Fröhliche Unwort-Allianz

CSU und Penzberg Miteinander feiern, der Konkurrenz ist das höchst suspekt

Haben Spaß im Wahlkampf: die Bürgermeisterkandidaten Stefan Korpan (links) und Markus Bocksberger beim Austausch der Internet-Adressen.

Penzberg – Man glaubt es kaum, dass in einer Stadt wie Penzberg, die über Jahrzehnte hinweg als Inbegriff der Solidarität der Starken mit den Schwachen galt, das Adverb „miteinander“ zum Unwort verkommen würde. Seit es eine politische Gruppierung gibt, die sich nach dem Namen der Stadt und diesem vermaledeiten Adverb benannt hat, ist aber nichts mehr, wie es einmal war. „Miteinander“ hat im tiefrot-solidarischen Penzberg sogar „CSU“, was man über Generationen hinweg nur hinter vorgehaltener Hand und verschämt dahingehaucht hat, als Unwort abgelöst. Da liegt es beinahe auf der Hand, dass diese Stadt nun eine Unwort-Allianz erfahren hat, ausgelassen und fröhlich, als gelte es einen Gegenentwurf zu all dem verhärmten Griesgram, der Penzberg vor dem Urnengang am 15. März erfasst hat, in die Welt zu setzen.

Was war geschehen? Die CSU, man muss diese Partei trotz aller Unbotmäßigkeit der Vergangenheit beim Namen nennen, hat ihre über Jahrzehnte selbst auferlegte Tristesse abgestreift und sich in einem pfiffigen Akt all jene Internetadressen unter den Nagel gerissen, die eigentlich Markus Bocksberger, dem Bürgermeisterkandidaten von Penzberg Miteinander, zustünden. Das an sich wäre zwar einigermaßen witzig, aber noch nichts, um das politische Gefüge einer ganzen Stadt ins Wanken zu bringen. Dazu bedurfte es schon mehr, vor allem den Umstand, dass Bocksberger erst die SPD im Stadtrat verlassen, dann seine eigene Liste (die mit dem Unwort) gegründet und sich selbst schließlich als Mann mit Humor erwiesen hat: Er nahm die Herausforderung der CSU an, um an die Internetadressen zu gelangen, spendierte die geforderten 50 Liter Freibier und saß einen ganzen Abend lang lammfromm in seinem Café Extra beim dort anberaumten CSU-Stammtisch. Weil Bocksberger aber nicht auf den Kopf gefallen ist, konterte er, sicherte sich im Gegenzug Internetadressen der Penzberger CSU und erklärte, diese nur herauszurücken, wenn die Unwort-Partei ordentliche Nachspeisen aufführen würde.

Ein harmloser Spaß, der einen an den Pausenhof der eigenen Jugend erinnert. Aber Penzberg im Präadvent des Jahres 2019 hat weder einen Sinn für Pausenhof (sollte da nicht eine Krippe stehen?) noch für Spaß. Bocksberger und die CSU wurden jedenfalls nicht müde, alle im Stadtrat vertretenen Parteien und Gruppierungen zum gemeinsamen Feiern einzuladen, um dem Wahlkampf ein wenig die Schärfe zu nehmen. Aber selbst der von Bocksberger angetragene Gratis-Schweinsbraten taugte nicht als Lockmittel.

Die Leute von der FLP und den BfP waren offenbar zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Die Grünen fürchteten angesichts einer drohenden Feier mit Alkohol und Schweinefleisch um die Gefolgschaft ihrer veganen Stammwählerschaft, signalisierten aber Bereitschaft, sich bei Tee und Fenchelgebäck mit dem politischen Gegner in ausgelassener Manier gerne treffen zu wollen. Und die SPD, wo sowohl Alkohol wie auch Schweinefleisch nicht auf dem Index stehen? Da war es wie früher in der DDR: Kein Kontakt mit dem Klassenfeind. Klare Direktive aus dem Politbüro. Der Wink mit dem Auftragsbuch der Stadt reichte wohl schon, um vermeintliche Republikflüchtlinge ruhig zu stellen. Rote Zusagen zur Feier der Unwort-Allianz wurden jedenfalls mit Abwesenheit beantwortet.

Oh, Du armes Penzberg! Was ist nur aus Dir geworden? Reichen schon ein paar Liter Freibier, ein Schweinsbraten und ein paar Knödel, um einen tiefen Graben in die Politik der Stadt zu reißen? Offenbar! Die Unwort-Allianz tat das einzig richtige: sie feierte „zusammen“, wie CSU-Bürgermeisterkandidat Stefan Korpan letztlich meinte, nachdem ihm zuvor das „Miteinander“ doch zu oft herausgerutscht war.

Am Ende war das 50-Liter-Fass geleert und auch der letzte Knödel hinuntergeschluckt: CSU und Penzberg Miteinander hatten Seit an Seit gefeiert und kaum ein politisches Wortgefecht ausgetragen, weil es doch, so Bocksberger und Korpan, vielmehr darauf ankäme, für die Stadt etwas zu bewirken. Weil es Bocksberger bis zum Schluss bei der CSU ausgehalten hat, kam es dann auch zum wechselseitigen Austausch der Internet-Adressen, was aber eigentlich nebensächlich ist. Viel schwerer wiegt die Erkenntnis, dass zwei politische Gruppierungen in Penzberg trotz inhaltlicher Unterschiede pfleglich miteinander umgehen. Dieser Gemeinsinn ist der politischen Konkurrenz aber höchst suspekt.la

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