Feiern bis der Bus kommt

20 Liveacts, 17 Locations: Sechste Auflage der Penzberger KultUHRnacht

Wieder am Start: Der Partybus mit Bar und Musik, aus dem im vergangenen Jahr so mancher aus dem feiernden Volk am liebsten gar nicht ausgestiegen wäre, bleibt auch heuer der Penzberger KultUHRnacht treu.

Penzberg – Ein Glück, dass die Zeitumstellung noch nicht abgeschafft ist und die Zeiger auf der Uhr nach wie vor von Sommer- auf Winterzeit bugsiert werden möchten. Schließlich zelebriert die Penzberger KultUHRnacht am 26. Oktober gerade das „Am-Rädchen-Drehen“ zur frühen Morgenstunde.

Sie strahlt, als ob es eine Premiere wäre, dabei organisiert Iris Mühle bereits zum sechsten Mal die Penz­berger KultUHRnacht. „Wir haben gemeinsam angefangen“, schmunzelt Bürgermeisterin Elke Zehetner, die vor sechs Jahren, 2014, ins Rathaus zog. Mit den Jahren hat Mühle nichts von ihrer Begeisterung für diese besondere Nacht in Penz­berg verloren. Eine Begeisterung, die auch das diesjährige Programm widerspiegelt: 20 Liveacts, die an 17 völlig verschiedenen Locations für Stimmung sorgen werden. Mühle betont dabei, dass sie wieder Bands gewonnen habe, welche beweisen, dass es auch hier in der Region Musiker gibt, die „sich sehen und hören lassen können“. Und nein, Locations ist dabei nicht als Begrifflichkeit gewählt, weil Anglizismen in dem Veranstaltungsbusiness so gang und gäbe sind, sondern weil es eben tatsächlich mehr als nur Lokale sind, die der Musik Raum geben. Das sei mit ein Grund, weshalb es Mühle so viel Spaß macht, mit und in Penzberg zu arbeiten. 

Stille, Gesang, Gebet

Allein der Start in die KultUHRnacht dürfte da schon etwas Außergewöhnliches sein: Der Chor Quo Vadis lässt seine Stimmen durch die Christkönig-Kirche schallen, nicht mit klassischen Gottesliedern, sondern mit schwungvollen Medleys und Musical-Werken, darunter Auszüge aus Sister-Act, so dass die Sänger humorvoll einen Bogen zum Ort des Geschehens spannen. Anschließend bleiben die Pforten der Kirche noch bis 23.30 Uhr geöffnet, mal in völliger Stille, mal mit Orgelmusik, mal mit Taizé-Gesängen. Ein Nachtgebet beendet den langen Tag für das an diesem Abend von Kerzenschein erfüllte Gotteshaus. 

Fahrkarte am Handgelenk

Kostenlos lassen sich die Gänge der Kirche durchschreiten, für die nachfolgenden Locations benötigen die Besucher dann aber ein Bändchen am Arm. Die Eintrittskarte am Handgelenk ist zugleich auch eine Fahrkarte für den Stadtbus und gewährt darüber hinaus den Einstieg in den Partybus, der zwischen 20 und 2 Uhr verkehrt. Und bereits dort wird bei lauter Musik mächtig gefeiert und die Vorfreude auf den nächsten Act angeheizt. 

Blues zwischen Bücherregalen

Wenige Meter von den Haltestellen entfernt erreichen die Nachtschwärmer und Kulturfreunde dann die einzelnen Konzerte. Schweizerisch-deutscher Blues, Folk, Jazz und Rock zwischen Bücherregalen, Funk, Soul und Pop mit afrolateinischen Rhythmen dort, wo eigentlich Break­dancer den Boden wischen, und Vater-Sohn-Rock inmitten von feinstem Rebensaft. Egal ob Buchhandlung, Tanzschule oder Weinhandlung, die Musik zieht in dieser Nacht schier überall ein. 

Ein Programm allein für Penzberg

Und dass es nicht allein Instrumente sind, die dann bis auf die Straßen klingen, sondern auch Geschichten und Geschichte, freut Organisatorin Iris Mühle besonders. In die Stadtbücherei kommt  nämlich Willi Sommerwerk. Der Liedermacher präsentiert an der Karlstraße mit seinem Programm „Schön war die Zeit“ musikalisch wichtige Ereignisse von der Gründung der Bundesrepublik Deutschland bis zur revolutionären 1968er-Bewegung. Dabei fokussiert er sich auf die Geschehnisse in Penzberg. „Er hat sich intensiv über die Geschichte der Stadt informiert“, so Mühle, die begeistert davon ist, dass der Geretsrieder Künstler eigens für diesen Anlass ein Sonderprogramm auf die Bühne bringt, selbst durchs Stadtarchiv ist Sommerwerk zu Recherchezwecken geschlendert. Ein „einzigartiges und einmaliges Event“, schwärmt Mühle. Doch auch für den Menschen Sommerwerk weiß sie zu schwärmen: „Er ist ein ganz, ganz toller Künstler, sympathisch und offenherzig“. Gespannt erwartet Mühle schon jetzt das, was Sommerwerk zu sagen und zu singen hat. 

Premiere für das Jugendzentrum

Doch nicht allein in die Stadtbibliothek wird es Mühle in den letzten Stunden bis zur Zeitumstellung verschlagen, das ist gewiss. Denn auch von all den Bands, darunter „SonPas“ im WeinGut Penzberg, „Helden der Vorstadt“ in Davids Bistro und „Kopfeck“ in der Koinschaufe schwärmt die Organisatorin. Noch breiter wird ihr Grinsen jedoch, wenn sie ans Jugendzen­trum denkt, denn das Haus öffnet zum ersten Mal seine Türen für die KultUHR­nacht, und das gleich mit zwei Bands, „Wild und Hungrig“ sowie „Roadstring Army“. Wie ein fehlendes Puzzleteil scheint das Jugendzentrum für Mühle gewesen zu sein, ein wenig triumphierend lächelt sie jedenfalls, wenn sie auf diese Errungenschaft im frisch gedruckten Programmheft blickt. 

Ein Event für alle 

Dass diese und die 19 weiteren Errungenschaften überhaupt errungen werden konnten, das verdankt Mühle den Sponsoren, ohne die der günstige Eintritt von 12 Euro im Vorverkauf und 15 Euro an der Abendkasse nicht möglich wäre. Mit den Preisen nach oben wandern oder das Repertoire an Veranstaltungen einzudampfen, kommt für Mühle nämlich nicht in Frage. Sie möchte, dass sich „jeder diesen Abend leisten kann“, und auch bei der Qualität will sie „keine Abstriche machen“. Kein Wunder also, dass sie mit einem Lächeln zu Johannes Ritter blickt, dem Kommunikationschef des Unternehmens, das als Hauptsponsor die KultUHRnacht mit am Leben hält: Roche. Doch nicht allein einen Großteil der finanziellen Mittel stellt das Pharmaunternehmen zur Verfügung, auch Raum. Zum vierten Mal wird nämlich aus dem Bürogebäude 021 vor den Werkstoren ein Konzerthaus, in dem zwei Bands die drei Etagen vibrieren lassen. Das Besondere: die beiden Formationen „Bad Work Station“ und „Spiders n Snakes“ setzen sich fast ausschließlich aus Roche-Mitarbeitern zusammen, betont Ritter, der hofft, dass es noch mehr Besucher als im vergangenen Jahr zu dem „tollen Projekt“ zieht, das sich „in Penzberg und der Region etabliert hat“. 

Schönes Wetter aus dem Piratenhut

Damals waren rund 1.700 Menschen auf Achse, doch damals „strömte auch der Regen durch die Straßen“, erinnert sich Mühle. Die wünscht sich nun, dass die Wolken über Penzberg diesmal geschlossen bleiben. Einen Wunsch, mit dem sie auch noch den Piraten-Zauberer behelligen möchte, den sie in diesem Jahr im Bistro Genießer Rumflaschen vermehren lässt. Sollte der dann tatsächlich trockenes Wetter aus dem Piratenhut zaubern, wäre das wirklich ein cleveres Engagement, das Iris Mühle da gelungen ist. ra 

Ausführliche Informationen zum Programm sowie Karten sind unter www.penzberger-kultuhrnacht.de erhältlich. Die Tickets können auch in allen teilnehmenden Locations erworben werden.

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