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Penzberg: Roche-Erweiterung wird im Bauausschuss kritisch gesehen

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Von: Andreas Baar

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Das jetzige Roche-Werksgelände mit seinen rund 46 Hektar soll um rund 14 Hektar (braun) erweitert werden. Dazu kommen knapp über 10 Hektar an Ausgleichsflächen (grün). © Bauamt

Penzberg – Der Bebauungsplan für eine Erweiterung des Penzberger Roche-Werksgeländes stößt auf Kritik. Der Bauausschuss billigte den Entwurf nur mit knapper 5:3-Mehrheit.

Der Roche-Konzern möchte sein Werksgelände im Penzberger Nonnenwald kräftig erweitern. Wie berichtet, soll im Norden und Westen Platz für künftige Nutzung geschaffen werden. Der Standort würde auf etwa 60 Hektar anwachsen, ohne grüne Randflächen. Zum Vergleich: Die Münchner Theresienwiese hat eine Grundfläche von 42 Hektar. In Penzberg werden solche Dimension nicht von allen mit Begeisterung gesehen. Dies wurde im Bauausschuss deutlich.

Auf dem Tisch lag über 50-seitige Vorlage mit Stellungnahmen von Behörden, Verbänden und Bürgern zum Vorentwurf des Bebauungsplans. Fazit: Das geplante Sondergebiet für den Biotechnologie-Konzern wird auch kritisch gesehen. Die Flächenausweisung führe zu „einem nachhaltigen Eingriff in den Naturhaushalt und das Landschaftsbild“, mahnt die Naturschutz-Abteilung am Landratsamt – zudem bedeute es einen Verlust „wichtiger stadtnaher Waldflächen“, die nicht ohne Weiteres und so schnell ersetzt werden könnten.

14 Hektar sorgen für Bauchschmerzen

Die zur Rodung vorgesehene Waldfläche habe „überwiegend besondere Bedeutung“ für den Klima-, Immissions- und Lärmschutz, heißt es vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten. Die Penzberger Ortsgruppe des Bund Naturschutzes sieht die Erweiterung in der beantragten Größe „deutlich kritisch“. Eine Flächenversiegelung von rund 14 Hektar erscheint der Ortsgruppe nicht mehr zeitgemäß. Die Naturschützer machen sich für eine Standorterweiterung nur bei konkretem Bedarf stark, zudem sollten vorher alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden.

Die Dimension beherrschte die Diskussion im Bauausschuss. Man wolle den Standort von Roche unterstützen, hieß es von Grünen und Penzberg Miteinander (PM) – allerdings fürchten sie bei einer derart großen Erweiterung negative Folgen für die städtische Infrastruktur. So stimmte nur eine Mehrheit von CSU, SPD und BfP dafür, dem Stadtrat den Bebauungsplanentwurf vorzulegen. Sebastian Fügener (Grüne), Martin Janner (PM) und Ferdinand Disl (FLP) sagten Nein.

Roche-Erweiterung: Gegner fürchten um Infrastruktur

Die Erweiterung des Roche-Werksgeländes um 14 Hektar beschäftigt die Lokalpolitik seit knapp zwei Jahren. Im Dezember 2020 hatte der Stadtrat nach heftiger Debatte die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen, nur die Grünen-Fraktion stimmte damals dagegen. Das Genehmigungsverfahren lief an, am Dienstagabend lag im Bauausschuss der Planentwurf zur ersten Billigung auf dem Tisch. Fazit: Kritik und Sorgen sind geblieben.

Sebastian Fügener (Grüne) lobte zwar die „intensiven Abstimmungen“ von Unternehmen, Planern und Fachbehörden – aber grundsätzlich sah Fügener das Vorhaben wegen seiner Dimension weiterhin kritisch. Es habe „erhebliche Auswirkungen“ verwies er auf den eigens erstellten Umweltbericht. Fügener warnte vor „infrastrukturellen Herausforderungen“ für die Stadt, sollte der Konzern derart wachsen. Roche selbst rechnet mit circa 1300 neuen Mitarbeitern. Verkehr und Wohnungsmarkt sowie kommunale Pflichtaufgaben wie Kinderbetreuung und Schulen: Es sei die Frage, ob wir das als Stadt überhaupt stemmen können“, warnte Fügener. Von den Grünen ist deshalb keine Zustimmung zum jetzigen Bebauungsplan zu erwarten. Man werde zwar eine Erweiterung von Roche unterstützen, machte Fügener („Roche ist auch gut für die Stadt“) deutlich, „aber nicht um jeden Preis“. Die Grünen könnten sich eher eine „zeitliche Staffelung“ als Kompromiss vorstellen.

Wer trägt künftige Kosten?

Auch Martin Janner von Penzberg Miteinander (PM) hatte die Pläne stets kritisch gesehen, auch wenn er im Dezember 2020 für die Planaufstellung votiert hatte. Im Bauausschuss sagte er nun Nein: Er habe „Bauchschmerzen“ mit Dimension und Flächenfraß, begründete er seinen Widerstand. Den Roche-Standort „wollen auch wir weiterhin unterstützen“ und dem Unternehmen „nicht im Weg stehen“, machte der PM-Vertreter klar – das war es aber schon. Janner möchte im notwendigen städtebaulichen Vertrag zwischen Kommune und Konzern die Frage geklärt haben, wer künftige Infrastrukturkosten trägt.

Klar für die Erweiterung war erneut Ludwig Schmuck (CSU). Man müsse sicher über einiges reden, räumte er ein – aber dank des Konzerns habe sich die Stadt nach dem Bergwerks-Aus 1966 entwickeln können. „Jetzt macht man wieder so ein Hickhack“, polterte Schmuck. Vom Tisch ist eine Erweiterung des Werksgeländes nach Westen, wie von Janner und Bund Naturschutz angeregt: Die dortigen drei städtischen Industrieflächen werden gemäß Stadtratsbeschluss für eine anderweitige Vermarktung vorbereitet. Sie stünden Roche nicht zur Verfügung, hieß es vom Rathaus.

Verkehrsplaner Harald Spath vom Büro „Gevas“ prognostiziert durch die Werkserweiterung circa 1000 zusätzliche Kfz-Fahrten am Tag. Davon würden 50 Prozent das Stadtgebiet treffen, der Rest den Weg über die Dr.-Gotthilf-Näher-Straße zur A95 nehmen. Die Verkehrssituation in der Stadt werde sich „nicht nachhaltig“ verändern. Die Auswirkungen auf Verkehr und Infrastruktur werden auch im benachbarten Iffeldorf interessiert verfolgt: Die Gemeinde schlägt eine „enge Abstimmung beider Gemeinden“ vor, um Synergien und mögliche negative Folgen für den Wohnungsmarkt zu erörtern. Laut Penzberger Rathaus sind bereits Gespräch auf Bürgermeister- und Verwaltungsebene vereinbart.

Jetzt muss sich der Stadtrat mit dem Entwurf des Bebauungsplans „Biotechnologiezentrum Nonnenwald Nord“ befassen. Die nächste Sitzung ist für Dienstag, 26. Juli, angesetzt.

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