Orange um den Hals

Bürger für Penzberg wollen mehr Gewicht in Stadtrat und Kreistag bekommen

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Mit Markus Braun als Moderator stellten sich Armin Jabs, Wolfgang Sacher und Bertram Kölsch (von links) den Fragen des vor allem aus eigenen Leuten bestehenden Publikums, selbstredend mit optischen Statements in Orange.

Penzberg – Die SPD tuckert mit einer Ape durch die Stadt. Die FDP rollt in einem Fiat 500 über Penzbergs Pflaster. Und die Bürger für Penzberg (BfP)? Wenngleich nicht motorisiert, sind auch sie mit einem Fahrrad mit orangenem Fähnchen und Infos zum anvisierten Einzug in den Kreistag mobil präsent.

In Anbetracht der Tatsache, dass Klimaschutz in nahezu allen Wahlprogrammen der Stadtratsanwärter groß geschrieben wird, ist das Fahrrad keine allzu schlechte Wahl. Doch beim Neujahrsempfang im kleinen Saal der Stadthalle, vor welcher der Draht­esel parkte, machten die BfP klar, dass es ihnen um mehr geht als um grüne Themen. 

Orange wohin das Auge reicht. Auf den Stehtischen im kleinen Saal sammelten sich Kugelschreiber und Sonnenbrillen in Orange, an den Tischen Kandidaten sowie Interessierte und Unterstützer, die farblich dazu abgestimmte Schals um den Hals, ihre Tasche oder den Kinderwagen gewickelt haben. Orange, das dem Rest im Stadtrat gerne mal etwas zu grell ist, zumindest dann, wenn die BfP Anträge einreicht. Diese werden nämlich oft „runtergebügelt“, wie Wolfgang Sacher beim Neujahrsempfang der Orangen mehrmals deutlich macht. Dass dies nach der Kommunalwahl am 15. März anders wird, hoffen die BfP nun, die mit einer Stadtratsliste mit 24 belegten Plätzen in den Wahlkampf gestartet sind. „Eine super Truppe“, wie Bürgermeisterkandidat Armin Jabs, betont. Dieser, nicht mit adrettem Schal um den Hals, dafür aber mit einer blass­orangen Krawatte um den Kragen, pflichtet Sacher bei und meint mit Blick auf den „Mehrheitsmuskel“ im Stadtrat: „Es ist nicht immer leicht, sich mit guten Argumenten durchzusetzen.“ In aller Kürze stellt Jabs schließlich die Themen vor, welche die BfP in ihr Wahlprogramm gesetzt haben. Sie streben dabei eine Stadt an, in der durch den Ausbau des ÖPNV künftig weniger Autos fahren und in der mehr Wohnraum durch Verdichtung geschaffen wird. Außerdem sollen mehr Betreuungsplätze für Kinder und mehr Pflegeplätze für Senioren errichtet werden. Darüber hinaus müsse mehr Gewerbe angesiedelt werden, denn „der Wohlstand Penzbergs ist nicht gottgegeben“, so Jabs. Und auch auf die Jugend schauen die BfP, denn Hannis Eismärchen und das Volksfest seien nicht genug, „auch die restlichen 46 Wochen muss was los sein“, findet der Bürgermeisterkandidat. Viel los ist dagegen auf der Prioritätenliste der Stadt, die, geht es nach Jabs, durch ein „effektives Projekt- und Ressourcenmanagement“ schnell abgearbeitet werden soll. Und bei all den Punkten im BfP-Wahlprogramm soll dann auch der Umwelt- und Klimaschutz nicht zu kurz kommen. 

Orange leuchtet seine Krawatte nicht, nicht einmal blassorange, als Bertram Kölsch an der Reihe ist. Mit einem rot melierten Schlips appelliert der BfP-Spitzenkandidat für den Kreistag an die Bürger im Landkreis, sich in die Unterstützungsliste in den Rathäuser einzutragen, damit es die Bürger für Penzberg erst einmal auf die Stimmzettel schaffen. „Wir brauchen 400 Leute“, so Kölsch. Rund die Hälfte hat man schon beisammen. Neun Penzberger sitzen aktuell im Kreistag, doch acht davon „richten ihre Stimme nach der Meinung ihrer jeweiligen Fraktion“, poltert Kölsch. Die BfP wollen nun, dass die Parteizugehörigkeit im Kreistag keine Rolle mehr spielt und Penzberg so wieder eine Stimme bekommt, denn „wir gehen aktuell unter zwischen Weilheim und Schongau“, sagt auch der BfP-Vorsitzende Markus Braun. Im Kreistag wollen sich die BfP einsetzen für den Bau einer Fach- und Berufsfachoberschule sowie einer Berufsschule in Penzberg und für die Expansion des Gymnasiums, denn „Bildung ist der wahre Rohstoff der Zukunft“, ist Kölsch überzeugt. Des Weiteren will er sich im Falle seiner Wahl für den Ausbau des ÖPNV und die Stärkung des Gesundheitszen­trums Penzbergs mit einer gut funktionierenden Erst- und Akutversorgung sowie einer Geburtshilfe einsetzen, „denn die Garmischer Autobahn soll schließlich keine Geburtsstation werden“, wie er schnaubt. Ein weiteres Thema, bei dem sich Kölschs Kopf vor Wut doppelt so rot färben könnte wie seine Krawatte, ist die Kreis­umlage, welche mit 54 Prozent deutlich höher als in anderen Landkreisen sei. Daran wollen die BfP schrauben. „Der Landkreis Weilheim-Schongau ist ein Sanierungsfall, für den die Kommunen tief in die Taschen greifen müssen“, schimpft der Spitzenkandidat. 

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion stellen sich dann die Herren Jabs, Sacher und Kölsch den Fragen des Publikums. Das besteht allerdings vor allem aus den eigenen Stadtratskandidaten. Doch auch das ein oder andere Gesicht aus fremden Reihen, aus der FLP oder der CSU, zeigt sich, sehr zur Freude von Braun, denn das beweise, dass „man auch Interesse an den anderen hat“. Weil es aber vor allem die eigenen Leute sind, die mit orangenem Schal um den Hals die Diskussion anregen, ist das Trio wenig überrascht von den Fragen zur Zukunft des Breitfilzes, zum Standort der neuen Kinderkrippe oder zur Förderung der Energiewende und beantwortet diese mit wie aus der Pistole geschossenen Sätzen, die kaum ein Zeit verschaffendes „Äh“ benötigen. Und egal welche Antwort ins Mikro gesprochen wird, eines bleibt immer gleich, der geäußerte Wille, dass endlich etwas vorangeht, sei es bei der Neuordnung für das Breitfilz, welche die Pächter finanziell nicht ruinieren soll, eine Krippe neben dem Heizkraftwerk beim neuen Schwimmbad oder die vielen Anträge, welche die BfP schon zum Klimaschutz eingereicht hat und die ständig abgelehnt wurden, als ob das Orange die übrigen Stadträte geblendet hätte. Wie praktisch ist es da, dass die BfP bei ihrem Neujahrsempfang Sonnenbrillen ver­teilen. ra

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