Neuer Geistlicher, neue Glocke

Penzberg: Philipp Roß (35) ist dritter evangelischer Pfarrer

Pfarrer Martin-Luther-Kirche Penzberg Philipp Roß Julian Lademann
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Neuer Arbeitsplatz: Pfarrer Philipp Roß (r.) mit Kollege Julian Lademann vor der Martin-Luther-Kirche in Penzberg.
  • Andreas Baar
    VonAndreas Baar
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Penzberg – Evangelische Gemeinde Penzberg/Seeshaupt: Ein neuer Pfarrer hat angefangen und eine schmucke Glocke für die Martin-Luther-Kirche wurde angeliefert.

Philipp Roß wurde mit einem großen Festgottesdienst auf Gut Hub begrüßt und in sein Amt als dritter Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde eingeführt. Der 35-jährige gebürtige Münchner ist neben den Pfarrern Julian Lademann und Sandra Gassert als Seelsorger für 3775 protestantische Gemeindemitglieder in Penzberg und Umgebung tätig.

Roß ist der Nachfolger von Pfarrerin Ursula Schwager, die im Februar 2020 nach Hamburg gewechselt war. Für Roß ist es die erste Pfarrstelle – ebenso für sein Frau Anne, die seit 1. Oktober Pfarrerin in Tutzing ist. Der neue Penzberger Geistliche schwärmt von einer „sehr offenen Gemeinde“, die von den Gläubigen her auch „sehr jung“ sei. Es gebe sehr viel Potential, ist Roß überzeugt. „Hier ist eine Lust, Kirche zu feiern.“

Erster Gottesdienst im November

Philipp Roß ist im Zuge seiner Pfarrerausbildung ganz schön herumgekommen. Etwas, was als evangelischer Theologe „typisch ist“, wie der 35-Jährige schmunzelt. Der gebürtige Münchner hat nach Abitur und Bundeswehrzeit bei den Reichenhaller Gebirgsjägern evangelische Theologie studiert – Stationen waren Neuendettelsau, Leipzig, Bonn, München und gar zwei Semester in Beirut. Auch in Edinburg/Schottland war er tätig. 2019 feierte der angehende Pfarrer in der Landeshaupt seine Ordination. Derzeit ist Roß im Probedienst, bevor er schließlich verbeamtet wird.

Es ist ein Beruf, der ziemlich attraktiv ist, weil man viel mit Menschen zu tun hat.

Philipp Roß (Pfarrer)

Dass mit dem Pfarrerberuf kam bei Roß „eher durch die Jugendarbeit“, erzählt er. „Es ist ein Beruf, der ziemlich attraktiv ist“, dachte er sich – „weil man viel mit Menschen zu tun hat.“ Nach Penzberg wurde der junge Pfarrer von seiner Landeskirche entsandt. Auf die Arbeit freut er sich: „Das ist eine wachsende Gemeinde“, hat Roß bereits erfahren.

Der Pfarrer, der dritte neben Sandra Gassert und Julian Lademann, übernimmt den Bereich Familie, Kirche und Jugend. Auch normale Aufgabe wie Beerdigungen, Gottesdienste und Schule gehören dazu. Den ersten eigenen Gottesdienst nach seiner Einführung auf Gut Hub hält Roß am 7. November in der Martin-Luther-Kirche und in Seeshaupt.

Vielfalt pflegen

Er sei ein Mensch, „der die Vielfalt pflegt“, sagt der Geistliche über sich. Eine Vielfalt, gerade auch „in den Ausprägungen des Glaubens“, wie er betont. Erstmal will Roß sich einen Überblick verschaffen, aber er würde gern die Menschen einbeziehen: Seine Ideen reichen von Werkstatt-Gottesdiensten über christliches Yoga bis zu Bergtouren. Vor allem möchte Roß sozialpolitische Themen setzen und mit den katholischen und muslimischen Gemeinde zusammenarbeiten.

Und der neue Pfarrer wird bald mit einer Ape in der Region zu sehen sein. „Es gibt große Teile der Gesellschaft, die mit der Kirche nichts zu tun hat“, sagt der Pfarrer – diese Menschen möchte er auf seinen Fahrten zu öffentlichen Orten kennenlernen. Das Gefährt muss allerdings noch angeschafft werden.

Neues Läuten erst 2022

Angeschafft hat die evangelische Gemeinde bereits eine neue Glocke für ihre Martin-Luther-Kirche. Das Kunstwerk der hessischen Gießer Rincker wurde am Dienstagabend enthüllt. Entstanden ist das Motiv der rund 160 Kilo schweren Kupfer-Zinn-Glocke, aus der Kirchengemeinde heraus. Ausgelobt wurde „ein kleiner Wettbewerb“ zum Thema Völkerverständigung , wie Pfarrerin Sandra Gassert berichtete.

Die neue Glocke für die Martin-Luther-Kirche soll im Frühjahr 2022 aufgehängt werden.

Entwürfe der Künstlerin Susanne Hanus und des Malers Helmut Gröbel zieren nun die Glocke. Ebenso ein Schriftzug als aktuelle Botschaft: „Höret zu alle Völker merket auf alle die in dieser Zeit leben“. Investiert wurden rund 5000 Euro, sagte Gassert auf Nachfrage. Alles finanziert über Spenden. Zwei Großspenden gab es, von den Ehepaaren Evi Haag und Jens Meier sowie Sieglinde und Werner Steger.

Die Glocke, gefertigt in der Gießerei Rincker aus dem hessischen Sinn, ersetzt im Turm die „Vater-unser-Glocke“. Das Exemplar von 1563 wird nämlich nach Polen transportiert: Die Penzberger hatten sie 1952 als Ersatz für ihre im Krieg eingeschmolzene Glocke bekommen, jetzt soll die „Patenglocke“ zurück an ihre Heimatgemeinde gehen, so Pfarrer Julian Lademann.

Auf den Klang der neuen Glocke müssen die Gläubigen aber noch warten. Aufgehängt werden soll sie erst im Frühjahr 2022 im Eichengestühl des Kirchturms. Grund ist die jetzt anstehende Renovierung der Martin-Luther-Kirche (siehe Kasten). Sogar ein feierlicher Glockenumzug durch die Stadt ist angedacht. Der Zug soll dann auch an der katholischen Christkönigskirche vorbeiführen. „Die Glocke soll zur Verständigung aufrufen, auch über Konfessionen hinweg“, betonte Pfarrerin Gassert.

Muss saniert werden: Die Penzberger Martin-Luther-Kirche.

Martin-Luther-Kirche: Sanierung kann starten

Die gute Nachricht hatte Penzbergs evangelischer Pfarrer Julian Lademann am vergangenen Mittwoch: Die Untere Denkmalschutzbehörde am Landratsamt habe die Erlaubnis zum Beginn der Renovierung der Martin-Luther-Kirche verschickt. „Wir können starten.“

Das 1904 errichtete denkmalgeschützte Gotteshaus muss dringend hergerichtet werden. Vor allem ein großer Riss quer über der Apsis macht Sorgen. Im Januar hatte die Landeskirche grünes Licht für die umfangreichen Arbeiten gegeben. Noch im Herbst soll es an Riss, Innenwände und Gestühl gehen. Die Farben werden gereinigt und es wird neu gestrichen. Auch die Elektrik aus den 60er Jahren bedarf einer Überholung. Es gibt neue Lampen und eine moderne Akustikanlage

Für das Frühjahr 2022 ist die Außensanierung angesetzt. Unter anderem wird das Dach an manchen Stellen überholt. Die drei Glocken erhalten eine neue Aufhängung. Die Läuteanlage von 1972 wird auf eine elektrische Steuerung umgestellt.

Ostern/Pfingsten 2022 soll das Innere fertig sein, die Außenarbeiten im nächsten Sommer, plant Lademann. Bis Ostern haben die Protestanten bei der Stadt das Gut Hub für Gottesdienste gebucht, danach geht es in den Kirchgarten.

Die Gesamtkosten werden auf fast 455.000 Euro angesetzt. Die Landeskirche hat 130.000 Euro als Zuschuss bewilligt. Die Kirchengemeinde bringt 176.000 Euro und ein Darlehen ein. Der Stadtrat hat 40.000 Euro zugesagt, auch andere Gemeinden im Umland geben Geld, ebenso die Bürgerstiftung und Penzberger Vereine. Weitere Spenden sind aber noch nötig.

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