Kritik an Abrissbeschluss

Penzberg: Denkmalverein will Schlachthof erhalten

Auf dem Foto ist der Schlachthof an der Karlstraße in Penzberg zu sehen.
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Der Schlachthof an der Karlstraße soll weichen.

Penzberg – Der Penzberger Denkmalverein wehrt sich gegen den Abriss des alten Schlachthofs. Die Stadt möchte auf dem zentrumsnahen Areal an der Karlstraße einen Parkplatz errichten – temporär, bis die Nutzung geklärt ist.

Im September hatte der Stadtrat mit großer Mehrheit beschlossen, das seit geraumer Zeit ungenutzte Ensemble – zuletzt war dort eine Wäscherei untergebracht – abzureißen. Ebenfalls Anklang fand der Vorschlag der Verwaltung, die Fläche für dringend benötigte Stellplätze in der Innenstadt auszuweisen. Das ruft den Verein für Denkmalpflege und Stadtgeschichte auf den Plan. Man betrachte das Vorhaben, den 1899 erbauten Schlachthof für Parkplätze zu opfern, als eine „Penzberger Kulturschande“, teilt Vorsitzender Max Kapfer mit und spricht von einem „gewissen architektonischen Charme“ des Anwesens am Einfallstor zum Stadtzentrum. Immerhin sei das Gebäude an der Karlstraße ein Teil des städtischen Geschichtslehrpfads, argumentiert Kapfer. Er fürchtet einen weiteren Kahlschlag: Von den 29 Gebäuden, die der Pfad würdigt, seien lediglich 18 Objekte noch vorhanden. „Alle anderen wurden bereits abgerissen.“

121 Jahre alt

Der 121 Jahre alte Schlachthof samt der Nebengebäude verdiene es, „als eines der ältesten noch bestehenden Gebäude in Penzberg“ erhalten zu werden. Zudem liege das Ensemble im Grüngürtel und sei „für das Stadtklima wichtig“, wie Kapfer gegenüber der Rundschau ergänzt. Das Ensemble sei im weitesten Sinne auch „Eigentum der Bevölkerung“, argumentiert der Verein. Kapfer verweist auf das finanzielle Engagement der Bergleute aus dem lokalen Bier- und Malzaufschlag für den Bau. Deshalb sei es befremdlich, dass die Öffentlichkeit bei den Abrissplänen kein Mitspracherecht habe. Klare Forderung des Denkmalvereins: Der Abriss des Gebäudes solle nochmals überdacht werden. Zudem wünscht sich der Vorsitzende einen „Tag der offenen Tür“. Diesen Termin sollten „auch Stadträte“ für eine Besichtigung nutzen, regt Kapfer auf Nachfrage an. In der Vergangenheit war von der Stadtpolitik immer wieder eine soziale Nutzung des Schlachthofs – von Seniorentreff über Mehrgenerationenhaus bis Tagespflege – diskutiert worden. Warum dies „nicht ernsthafter auf den Prüfstand gestellt wurde“, erschließe sich ihm nicht, kritisiert Kapfer.

Abriss Anfang 2021

Der Abriss ist für Anfang kommenden Jahres angedacht, die Parkplätze könnten im Frühjahr 2021 entstehen. Diesen Zeitplan hatte Stadtbaumeister Justus Klement der Rundschau genannt. Klement hatte betont, dass die Fläche „nicht unnötig versiegelt“ werden soll. Für wie lange das Areal derart genutzt wird, ist im Rathaus unklar. Der Denkmalverein fürchtet eine langfristige Lösung. Der Vorsitzende erinnert an den Abriss des Staltacher Hofs im Jahr 2007. Ein Bauzaun zierte lange die unansehnliche Brachfläche, der heutige Stadtplatz wurde damals ebenfalls als provisorischer Parkplatz genutzt. Kapfer: „Das waren zehn Jahre.“ Große Hoffnung auf einen Erhalt des Schlachthofs macht man sich beim Verein allerdings nicht. Das räumt Kapfer selbst ein. Er blickt nach Kochel, wo das Verstärkeramt abgetragen wird: „Denkmalschutz allein schützt nicht vor Abriss.“

Andreas Baar

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