Neujahrsempfang der Islamischen Gemeinde

Das Wunder von Penzberg

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Penzberg - Der offene Dialog der Religionen wurde beim Neujahrsempfang der Islamischen Gemeinde thematisiert. Viele Besucher fanden sich im Gemeindesaal ein.

Bayram Yerli, der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde in Penzberg, richtet ein herzliches „Glück auf“ an die Runde. Klar, er, der Türke, ist schließlich Mitglied des Bergknappenvereins. Und ebenso klar ist: der evangelische und der katholische Pfarrer sind auch irgendwo. Man kann sie nur kaum finden unter all den Leuten aus dem Stadtrat, aus Vereinen und auch den Rettungsorganisationen. Wenn die Islamische Gemeinde zum Neujahrsempfang in die Moschee bittet, dann sind sie alle da. Glück auf! Und das zeigt einmal mehr: Die Muslime haben in Penzberg einen festen Platz. Und mehr noch: Sie pflegen weiterhin einen offenen Dialog. Das sei für manche immer noch nicht selbstverständlich, sagte Yerli und spielte damit auf jene Gerüchte an, dass sich das Islamische Forum nun abschotten würde, nachdem es nun endgültig nicht mehr vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Nun: Von Abschotten war am Dienstagabend nichts zu sehen. Im Gemeindesaal der Moschee herrschte dichtes Drängen beim Neujahrsempfang, zu dem die Islamische Gemeinde nicht zuletzt deshalb geladen hat-te, um weiterhin ihre Verbundenheit mit den Penzbergern zu symbolisieren. Und wenn man schon bei Symbolen ist, traf es sich natürlich gut, dass der Geburtstag des Propheten Mohammed wenige Tage zuvor gefeiert worden war. Imam Benjamin Idriz betonte in eindringlichen Worten, dass „Hass und Gewalt im krassen Gegensatz zu den Prinzipien des Islam stehen“. Ein wahrer Muslim sei jedenfalls ein Mensch, von dem andere nichts zu befürchten hätten, „we-der von dessen Zunge noch von dessen Hand“. Dass aktuell abermals ein „Feindbild Islam“ aufgebaut werde, wurde von Idriz scharf kritisiert. Dabei nahm er aber die Muslime zuvorderst selbst in die Pflicht. Sie müssten erkennen, dass die Vorurteile gegenüber ihrer Religion nicht von alleine verschwänden. „Es liegt an den Muslimen selbst, in einen Dialog einzutreten“, sagte Idriz. Das aber gehe nur über den Weltfrieden, den man wiederum nur in der täglichen Lebensweise entdecken könne. Und eben dies geschehe in der Islamischen Gemeinde in Penzberg. Diese hier gepflegte Kultur gegen Hass und Intoleranz müsse Standard werden. „Der Mensch muss Toleranz üben, es gibt keinen anderen Weg“, rief Idriz aus. Und: Dieser Weg stehe allen offen. Idriz wies ferner auf die Schnittmengen mit der evangelischen und katholischen Kirche hin. Denn die Beachtung der Rechte der Nachbarn sei dem Propheten Mohammed äußerst wichtig gewesen: „Glaubensrichtungen spielten da keine Rolle.“ Und schon deshalb habe Mohammed Jesus als Bruder bezeichnet. Bayram Yerli erkannte im Miteinander der Muslime mit den Penzbergern eine starke Symbolkraft. „Wir haben in dieser Mini-Metropole längst erfüllt, wovon manche große Städte nur träumen.“ Yerli sprach wörtlich vom „Wunder von Penzberg“. Dabei zeigte er sich gar nicht einmal verwundert über diesen so gut funktionierenden Schulterschluss. Denn die Menschen seien eben von Natur aus aufeinander angewiesen. „Es ist eine rein menschliche Intuition, sich menschlich zu ge-ben“, sagte Yerli. Und er begrüßte in diesem Zusammenhang den Umstand, dass „die Situation“ mit dem Verfassungsschutz „ausgeräumt ist“. Yerli konstatierte ferner, dass ein Penzberg ohne Freundschaft und Miteinander der Kulturen unvorstellbar sei. So sprach er vom „Gütesiegel 74 Nationen - made in Germany“. Und er kritisierte, dass auf dem Rücken der Muslime machtpolitisch begründete Stellvertreterkriege ausgetragen würden. Was schon konträr zum Islam an sich sei. Denn „Muslim“ übersetzte Yerli mit „der wandernde Frieden“, was in den Medien aber oft anders dargestellt werde. Die dabei gezeigten Gewaltexzesse sei-en jedoch eine Fehlentwicklung. Ebenso falsch sei es, die Muslime unter Generalverdacht zu stellen. Die Muslime in Penzberg „wollen und werden sich weiter in Penzberg einbringen“, erklärte Yerli. arr (mehr in der Printausgabe am Samstag)

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