Wölfe, Bienen und Wirtshäuser

In Bad Heilbrunn gibt sich Hubert Aiwanger als Freund der ländlichen Region

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Ist kein Freund von Luxuswohnungen in Schwabing: Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bei seinen Freien Wählern.

Bad Heilbrunn – Dunkle Holzverkleidung an den Wänden, massive Bänke, Tische und Stühle, darauf Männer, die Schafkopf spielen, neben den Karten Fuizl, die Biergläser tragen. Ein Bild, das Hubert Aiwanger in Bad Heilbrunn bei dem ein oder anderen Freien Wähler geweckt haben dürfte.  

Der diesjährige Neujahrsempfang der Freien Wähler (FW) im Bad Heilbrunner Kurhaus stand ganz im Zeichen der Förderung des ländlichen Raums. Nach Bürgermeister Thomas Gründl, Landrat Josef Niedermaier sowie dem FW-Ortsvorsitzenden Konrad Specker sprach sich Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger dafür aus, Fördergelder verstärkt ins Münchner Umland fließen zu lassen. Bis es dazu kam, musste sich Specker aber ganz schön gedulden. „Es war gar nicht so einfach, einen Staatsminister nach Bad Heilbrunn zu locken“, sagte er. Fast sei es ihm schon peinlich gewesen, Aiwanger immer wieder auf die Füße zu treten, bis der letztlich zusagte. 

Aiwanger schien genau zu wissen, wie und womit man in einem oberbayerischen Dorf punktet: „Das Land ernährt die Stadt und nicht umgekehrt“, rief er aus. Da sich aber alle zehn Jahre die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe halbiere, müssten Fördergelder verstärkt in ländliche Gebiete fließen. Das betreffe den Ausbau des Internets ebenso wie die Mobilfunkversorgung, auch plädierte Aiwanger für ein „Wirtshausförderprogramm“. Schließlich seien die ländlichen Wirtschaften oft der Treff- und Mittelpunkt von Vereinen und des dörflichen Lebens überhaupt. Mit diesen Worten hatte der stellvertretende Ministerpräsident die Sympathien auch des letzten Zweiflers gewonnen. 

Aiwanger spannte sodann einen großen Bogen, von der Aufstockung der Lehrerzahl über die Anhebung der Zuschüsse für sich niederlassende Hebammen bis hin zur ärztlichen Versorgung, die auf dem Land immer mehr ausdünne. 

Aiwanger bediente dabei immer wieder den Kontrast mit München, wo die großen Unikliniken stünden. Wo Menschen wohnten, die von den Früchten der Arbeit auf dem Land lebten, und Leute aus dem dritten Stock ihrer Schwabinger Luxuswohnung heraus mit dem Bienen-Volksbegehren Landwirten 50 Kilometer weiter diktieren wollten, wie sie zu wirtschaften hätten. Auch lebten dort, in der großen Stadt, die Wolfsfreunde, denen der Schafhirte auf dem Land ziemlich egal sei. Eindringlich gab Aiwanger zu bedenken, dass bei solchen Initiativen wie den aktuellen für die Rettung der Bienen und der Artenvielfalt oder der Wiederansiedlung der Wölfe immer beide Seiten zu betrachten und die weitreichenden Folgen abzuschätzen seien. 

Fast grüne Maximen vertrat Aiwanger schließlich bei der Energiepolitik: „Ich muss kein Grüner sein, wenn ich fordere, dass die Energieversorgung im eigenen Land bleiben sollte.“ Derzeit gingen rund 1.000 Euro pro Einwohner für die Energieversorgung außer Landes, „eine Summe, die angesichts eigener Ressourcen wie Sonnenenergie oder dem Holz vor der Haustür nicht notwendig ist“, wie er feststellte. „Wir brauchen kein Öl von den Arabern“, rief Aiwanger aus und plädierte zudem für den Bau von Blockheizkraftwerken, die Förderung der Elektromobilität sowie den Kohleausstieg nach dem Ausstieg aus der Versorgung mit atomaren Brennstoffen. 

Ganz klare Worte ließ der Wirtschaftsminister auch bei der inneren Sicherheit vernehmen. „Ich habe Respekt vor allen, die sich um die Asylsuchenden kümmern und schätze die Flüchtlinge, die sich bemühen, sich hier zu integrieren“, sagte Aiwanger. Wer sich jedoch nicht benehmen könne, „den schicken wir wieder nach Hause.“ Zwei Milliarden Euro für die Unterbringung der Flüchtlinge in Bayern seien eine Hausnummer, der diese Menschen auch gerecht werden sollten. Er hoffe, dass sie in absehbarer Zeit in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung fänden oder mittelfristig das Land wieder verlassen. sg

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