Fliegende Herzen

Bischof Bertram Meier auf Antrittsbesuch im Dekanat

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Modern, weltoffen und humorvoll: Der neue Augsburger Bischof Bertram Meier begeistert seine Schäfchen.

Benediktbeuern – Drei Wochen nach seiner Weihe im Augsburger Dom kam der neue Diözesanbischof Bertram Meier zu einem Antrittsbesuch ins Klosterdorf. Nach einem gemeinsamen Vesper-Gebet in der Basilika hatten geladene Seelsorger des Dekanats Benediktbeuern, das Pfarreien zwischen Penzberg und Walchensee und von Murnau bis Bad Heilbrunn umfasst, Gelegenheit zum Gedankenaustausch mit ihrem neuen Oberhirten.

Ein Unbekannter ist Bertram Meier im Dekanat Benediktbeuern nicht, denn vor seiner Ernennung durch Papst Franziskus zum Bischof von Augsburg war er bereits als Diözesanadministrator im Bistum unterwegs. „Gut reden kann er“, wusste ein Laienseelsorger bereits, und eine Teilnehmerin aus Penzberg berichtete über die persönliche Atmosphäre, mit der Meier als Firmspender im vergangenen Jahr junge Christen und deren Eltern beeindruckt hatte. Begeistert hat der Oberhirte aus Schwaben auch die zwei Dutzend Priester, Pastoralassistenten, Diakone und Gemeindereferenten, die der Einladung zum Dekanatstreffen gefolgt waren und nun bei Kaffee und Kuchen an den Lippen des 59-Jährigen hingen. Dass ihm die Herzen spontan zufliegen, liegt wohl zum einen an den humorvollen Anmerkungen, mit denen Meier seine klaren Ausführungen gerne spickt, zum anderen aber auch an der weltlichen und modernen Auffassung, welche in den Themen erkennbar wird, die er sich für seine Amtszeit vorgenommen hat. 

Dass die hauptamtlichen und die Laien-Seelsorger in Benediktbeuern überhaupt in den Genuss des bischöflichen Besuchs kamen, hatten sie wohl dem Murnauer Pfarrer und neu ernannten Dekan Siegbert Schindele zu verdanken, der Meier schon seit den gemeinsamen Studienjahren in Rom kennt. Er wolle nicht auf große Tournee gehen und „alle Dekanate abklappern“, sagte Bertram Meier eingangs, sondern sich lieber in „Ressourcengruppen“, etwa nach Berufsgruppen oder Generationen gebildet, umhören. 

„Wir sind als Kirche in einer Zeit des Übergangs“, eröffnete Meier. Diesen gelte es aktiv zu gestalten statt nur zu verwalten. Bestehende Gremien will er noch stärker einbinden, etwa das Domkapitel, welches nicht nur „hochbezahlte Beter in violetten Talaren mit lustigen Biretten auf dem Kopf“ versammele, sondern eine „wichtige Beratungsfunktion“ habe. Auch den Priesterrat will er aus dem Dornröschenschlaf erwecken und im Herbst neu wählen lassen, um bislang noch nicht vertretene Gruppen, Richtungen und Meinungen zu berufen. Er wolle damit der „katholischen Vielfalt“ dienen, erklärte der Bischof, auch wenn dies wohl „nicht allen passen“ werde. 

Passen könnte so manchem Würdenträger auch Meiers moderne Einstellung gegenüber Frauen in der katholischen Kirche nicht. Es werde zwar keinen „germanischen Sonderweg“ geben und er könne nach wie vor keine weiblichen Priester weihen, jedoch werde er alles tun, um Frauen im Rahmen des Möglichen in Leitungspositionen zu holen, versprach er. Begonnen hat Meier damit bereits, indem er bewusst eine Amtsleiterin für das Bischofshaus ernannte. Deren Aufgabe sei keineswegs die einer profanen Büroleiterin, sondern auf politischer Ebene vergleichbar mit dem Chef der bayerischen Staatskanzlei, betonte der Augsburger Bischof. Neben einer „geschwisterlichen Kirche“ will er in einem „kooperativen Pastoral“ auch stärker mit ehrenamtlichen Seelsorgern zusammenwirken. 

Die Diözese Augsburg müsse nicht in allen Dekanaten gleich ticken, fand Meier. „Die Lenggrieser Firmlinge in der Ledernen ticken ganz anders als Firmlinge in einem Dekanat in Mittelfranken“, berichtete er, deshalb solle man zwar Grundpflöcke einrammen, jedoch keine Monokultur schaffen. „Gemeinsam Kirche sein“, postulierte der Bischof, der dazu das, was es an Buntheit und Vielfalt in der katholischen Kirche gebe, stärker profilieren und „zum Strahlen bringen“ will. Für seine Vorhaben will er sich Zeit lassen, Dinge mit Bedacht und nach gutem Beratungsprozess abwägen. „Ich möchte nicht ein getriebener, sondern ein getragener Bischof sein“, sagte Meier. Misst man die Zustimmung in Applaus und leuchtenden Gesichtern, dann sind dem neuen Augsburger Bischof im Dekanat Benediktbeuern mittragende Hände sicher. cw

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