Areal im Nonnenwald

Penzberg: Roche-Erweiterung nimmt im Bauausschuss erste Hürde - doch es gibt kritische Stimmen

Das bestehende Roche-Werksgelände im Nonnenwald mit der geplanten Erweiterung im Norden (blau).
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Der Roche-Konzern will eine Fläche im Norden seinen Geländes (blau) vom Staatsforst erwerben.

Penzberg – Der Penzberger Bauausschuss hat die Roche-Erweiterung auf den Weg gebracht: Dem Stadtrat wird empfohlen, einen Bebauungsplan für das Nonnenwald-Areal aufzustellen. Doch es gab kritische Stimmen.

Anfang Oktober hatte Roche den Stadtrat über seine Pläne informiert: Der Konzern will sein Werksgelände um rund 13 Hektar in Richtung Norden erweitern. Im Rathaus wurden die Pläne und die Infopolitik begrüßt. „So kann sich die Stadt aktiv einbringen und die Zukunft des Biotechnologiestandorts partnerschaftlich mitgestalten“, wurde Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) in einer Konzernmitteilung zitiert. Im jüngsten Bauausschuss teilte jedoch nicht jeder Stadtrat die Begeisterung.

Grüne sehen „nicht Dringlichkeit“

Es sei ein Vorhaben, „das wir nachvollziehen können“, sagte zwar Grünen-Stadtrat Sebastian Fügener namens seiner Fraktion. Aber: Es werde „nicht die Dringlichkeit gesehen“, das Werksgelände derart auszubauen. Der bestehende Standort biete „sehr, sehr viel Potential für eine Verdichtung“, so Fügener. Man sehe es generell kritisch, „auf Vorrat zu erweitern“. Fügener: „Das ist eine Dimension, über die man diskutieren muss.“

„Brauchen noch Zeit“

Ähnliches war von PM-Mann Martin Janner zu hören. Penz berg Miteinander tue sich schwer, „über so eine riesige Fläche“ einen Bebauungsplan zu legen. „Wir stehen dem Projekt wohlwollend gegenüber, aber wir brauchen noch Zeit“, machte Janner deutlich. Er forderte eine Debatte über die Auswirkungen, gerade im Hinblick auf Verkehr und Eingriffe in die Natur. Damit standen beide allein im Ausschuss. Maria Probst (CSU) sprach sich klar für den Bebauungsplan aus. Sie nannte Roche einen „langjährigen Partner“. Fraktionskollege Ludwig Schmuck erinnerte an die Bedeutung des Werks für die städtische Entwicklung nach dem Ende des Bergbaus. „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“, kritisierte er heftig die Haltung von Grüne und PM. „Jetzt haben wir eine saubere Industrie, das passt dann auch nicht.“ In der FLP-Fraktion wird die Größe des Areals durchaus fraglich gesehen, erklärte Jack Eberl – allerdings müsse man auf die Außenwirkung einer solchen Entscheidung für Penzberg achten. Es gehe darum, den Standort zu sichern, so Eberl. „Wir müssen irgendwann Farbe bekennen.“

„Freunden von Roche“

Zustimmung signalisierte Armin Jabs (BfP). Der Ausschuss sollte „heute schon“ ein Signal geben: „Penzberg steht zu Roche.“ Adrian Leinweber (SPD) verwies auf die guten Erfahrungen, die man stets mit den „Freunden von Roche“ gemacht habe. Im Bebauungsplan-Verfahren könne die Kommune die weitere Entwicklung steuern. „„In welche Richtung es läuft, haben wir selber in der Hand.“

Rathaus für Erweiterung

Seitens der Verwaltung strebt man eine Erweiterung an. Der Bürgermeister warnte vor negativen Folgen, sollte Roche gebremst werden. Korpan: „Es gibt Firmen, die wandern aus anderen Standorten ab.“ Stadtbaumeister Justus Klement sprach von „einer Dynamik in den Werkstandorten“. Er verwies auf ständige Umbauten und Anpassungen der Abläufe – dafür brauche das Unternehmen „die Verfügbarkeit und die Planbarkeit von Flächen“. Von Günter Fuchs vom Bauamt war zu hören, dass eine Verdichtung auf dem Gelände eh angedacht ist. Allerdings: „Es ist kein Platz da für wirklich große Gebäude.“ Zudem sei das Areal im Norden die einzige Möglichkeit, das Werksgelände auszudehnen. Laut Bauamt wird die Fläche über das interne Rasternetz erschlossen, eine Anbindung an öffentliche Straßen sei nicht nötig.

Deutliche Mehrheit dafür

Am Ende wurde es eindeutig: Der Bauausschuss empfahl mit der Grünen-Stimme von Fügener dem Stadtrat, einen Bebauungsplan aufzustellen und den Flächenutzungsplan entsprechend zu ändern. Lediglich PM-Vertreter Martin Janner stimmte dagegen.

Roche denkt strategisch

Die Pläne für eine Erweiterung des Roche-Standorts im Nonnenwald sind nicht neu. Sie gehören zu grundsätzlichen strategischen Überlegungen im weltweit agierenden Konzern. „Die Idee gibt es schon länger“, sagt Werkleiter Ulrich Opitz im Gespräch mit der Rundschau. Die Fläche gehört bekanntlich dem Staatsforst. Kontakt hat man natürlich bereits aufgenommen. Noch ist der Kauf jedoch nicht fix. „Weil wir den Prozess nicht in der Hand halten“, wie Opitz mit Blick auf das Genehmigungsverfahren für den Bebauungs- und den Flächennutzungsplan sagt. Er rechnet mit ein bis zwei Jahren. Klar ist, dass man sich in der Führungsetage eine zügige Entscheidung von Stadtpolitik und Behörden wünscht. Selbst, wenn aktuell keine Nutzung der Fläche geplant ist: Es gehe um eine „strategische Flächenreserve“ für die Zukunft, betont der Penzberger Statthalter des globalen Biotech-Konzerns. Aus den Zentralen in Mannheim und Basel haben die Penzberger bereits positive Signale für die weitere Entwicklung in den nächsten zehn bis 15 Jahren bekommen. Da passt das 13-Hektar-Grundstück gut rein. „Es erhöht unsere Flexibilität“, sagt Opitz.

46 Hektar Werksfläche

Im Nonnenwald verteilen sich die rund 6500 Beschäftigten derzeit auf 46 Hektar Fläche. Wobei aktuell nur etwa 3000 Beschäftigte am Standort tätig sind, der Rest sitzt im Homeoffice. Eine Entwicklung, die eh gewünscht, aber durch Corona forciert worden war. Es gibt einen Masterplan für das Gelände, der eine Verdichtung vorsieht. Ein Teil der Parkplätze im Süden sollen für Gebäude genutzt werden, die alten Häuser aus der Frühphase des Werks in den 1970er Jahren sollen weichen. Auch die seit Längerem aufgestellten Notcontainer würden verschwinden. „Wir schaffen wieder Platz für Neues“, skizziert der Werkleiter. Es gibt bereits „höchstwahrscheinliche“ Ausbauschritte, so Opitz: Insgesamt 420 Millionen Euro will der Konzern unter anderem in ein Forschungshub, ein Laborgebäude sowie in die biochemische Diagnosticproduktion investieren. Andreas Baar

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