Tag 1 in der Geisterstadt

Penzberg im Katastrophenfall: Geschlossene Geschäfte und leere Straßen

Kein Auto auf der Karlstraße: Penzberg am ersten Tag des Katastrophenfalls

Penzberg – Mittwoch kurz vor zwei: Tag 1 des Katastrophenfalls. In der Karl­straße ist kaum ein Auto zu sehen, ein paar Radfahrer nutzen das traumhafte Vorfrühlingswetter für eine Spritztour. Vor dem Rathaus stehen zwei Frauen. „Hier sieht es aus wie in einer Geisterstadt“, sagt die eine. Die andere nickt, beide lächeln, machen gute Miene zum bösen Spiel.

Drinnen, im Rathaus, hat um 10 Uhr der Krisenstab unter Leitung von Bürgermeisterin Elke Zehetner zum dritten Mal getagt. Viel kann man da nicht tun, das Heft des Handelns liegt längst in Berlin, vor allem aber in München. Den Takt gibt Söder vor, Zehetner kann allenfalls reagieren und ein paar Akzente setzen. Das Rathaus etwa wurde komplett geschlossen, wer dort jetzt etwas braucht, kann eine Servicenummer wählen (08856/813555). Dass jetzt die Wirtschaft leidet, hat den Krisenstab zudem veranlasst, einen kleinen Beitrag zur Linderung zu leisten: Auf der Homepage der Stadt sollen die Leistungen und Öffnungszeiten all jener Einzelhändler und Gastronomiebetriebe, die noch öffnen dürfen, aufgelistet werden. „Wir müssen jetzt die Unternehmen so gut wie möglich unterstützen. Hier appelliere ich an die Solidarität der Bürger, die den Unternehmen mit dem Kauf von Gutscheinen Einnahmen garantieren können“, sagt Zehetner. 

Monika Roehl war inzwischen bei Aldi und versteht die Welt nicht mehr: „Wie kann es sein, dass die kleinen Geschäfte geschlossen werden, die Bevölkerung sich aber ungehindert beim Einkaufen im Supermarkt infizieren kann?“, fragt sie. Sie hat sich auch direkt bei Aldi beschwert, weil es keinerlei Sicherheitsvorkehrungen für die Kunden und die Frauen an der Kasse gebe. „Da kann man nur von mangelndem Interesse ausgehen“, sagt sie. Und dann ist da noch die Stichwahl in gut einer Woche. Elke Zehetner mag sich nicht mehr mit CSU-Mann Stefan Korpan messen, lehnt eine via Internet übertragene Diskussion vor dem Showdown ab. Statt dessen wirbt die SPD bei der CSU um Unterstützung für Zehetner. Das ist auch ein Katas­trophenfall, aber ein anderer.     la

Auch interessant

Meistgelesen

Gesichtsmasken: Trachtenstube näht doch wieder
Gesichtsmasken: Trachtenstube näht doch wieder
Sanierung der Asamstraße wird vorangetrieben
Sanierung der Asamstraße wird vorangetrieben
Lautstarke Rekultivierungsarbeiten in der Antdorfer Kiesgrube belasten Anwohnerin aus Iffeldorf
Lautstarke Rekultivierungsarbeiten in der Antdorfer Kiesgrube belasten Anwohnerin aus Iffeldorf
Stefan Korpan stellt Agenda für die ersten 100 Tage im Amt vor
Stefan Korpan stellt Agenda für die ersten 100 Tage im Amt vor

Kommentare