Klares Nein im Stadtrat

Penzberg: Abfuhr für zweiten Aldi

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Penzberg – Der Discounter-Riese Aldi möchte einen zweiten Standort in Penzberg ansiedeln. Doch der Stadtrat schob dem anvisierten Standort im Nordwesten der Stadt einen Riegel vor.

Der Antrag wurde in der jüngsten Sitzung vom Stadtrat mehrheitlich abgelehnt. Zu groß ist die Sorge vor einer Konkurrenz für die Innenstadt. Der Antrag ging im Penzberger Rathaus ein: Der Aldi-Konzern will eine weitere Filiale in der Stadt errichten. Dafür hat sich das Unternehmen den Grundstückseigentümer einer Fläche an der Dr.-Gotthilf-Näher Straße in das Boot geholt. Der Discounter soll auf einer unbebauten Fläche unweit des dortigen Möbelhauses und eines Fahrzeugteileherstellers errichtet werden. Es wäre nach der Sindelsdorfer Straße der zweite Standort des Handelsmultis in der Stadt.

Verwaltung mahnt

Doch auf Begeisterung stieß das Ansinnen in der Verwaltung nicht. Dem Vorhaben steht der Bebauungsplan „Gewerbezentrum Seeshaupter Straße-Westtangente“ sowie das im Jahr 2015 verabschiedete Einzelhandelskonzept der Kommune entgegen. Dies machten Rathausvertreter am Dienstagabend in der Stadtratssitzung deutlich. Beides dient dem Schutz des heimischen Handels in der Innenstadt - in dem bestimmte Verkaufsgüter abseits des städtischen Zentrums überhaupt nicht angeboten werden dürfen. „Verkaufsflächen mit zentrenrelevanten Sortimenten sind auch als Ausnahmen nicht zulässig“, steht deshalb im Bebauungsplan eindeutig geschrieben. 

Furcht vor Nachahmern

Für die Aldi-Ansiedlung hätte nun der Bebauungsplan entsprechend geändert werden müssen. Dafür sah das Bauamt jedoch „keinen Anlass“ - und verwies auf die negativen Folgen einer solchen Entscheidung. Er sehe die Gefahr, „dass das Nachahmer findet“, mahnte Stadtbaumeister Justus Klement in der Sitzung. Der Discounter würde sein Geschäft zu Lasten existierender Strukturen betreiben. Klement warnte davor, dass potentielle Kunden künftig komplett die Innenstadt meiden würden. 

Unterstützung von Cima-Berater

Zur Unterstützung hatte sich das Rathaus die Cima-Beratung geholt. Die Agentur berät die Stadt seit Jahren und war auch in das damalige Einzelhandelskonzept involviert gewesen. Ingesamt sei die Nahversorgung im Stadtgebiet als „ganz gut“ zu bezeichnen, war von Berater Jan Vorholt zu hören. Mit Edeka und E-Center, Lidl, Penny, Norma, Rewe, und eben der einen Aldi-Filiale finden sich immerhin sechs Märkte. Allerdings räumte der Cima-Mann einen Wermutstropfen ein: Ausgerechnet im Westen gebe es nach dem Aus des dortigen Edeka-Markts eine Versorgungslücke für die angrenzenden Wohngebiete rund um Steigenberg. Fazit von Vorholt: Eine Kundenfrequenz für den Standort an der Dr.-Gotthilf-Näher Straße wäre durchaus vorhanden, obwohl die nächste Wohnbebauung immerhin bis zu 600 Meter entfernt ist. Die Aldi-Anfrage sei durchaus nachvollziehbar, räumte Vorholt ein. Dennoch kann sich der städtische Gutachter nicht mit einer dortigen Ansiedlung anfreunden: „Es ist kein städtebaulich integrierter Standort.“ 

Kostbare Gewerbeflächen

Zweites gewichtiges Gegenargument der Verwaltung: Mit einer Ansiedlung falle kostbarer Gewerbegrund weg. Und diesen gibt es in Penzberg viel zu wenig. Die Kommune habe Nachfrage nach solchen Arealen, hieß es vom Berater. Gewerbeflächen zu finden, sei in der Stadt „fast unmöglich“, konstatierte Stadtbaumeister Klement. Es ist bekannt, dass in letzter Zeit Wirtschaftsförderung und Liegenschaftsverwaltung immer wieder ansiedlungswillige Interessenten mangels Masse haben vertrösten müssen. Argumente, die letztendlich bei der Mehrheit der Stadträte quer durch fast alle die Fraktion verfingen. „Ich fürchte, dass wir uns einiges verbauen“, sagte Regina Bartusch (SPD) - die darauf hofft, dass sich irgendwann ein qualitativer Einkaufsmarkt an der Seeshaupter Straße niederlässt. Man dürfe „die Büchse der Pandora nicht aufmachen“, mahnte Ute Frohwein-Sendl vor negativen Auswirkungen.

Nicht Räte alle dagegen

Doch es gab auch Aldi-Befürworter. Alexandar Trifunovic (CSU) sprach sich klar für die Gewerbeansiedlung aus. Was sein Fraktionskollege Christian Abt genauso sah - er erwartet mit dem zweiten Marktstandort im Westen gar eine Entlastung vom innerstädtischen Durchgangsverkehr. Armin Jabs (BfP) bezeichnete den ins Auge gefassten Standort am westlichen Stadtrand zwar als „nicht optimal“, verwies aber auf das „Riesenwohngebiet“ in der Nähe. Sie konnten sich aber nicht durchsetzen. Der Stadtrat lehnte mit großer Mehrheit den Antrag auf eine Bebauungsplanänderung für die Aldi-Ansiedlung aus städtebaulichen Gründen ab. Dafür stimmte neben Jabs, Abt und Trifunovic noch die restliche BfP-Fraktion um Wolfgang Sacher und Rüdiger Kammel.

Andreas Baar

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