Ohne große Schäden aus der Krise

„Die Zahlen sehen heuer etwas besser aus“: Bürgermeister Thomas Holz.

Es gab Zeiten, die noch gar nicht so lange her waren, da schlurften die Kocheler Gemeinderäte nachdenklich durchs Rathaus, wenn es darum ging, den Haushalt zu verabschieden. Als nun das 9,66 Millionen Euro schwere Zahlenwerk für 2011 auf dem Prüfstand war, machte sich im Sitzungssaal zwar keine Partystimmung breit, doch sah man überall nur entspannte Gesichter, deren dazugehörige Hände sich schließlich ohne Ausnahme erhoben, als es darum ging dem Haushalt seinen Segen zu erteilen. Diese Einstimmigkeit ist ein untrügliches Zeiten dafür, dass Kochel die finanziell turbulentesten Zeiten vorerst hinter sich gebracht hat.

Bürgermeister Thomas Holz war dennoch nicht mehr als vorsichtiger Optimismus zu entlocken. „Ich will noch nicht von einer Trendwende sprechen, aber die Zahlen sehen heuer etwas besser aus“, konstatierte er. Und in der Tat sieht das von Kämmerer Josef Buchner aufbereitete Zahlenwerk einen wichtigen Indikator für die beginnende Prosperität vor: eine 720.000 Euro schwere Zuweisung vom Verwaltungshaushalt, aus dem die laufenden Kosten bestritten werden, in den für die Investitionen zuständigen Vermögenshaushalt. „Das war in den vergangenen Jahren in dieser Größenordnung nicht möglich“, meinte Holz. Im Gegenteil: In den vergangenen beiden Jahren mussten die Kocheler sogar insgesamt 2,4 Millionen Euro aus ihren Rücklagen entnehmen. Dass dieser Trend gestoppt werden konnte, hat laut Holz drei Gründe: die „große Finanzdisziplin“ in Gemeinderat und Verwaltung, die um rund 300.000 Euro höhere Schlüsselzuweisung durch den Freistaat (als Folge der schlechten Haushaltslage 2009) sowie der aufgrund der gesunkenen Steuerkraft um 200.000 Euro auf 1,45 Millionen Euro zurückgegangene Anteil an der Kreisumlage. In diesem Zusammenhang wies Holz selbstbewusst darauf hin, dass er sich im Kreistag „vehement“ dafür eingesetzt habe, dass die Kreisumlage heuer in Summe nicht steigen wird. Dies sei im Übrigen auch der Grund dafür, weshalb man in Kochel noch vor dem Landkreis (der erst am Mittwoch am Zug ist) den Haushalt verabschieden konnte. Bei den Einnahmen der Gemeinde rangiert die Einkommenssteuer mit 1,47 Millionen Euro an erster Stelle, gefolgt von der Gewerbesteuer (1,0 Millionen Euro), der Grundsteuer (490.000 Euro) und der Umsatzsteuer (200.000 Euro). In diesem Zusammenhang erklärte Thomas Holz, dass sich der Gemeinderat zuvor hinter verschlossenen Türen einstimmig dafür ausgesprochen habe, die Sätze für die Grund- und Gewerbesteuer unangetastet zu lassen. „Ich halte in Zeiten wie diesen nichts von Steuererhöhungen, weil die Belastungen für die Bürger bereits jetzt hoch genug sind“, sagte der Rathauschef. Die finanzielle Erholung ermöglicht es der Gemeinde nicht nur, die Schulden bis zum Jahresende um 120.000 Euro auf dann 1,02 Millionen Euro abzubauen, sondern auch weiter zu investieren. Und hier steht in Kochel vor allem die Sanierung aller gemeindlichen Einrichtungen und Liegenschaften auf der Agenda. Wie Kämmerer Josef Buchner ausführte, stehen hier vor allem drei Projekte im Mittelpunkt. Die kleinste Maßnahme davon ist die 150.000 Euro teure Sanierung des Ortskanals, mit der bereits im Frühjahr begonnen werden soll. Auf rund 200.000 Euro wird der Umbau des alten Feuerwehrhauses zu Buche schlagen, was Rathauschef Holz mit den Worten kommentierte: „Für mich ist es von besonderer Bedeutung, dass in Kochel eine Polizei- und Rettungsstation betrieben wird.“ Die größte Investition des laufenden Jahres ist mit gut 350.000 Euro schließlich der Umbau der Tourist Information. Nach dem Umzug der Kocheler Tourist Info in den Bahnhof sei das Walchenseer Projekt, so Holz, „alles anderes als Luxus“. Denn um im Tourismusbereich „mit der Zeit Schritt halten zu können, müssen wir auch die Einrichtung am Walchensee technisch und serviceorientiert auf einen aktuellen Stand bringen“. Darüber hinaus erhält die Kochler Feuerwehr für 80.000 Euro noch ein so genanntes K-Boot, was der Gemeinde allerdings nichts kostet, weil diese Summe komplett durch Zuschüsse von Landkreis und Freistaat bestritten wird. Der Bürgermeister wollte aber nicht verhehlen, dass es noch einige Projekte gäbe, für die derzeit aber das Geld fehle. Gleichwohl sieht er Kochel für die kommenden Jahre „gut gerüstet“ - und zwar aus ei-nem einfachen Grund: „Wir haben in den finanziell schwierigen und stürmischen Zeiten der vergangenen beiden Jahre unsere Gemeinde auf Kurs gehalten und die Krise daher auch ohne allzu große Schäden überstanden.“

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