„Ein bayerischer Jedermann“: Viel Applaus für Oberlandler-Inszenierung

Am Ende doch nicht alleine

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Das ausschweifende Leben bleibt nicht ohne Folgen: Erst umgibt sich der Jedermann mit schönen Frauen, was sich aber schon bald rächen sollte, weil ihn der Tod inmitten eines Festbanketts heimsucht.

Penzberg – Jedermann trifft Sensenmann: ein Werk über die Nichtigkeit des Materiellen. Mit der berühmten Tragödie von Oskar Weber wagte sich das Oberlandler Volkstheater an ein Stück über Leben und Tod, Schuld und Sühne.

Ein authentisch-bayerisches Theaterspektakel haben sich die Oberlandler zum Abschluss ihres Jubiläumsprogramms anlässlich des 110-jährigen Bestehens auf den Spielplan gesetzt: „Ein bayerischer Jedermann“, die von Oskar Weber in Mundart gesetzte Tragödie vom Sterben eines reichen Mannes. Regisseurin Claudia Herdrich ist es dabei nicht nur gelungen, ein Mammutensemble mit 60 Mitwirkenden auf der Bühne in der Stadthalle unterzubringen, sondern diese altbekannte Geschichte von der vertanen Zeit des materiellen Erfolges so in Szene zu setzen, dass es kaum einen im Saal gab, der sich davon nicht hatte beeindrucken lassen. 

Markus Bocksberger zeigte an diesem Premierenabend als Jedermann, dass er weit mehr drauf hat als für einen Kneipenwirt erforderlich. Sehr lebensnah und glaubwürdig gerät seine Interpretation der zentralen Figur. Als Jedermann führt er alles andere als ein gottgefälliges Leben. Geiz, Untreue und Skrupellosigkeit bestimmen den Umgang mit seinen Mitmenschen. Er ist ein Egoist, wie er im Buche steht, und zeigt für Arme und Untergebene kein Erbarmen. Mitten im Trubel eines Festbanketts, das Jedermann für seine Buhlschaft gibt, erscheint der Sensenmann und fordert ihn auf, vor Gottes Thron zu kommen. Nur eine kleine Frist wird ihm gewährt, damit er einen Gefährten finden kann, der den letzten Weg mit ihm zusammen geht. Aber: Niemand ist bereit, Jedermann in den Tod zu begleiten. Auch der Mammon, Jedermanns Reichtum, will seinem Herrn nicht folgen. In seiner Todesnot erkennt er, dass alle materiellen Güter vergänglich sind und bereut sein ausschweifendes Leben. Da hört Jedermann leise Stimmen, die seinen Namen rufen: Seine „Guten Werke“ in Gestalt zweier schwacher, gebrechlicher Frauen sind bereit, ihn ins Jenseits zu begleiten und bitten den Glauben um Beistand. So muss selbst der Teufel erkennen, dass ihm Jedermanns schon sicher geglaubte Seele durch die Gnade Gottes verloren geht. 

Neben Bocksberger überzeugten auch Tom Sendl als Teufel und Mike Wolff als Mammon. Ferner beeindruckte Catrin Bocksberger in ihrer Rolle als der Tod. Aber auch die übrigen Akteure spielten mit solch einer Intensität und Leidenschaft, dass das Publikum dem Treiben auf der Bühne fasziniert folgte. Minutenlanger Beifall am Ende der Aufführung belohnte die Oberlandler für ihren engagierten Einsatz. 

Gelegenheit, die volkstümliche und zugleich groteske Tragödie vom Leben und Sterben des reichen Mannes in der Stadthalle zu sehen, gibt es noch am 30. November und 1. Dezember. mk

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