Öffentliche Kunst

Penzberg: 300 "Schutzschirme" gegen Hass - darum stehen "Mahnblumen" in der Stadt

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Penzberg – Mit 300 roten „Mahnblumen“ im Stadtgebiet wird bis 6. Dezember an 75 Jahre „Penzberger Mordnacht“ gedacht. Bei der Eröffnung gab es mahnende Worte.

Der 28. April 1945 hat sich in das kollektive Gedächtnis der Stadt Penzberg eingebrannt. An jenem Tag, kurz vor Kriegsende, ermordeten NS-Schergen 16 Männer und Frauen, die dem Wahnsinn ein Ende bereiten wollten. Die Widerständler gegen das Naziregime wurden am heutigen Platz „An der Freiheit“ erschossen, in der Nacht erhängten Mitglieder der „Werwölfe Oberbayern“ außerdem zur Abschreckung sogenannte „politisch unzuverlässige“ Penzberger an der Bahnhof-, Karl- und Gustavstraße. Alljährlich wird den Opfern des braunen Terrors gedacht. Heuer mit einer besonderen Kunst im öffentlichen Raum. 

Von Künstler Walter Kuhn

Der Aktionskünstler Walter Kuhn, der 2018 mit seinen überdimensionalen Mohnblumen als Friedenssymbol auf dem Münchner Köngisplatz für Aufsehen sorgte, hat 300 Exemplare in Penzberg aufgestellt. Sie stehen auf dem Stadtplatz, am Platz „An der Freiheit“, auf dem Friedhof sowie am Museum. Im Museum ergänzen eine Installation von Kuhn sowie Werke von Otto Dix als Leihgabe des Bernrieder Buchheimmuseums die Dauerausstellung zur „Mordnacht“. Es sind „Blumen des Mahnens gegen den Krieg“, sagte Kuhn bei der Eröffnung. Zum Gedenken an die Opfer, aber auch Mahnung „gegen das Wiederaufkommen von Faschismus“. Zugleich aber auch fragile Gebilde, die geschützt werden müssten – wie die Demokratie. Gerade für Penzberg will der Künstler die roten Exemplare „als symbolische Schutzschilder“ verstanden wissen – gegen „unverbesserliche Fanatiker“, wie er mit Blick auf die jüngsten islamfeindlichen Auftritte auf dem Stadtplatz und die Proteste beim Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der örtlichen Moschee im vergangenen Jahr. Penzberg, betonte Kuhn mit eindringlichen Worten, sei „ein großes Vorbild für das friedliche Zusammenleben der Kulturen“.

"Nie wieder"

Museumsleiterin Freia Oliv will die Kunstaktion als „Bildsprache“ nutzen, um die nachdenkliche Botschaft „für alle sichtbar“ zu machen. Gerade in diesen Zeiten sei es wichtig, auch andere Themen als Corona zu bieten. Eindringliche Worte fand auch Bürgermeister Stefan Korpan (CSU). „Niemals wieder“, lautete seine Hauptbotschaft im Bezug auf das Motto der Ausstellung. Die „Mordnacht“ sei etwas, dass man „niemals wieder vergessen darf, dass niemals wieder passieren darf“. Korpan verlas die 16 Namen der an jenem 28. April 1945 ermordeten Bürger. Ein bewegender Moment, der die Bedeutung dieses künstlerischen Gedenkens bewusst machte.

Patenschaften möglich

Zur Ausstellung kann für 30 Euro eine Patenschaft für eine Penzberger „Mahnblume“ erworben werden. Diese sollen am 7/8. Dezember, 17 bis 19 Uhr, vor dem Museum an die Paten ausgeben werden. 200 Paten gibt es laut Museumsleiterin Oliv bereits. Infos: www.mahn blumen-penzberg.de.

Andreas Baar

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