Millionenschweres Projekt im Nonnenwald

Noch heuer wird in Penzberg geforscht: Die Pläne für das Fraunhofer-Zentrum

Penzberg Stadthalle Pressekonferenz Fraunhofer Forschungszentrum Pandemie Infektionen Roche
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Die Vertreter von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft bei der Pressekonferenz.

Penzberg - Die Fraunhofer-Gesellschaft will noch heuer mit der Infektions- und Pandemieforschung in Penzberg beginnen. Das millionenschwere Projekt startet bei Roche. Später soll ein eigener Neubau im Nonnenwald kommen.

Die Fraunhofer-Gesellschaft setzt große Hoffnung in ihr neues Infektions- und Pandemie-Forschungszentrum in Penzberg. Als Partner wurden Roche und die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) ins Boot geholt. Von Bund und Freistaat gibt es millionenschwere Unterstützung Die Beteiligten sind optimistisch, dass der Standort eine wichtige wissenschaftliche und medizinische Rolle spielen wird. Am Dienstag (19. Januar) gab es in der Penzberger Stadthalle gegenseitiges Schulterklopfen – zumindest verbal. Zu hören waren bei der eigens einberufenen Pressekonferenz, inklusive Liveübertragung auf Youtube, viel Lob, Freude und Zuversicht über das angestrebte Ziel. Wie berichtete, plant die Münchner Fraunhofer-Gesellschaft mit der LMU und dem ansässigen Biotech-Konzern Roche ein Wissenschaftszentrum für Immunologie sowie Infektions- und Pandemieforschung. Dafür stellt die Politik viel Geld zur Verfügung: Bereits im September hatte der bayerische Ministerrat beschlossen, die neue Fraunhofer-Einheit mit je fünf Millionen Euro in 2021 und 2022 zu fördern. Für 2023 bis 2025 sind Verpflichtungsermächtigungen über 30 Millionen eingeplant. Und im November genehmigte der Haushaltsausschuss des Bundestags weitere 40 Millionen Euro für das Zentrum. Eingefädelt hatte dies CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt aus Peißenberg.

Fünf-Jahres-Plan

Die Fraunhofer-Gesellschaft plant mit einer Anschubphase von fünf Jahren für den Penzberger Standort. Diesen Zeitrahmen nennt Präsident Prof. Reimund Neugebauer. Im Finanzplan stehen laut Neugebauer 80 Millionen Euro – 35 Millionen Euro für Investitionen und weitere 45 Millionen Euro für Betriebskosten. Bis zu 50 Wissenschaftler sollen nach diesen fünf Jahren im Forschungszentrum arbeiten. „Die stehen fest im Plan“, so der Präsident. Die Berufsfelder reichen von Medizinern über Mikrobiologen bis zu IT-Experten.
Dafür will die Fraunhofer-Gesellschaft einen eigenen Neubau im Nonnenwald errichten. Und zwar auf einen Grundstück südlich des Roche-Geländes unweit des Helix-Kreisels. Das rund 10.000 Quadratmeter große Areal ist bereits als Industriefläche ausgewiesen und gehört der Stadt. Diese würde es an Fraunhofer verkaufen, wie Bürgermeister Stefan Korpan auf Rundschau-Nachfrage sagt. In trockenen Tüchern ist allerdings noch nichts, die Verträge müssen erst gemacht werden.
Wann der Bauantrag für den Neubau eingereicht wird und wann Startschuss für die Arbeiten ist, kann Neugebauer nicht sagen. Erst müsse es an die Planung und die inhaltlichen Schwerpunkte gehen, „dann werden wir die Agenda machen“. Intern geht man von zwei bis drei Jahren aus, bis das Gebäude steht. Zumindest in diesem Jahr soll bereits die erste Arbeitsgruppe von Roche- und LMU-Teams gebildet werden. LMU-Prodekan Prof. Thomas Gudermann rechnet damit, dass spätestens Mitte 2021 Forschungsgruppen mit der Arbeit beginnen werden. „Wir wollen auf keinen Fall das Momentum verpassen“, bekräftigt er. Angedacht ist, dass dies anfangs sowohl an der Universität als auch bei Roche geschieht. Roche Diagnostics-Geschäftsführer Claus Haberda kündigt an, dass der Konzern dann „entsprechende Flächen“ auf seinem Gelände zur Verfügung stellen wird. Andreas Baar

Dobrindt sprach denn auch am Dienstag von „einem ganz großen Tag für unsere Region und den Forschungsstandort Deutschland insgesamt“. Für den CSU-Politiker ist das Vorhaben ein „bundesweites Leuchtturmprojekt“. Dobrindt schwärmte von einem „Forschungscampus“, der im Nonnenwald entstehen soll (siehe Kasten). Ein Campus, der laut Dobrindt auch Heimat von Start-up-Firmen werden kann. 74 Institute zählt die Fraunhofer-Gesellschaft derzeit. Penzberg soll künftig „ein Gravitationszentrum“ innerhalb eines Forschungsnetzwerks mit drei anderen Standorten sein, wie Präsident Prof. Reimund Neugebauer erklärte: mit Potsdam (digitiale Diagnostic), Hamburg (immunologische Biomarker-Forschung) sowie Berlin (Allergieforschung). Neugebauer hob die „strategische Partnerschaft“ mit Roche hervor.

Roche: Stärkung des Standorts

Mit der LMU arbeitet man bei Roche Diagnostics in Penzberg eh schon länger zusammen. Geschäftsführer Claus Haberda freute sich nicht ganz uneigennützlich über die noch engere Beziehung, diese werden „unseren Roche-Standort enorm weiterbringen“. Er hofft darauf, dass so das Werk im harten internen Wettbewerb in „eine gute Position gebracht“ wird. Erst 2020 hatte der Konzern weitere 400 Millionen Euro an Investitionen im Nonnenwald angekündigt. Kommendes Jahr steht das bereits 50-jährige Bestehen des Werks in Penzberg an. Haberda verwies auf das stetige Wachstum in dieser Zeit: „Wir wollen diesen Weg weiter beschreiten.“

Ein stolzer Bürgermeister

Worte, die Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) sicher gern gehört hat. Für Korpan bietet das Forschungszentrum „große Chancen“, nicht nur für die Stadt. Penzbergs Rathauschef versprach die Kommune als „starken Partner“ – mit einer guten Infrastruktur, aber auch einem hohen Wert an Freizeit, Sport und Kultur. Korpan träumte angesichts der wissenschaftlichen Zukunft eines „Hochtechnologie-Standorts“ gar ein wenig: „Vielleicht werden wir mal Universitäts-Standort.“ Das ist München mit der LMU bereits. Prof. Thomas Gudermann, Vorstand des Walther- Straub-instituts für Pharmakologie und Toxikolgie sowie Prodekan der medizinischen Fakultät, sah seine Uni als „akademischen Partner“ im künftigen Zentrum. Er setzt voll auf den Forschungszweig in Penzberg: Gerade die Corona-Krise habe gezeigt, wie wichtig es sei, „Einblicke“ in die Immunologie zu bekommen. Andreas Baar

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