Der Versuchung widerstehen

Pro Innenstadt appelliert an die Solidarität von Kunden und Vermietern

Hoffen auf die Solidarität der Penzberger: Jörn Millan, Tatjana Patermann und Monika Uhl (von links) vom Gewerbeverein Pro Innenstadt.

Penzberg – Wenn Einzelhändler nicht im Laden, sondern auf der Straße stehen, dann stimmt irgendwas nicht. Und das tut es derzeit: Seit 17. März sind, mit Ausnahme jener für die Grundversorgung, alle Geschäfte in Bayern geschlossen. Dass seither der Online-Handel noch größere Umsätze als zuvor macht, hat nun die Spitze des Gewerbevereins Pro Innenstadt auf die menschen- und autofreie Bahnhofstraße gedrängt, um einen dringenden Appell loszuwerden, einen Appell an die Kunden, aber auch an die Vermieter.

„Wir appellieren an die Solidarität der Penzberger, trotz aller Langeweile und Bequemlichkeit jetzt nicht im Internet zu shoppen“, sagt Jörn Millan. Und es klingt beinahe flehentlich, wenn er hinterherschiebt: „Amazon & Co. werden unsere Innenstadt nicht wieder aufbauen, wenn diese Krise wieder vorbei ist.“ Für Tatjana Patermann, seine Vorstandskollegin bei Pro Innenstadt, steht fest: „Handel wie auch Dienstleister stehen mit dem Rücken an der Wand. Die nächsten Wochen werden eine Zerreißprobe für alle Unternehmer.“ 

Dabei sind die ausbleibenden Kunden nur das eine große Problem, das zweite sind die laufenden Kosten, unter denen aber nicht nur die Einzelhändler in der Innenstadt, sondern alle Unternehmer zu leiden haben: mit Personal und Miete als größten Posten. Durch das von der Bundesregierung bereitgestellte Kurzarbeitergeld, werden zumindest die Personalkosten minimiert. Und der Freistaat Bayern gewährt Soforthilfen bei Liquiditätsproblemen. Aber da gibt es ja auch noch die Vermieter, an die sich Pro-Innenstadt-Chefin Monika Uhl mit eindringlichen Worten wendet: „Die Unternehmen sind unverschuldet in diese Situation gekommen. Wir appellieren deshalb dringend an alle Eigentümer, die Miete für Unternehmer zu erlassen. Mit einer Stundung ist jetzt nicht geholfen, denn die Verluste für die Wirtschaft sind enorm. Der Erlass der Miete wäre ein Zeichen der Solidarität, dass man auch in schlechten Zeiten zueinander steht.“ Und während Uhl, Patermann und Millan da so auf der Bahnhofstraße stehen, keimt im Internet auch schon ein wenig Hoffnung: „Wir erleben in den sozialen Medien Solidarität und Rückhalt für die Innenstadt“, schnauft Monika Uhl tief durch. Und trotz aller im Augenblick als unbewältigbar erscheinender Probleme schöpft sie etwas Zuversicht: „Penzberg hat schon viele Krisen gemeistert und ist gestärkt daraus hervorgegangen. Die Zeit nach der Krise wird nicht einfach, aber wenn wir zusammenstehen und uns gegenseitig stützen, dann werden wir auch das schaffen.“     la

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