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Penzberg: FDP unterstützt Roche-Ausbau, nimmt aber Konzern in die Pflicht

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Von: Andreas Baar

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Unterstützen „ganz klar“ die Roche-Erweiterung, sehen aber visionären Handlungsbedarf: FDP-Ortsvorsitzender Timo Böge (l.) und Mitglied Werner Schanz. © Andreas Baar

Penzberg – Die geplante Erweiterung des Roche-Standorts in Penzberg wird auch kritisch gesehen. Die Kritik ruft den FDP-Ortsverein auf den Plan.

Im Penzberger Stadtrat war man sich im Juli überhaupt nicht einig gewesen. Die Roche-Erweiterung im Nonnenwald nahm dort zwar die nächste Hürde, aber alles andere als einmütig. Das Lokalparlament segnete mit einer 14:9-Mehrheit den Entwurf des Bebauungsplans „Biotechnologiezentrum Nonnenwald Nord“ und der notwendigen Änderung des Flächennutzungsplans ab und schob das Genehmigungsverfahren damit in die nächste Runde. „Nein“ sagten damals angesichts der Dimensionen die Vertreter von PM, Grüne und FLP. Diverse Rundschau-Leser schlossen sich deren Kritik in Leserbriefen an.

Erweiterung sei nötig

Eine Kritik, die den Ortsverband Penzberg-Iffeldorf der FDP, der nicht im Stadtrat vertreten ist, alarmiert. Bei einem Pressegespräch macht Vorsitzender Timo Böge klar, dass er hinter dem Basler Biotech-Konzern steht: „Wir unterstützen ganz klar diese Erweiterung.“ Der Ausbau des Standorts im Nonnenwald sei „einfach notwendig“, ergänzt FDP-Mitglied Werner Schanz und wundert sich: „Ich sehe nicht, was man als Stadt dagegen sein soll.“ Im Gegenteil, in Penzberg solle man doch froh sein, „dass man ein relativ konjunkturunabhängiges Unternehmen bei uns hat“, ergänzt Schanz. Roche sei immerhin auch ein wichtiger Arbeitgeber, ist von den beiden FDP-Vertretern unisono zu hören. Überhaupt habe die Stadt von dem Konzern vor seiner Haustür grundsätzlich profitiert, verweist der örtliche Frontmann Böge auf ein hohes Bildungsniveau und eine „sehr gute“ Schullandschaft in Penzberg.

„Es gibt auch gewisse Risiken.

FDP-Ortsvorsitzender Timo Böge zur Roche-Erweiterung.

Doch zum reinen Ja-Sager will sich Böge nicht abstempeln lassen. „Es gibt auch gewisse Risiken“, räumt der Ortsvorsitzende mit Blick auf das industrielle Schwergewicht im Nonnenwald ein. Es bestehe die Gefahr, dass durch den „Leuchtturm“ kleine und mittlere Betriebe „an den Rand gedrängt werden“. Ein „ganz klares Risiko“, mahnt Böge.
Überhaupt die Risiken. Böge sieht gleich drei Gefahrenstellen durch einen Ausbau des Standorts, auch mit vielen neuen Mitarbeitern und deren Bedarf: für die Verkehrssituation, den Wohnungsmarkt und die Zahl der Kinderbetreuungsplätze in den Kita-Einrichtungen. Bei der FDP wünscht man sich, dass Roche mit ins Boot geholt wird. Man dürfe „Großunternehmen nicht völlig aus der Pflicht entlasten“, sagt Mitglied Schanz. Vorsitzender Böge sieht bei allem noch Luft nach oben. Die Roche-Pendlerbusse seien „nicht brechend voll“. Das Unternehmen müsse mehr eigene Wohnungen und kleine Einheiten schaffen für die vorübergehende Nutzung („Die Boardinghäuser sind super aber nicht ausreichend“). Und dass Roche eine „richtigen Betriebskindergarten“ auf eigene Kosten errichtet, „würden wir als angemessen sehen“, sagt Böge.

Vision? „Gibt es keine“

Die FDP hat also eine „Erwartungshaltung“ an das Unternehmen, aber auch an die Stadt, formuliert es der Ortsvorsitzende. Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) und der Stadtrat seien in der Pflicht, „produktiv die Entwicklung zu steuern“, verlangt der FDP-Vertreter, der auch schon mit BfP-Vertretern deshalb konferiert hat. Bei der FDP braucht man mangels eigener Sitze im Gremium politische Unterstützung aus dem Stadtrat. Böge sieht Handlungsbedarf: „Es gibt viele Wachstumsschmerzen in Penzberg.“ Diese gelte es abzuwägen. Dabei sei Frage, ob man überhaupt Wachstum wolle, längst hinfällig: „Die Frage ist, wie.“ Böge fehlt jedoch eine Vision: Aus Sicht der FDP „gibt es keine“, sagt er klipp und klar.

Infoveranstaltungen gewünscht

Positiv sei, dass es gerade beim Roche-Vorhaben diverse Gespräche gebe, lautet das Fazit von Böge. Allerdings vermisst er Transparenz – und bemängelt, dass der Bürger „nicht so mitgenommen wird“. Der FDP-Mann würde sich deshalb Infoveranstaltungen von Stadt und Konzern wünschen.

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