Anwohnerprotest in der Innenstadt

Penzberg: "Eismärchen" muss leise sein - Gutachter redet Klartext

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Penzberg – Droht dem Penzberger „Eismärchen“ das juristische Aus? Die Stadt hatte beim TÜV ein Lärmschutzgutachten in Auftrag gegeben. Grund sind Beschwerden einer Anwohnerin. Der Gutachter sagt klar: Die  Veranstaltung auf dem Stadtplatz muss dauerhaft leise sein.

Von Dezember 2019 bis Januar 2020 wurde es ernst: Josef Dicklhuber vom TÜV Südbayern baute am offenen Fenster einer Wohnung am Rathausplatz seine Messgeräte auf. Seine Aufgabe: Herausfinden, wie hoch die Lärmbelästigung durch das beliebte Schlittschuhspektakel auf dem benachbarten Stadtplatz ist. Heraus kam eine Fülle an Datenmaterial, wie nun die Stadträte erfuhren. Kernaussage des Experten: Mal lagen die Schallwerte über dem für den städtischen Kernbereich geltenden Richtwert von 60 dB (A), mal darunter. In „Ausnahmesituationen“, so Dicklhuber, schlugen die Geräte gar bei 80 dB (A) aus – aber da sei auch Silvester gerwesen. Lärmquelle war laut Gutachter aber nicht nur die Musik. Kufengeräusche und Kindergeschrei listete Dicklhuber ebenfalls auf. 

Keine Live-Musik mehr

Klare Aussage des Fachmanns: Sollte die Stadt das „Eismärchen“, angesetzt vom 5. Dezember bis 10. Januar 2021, ausrichten wollen, muss sie dafür sorgen, dass mindestens die Musik dauerhaft leise bleibt. Dabei war die Anlage für die letzte Auflage eigens gedrosselt worden. Live-Bands sind künftig wie Eisdiscos tabu. „Das reißt den Messwert sofort“, warnte der TÜV-Mann. Der Kommune bleibt wenig Spielraum, war herauszuhören. Dicklhuber („Es geht nicht um Einzelpersonen“) verwies auf die rechtlichen Grundlagen: „Es ist leider so, dass immer weniger möglich ist.“ Eine Sichtweise, die das Ordnungsamt teilt. Die Vorgaben müssen eingehalten werden, so Leiter Peter Holzmann – auch „als Sicherheit für uns“. 

Es gibt ein Hintertürchen

Die Reaktionen der Stadträte fielen unterschiedlich aus. Während Christian Abt (CSU) auf eine „sehr lebendige Stadt“ verwies, die „im Würgegriff einer einzelnen Person“ sei, hatte Kerstin Engel (Grüne) die Anwohner im Blick: „Es geht auch um Menschen, die dort wohnen.“ Elke Zehetner (SPD), unter deren Bürgermeisterägide das „Eismärchen“ etabliert wurde, warnte vor einem veranstaltungsfreien Stadtplatz: „Wir können uns schon langsam jede Lebensader abdrehen.“ Ein Hintertürchen bleibt der Stadt für künftige Veranstaltungen: Laut Gutachter Dicklhuber erlaubt der Gesetzgeber jährlich 18 Tage für „seltene Ereignisse“, an denen die Lärmgrenzwerte überschritten werden dürfen. Allerdings seien dies wirkliche Sonderfälle, die Stadt könne diese Tage nicht einfach für das „Eismärchen“ hintereinander hängen.

Rathaus optimistisch

Im Rathaus sieht man trotz der drohenden Einschränkungen keine Gefahr für das „Eismärchen“. Ordnungsamtsleiter Holzmann will jedoch das Gespräch mit den Betroffenen und einen Konsens suchen. „Eismärchen“-Organisator Thomas Sendl geht davon aus, „dass es unter diesen Voraussetzungen staffindet“, wie er gegenüber der Rundschau sagt. Er verweist auf die eh schon strengen Corona-Auflagen, die größere Veranstaltungen verbieten. Der Penzberger Rechtsanwalt Markus Fürst, der die Anwohnerin vertritt, ist grundsätzlich zufrieden mit dem Gutachten:„Wir fühlen uns bestätigt.“

Andreas Baar

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