen sich im Dauerregen den Spaß am Festzug nicht nehmen
„Penzberg – katholisch“: Ausstellung im Pfarrzentrum offenbart Erstaunliches
„Penzberg – katholisch“: Ausstellung im Pfarrzentrum offenbart Erstaunliches

Kommentare