Miteinander war schon immer

Beim FLP-Neujahrsempfang kritisiert Michael Kühberger vor allem die Bocksberger-Liste

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Michael Kühberger, der für die Freie Lokalpolitik Penzberg auf den Bürgermeisterstuhl klettern will, steckte im Stadthotel Berggeist die Ziele ab, für die er sich stark machen will. Lob zollte er dabei auch anderen Parteien, allen voran der SPD, während er Markus Bocksberger deutlich kritisierte.

Penzberg – Die FLP, die Freie Lokalpolitik Penzberg, hat sich bei ihrem ersten Neujahrsempfang im Stadthotel Berggeist positioniert und sich von Teilen der politischen Konkurrenz klar abgegrenzt.

Bürgermeisterkandidat Michael Kühberger distanzierte sich dabei von der Liste „Penzberg miteinander“ um Stadtrat Markus Bocksberger, während er anderen Fraktionen Lob und Dank für die gemeinsame Zusammenarbeit zollte. „Man sollte herausheben, was man ohne Parteizwang zusammengebracht hat“, sagte Kühberger und dankte vor allem Thomas Keller von der SPD, mit dem er seit sechs Jahren als Sportreferent tätig ist. „Thomas, es war a geile Zeit mit Dir“, sagte Kühberger. Und er lobte in diesem Zusammenhang auch gleich noch die von ihm herausgeforderte Bürgermeisterin Elke Zehetner, „die immer zu uns gestanden hat“. 

Kühberger, 56 Jahre alt, Chef eines Unternehmens für Spenglerei und Dachdeckungen und vormals leidenschaftlicher Vorsitzender des FC Penzberg, ist ein Mann, der nicht um den heißen Brei herumredet. Als Handwerker mag er die klare Ansage, weshalb er nun im Berggeist vor überschaubarem Publikum erklärte, dass er sich einfach nicht mit Behauptungen abfinden könne, die Stadt tue zu wenig für ihre Vereine. Es habe in Penzberg immer schon ein Miteinander gegeben, rief er aus und zielte damit direkt auf Bocksberger und dessen Liste, die eben dies bezweifelt. Die Vereine erhielten auch ohne Kommunalwahl „volle Unterstützung“, allen voran der ESV Penzberg und die Ringer. Und die Sporthalle am Josef-Boos-Platz würde ohne die FLP nicht weiter betrieben. „Wir waren von Anfang an für eine Generalsanierung, und wir haben uns auch nicht davon abbringen lassen“, sagte Kühberger. Nun bekomme Penz­berg, trotz gestiegener Sanierungskosten, wieder eine gleichwertige Halle: „Die Heimat für Schützen und Kegler wird so erhalten“, sagte Kühberger. 

Darüber hinaus sprach er sich aber auch für die Belebung des Nachtlebens aus, denn „wir müssen für die Jugend einen Aufenthaltsort schaffen, damit Penzberg am Abend keine Schlafstadt wird“. Zudem liegt der FLP die Aufwertung der Berghalde am Herzen. „Wenn das Volksfest abgebaut ist, sieht man nämlich genau, was dort oben los ist: nichts. Das ist ein Schandfleck“, rief Kühberger mit Nachdruck aus. Die Berghalde will er zu einem Ort machen, an dem die Penzberger gerne ihre Freizeit verbringen. Was darunter zu verstehen ist, konkretisierte später FLP-Stadtratskandidat Stefan Schmid, als er über die längste Rutschanlage Bayerns sowie einen Bike- und Skillpark plauderte. 

Mit Blick auf die Wirtschaftspolitik forderte Kühberger auch an diesem Samstagvormittag den Kauf des HAP-Areals durch die Stadt. „Das ist eine einmalige Chance, dass wir einheimischen Handwerkern und Unternehmern endlich einen attraktiven Standort für Gewerbeflächen anbieten können“, sagte er, und ein wenig Stolz schwang in seiner Stimme dabei mit. Durchaus verständlich, denn als die FLP im Stadtrat mit dieser Forderung im Stadtrat als erste aktenkundig wurden, hat sie die SPD noch der plumpen Wahlkampfrhetorik geziehen. Mittlerweile aber steht die Kühberger-Forderung auch bei den Genossen ganz oben auf der Agenda. Entsprechend selbstbewusst fuhr Kühberger fort, als er sagte, dass das Edeka-Areal, ginge es nach der FLP, „schon längst“ entwickelt worden wäre. Dort nun Wohnungen zu errichten, dafür aber keinen Elektromarkt oder einen vergrößerten Baumarkt, lehnt er ab: „Das Ziel muss doch sein, dass die Penzberger nicht kilometerlange Reisen auf sich nehmen müssen, nur um einen Fernseher zu kaufen.“ 

Um die Innenstadt attraktiver zu gestalten, will Kühberger das Zentrum vom Verkehr befreien. „Wir müssen endlich damit anfangen“, forderte er und scheute in diesem Zusammenhang auch vor dem Wort „Fußgängerzone“ nicht zurück. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten „jetzt endlich“ Radwege, Verkehrsberuhigungen und Umfahrungen geschaffen werden. Kühberger ist überzeugt: „Von einer Verkehrsberuhigung profitiert jeder.“ Anders würde man dies bei den Grünen auch nicht sagen. Und auch beim Bahnhof zeigte Kühberger klare Kante: „Mit mir wird es keinen Verkauf geben.“ Der Bahnhof müsse als Verweilstätte und Mittelpunkt hergerichtet werden, „so dass sich dort alle Bürger wohlfühlen“. Eine Untertunnelung der Schiene, wie sie die CSU gefordert hat, sei indes ein „Hirngespinst“. Viel wichtiger sei ein zweiter Einstieg auf beiden Seiten des Gleises. Derzeit müsse man nämlich gefühlt einen Kilometer vom Parkplatz zum Bahnsteig gehen, „das kann es nicht sein“, so Kühberger.

Kühberger forderte weiter Senio­renzentren mit einer Altenpflege, „die sozial abgewogen ist“, und Gebührenfreiheit bei der Kinderbetreuung. Schon alleine deshalb sollte die Stadt Grundstücke für neue Kindergärten und Krippen „auf Vorrat kaufen und überplanen, damit wir nicht immer nur reagieren müssen, sondern handlungsfähig sind“, forderte Kühberger. Dies gelte im Übrigen auch für den Wohnungsbau, wo es keine auswärtigen Bauträger brauche. „Das können wir selber machen“, sagte er mit dem Selbstverständnis eines Handwerkers, der weiß, wovon er spricht. arr

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