Debatte im Stadtrat

Penzberg: Stadt findet politisches Gerangel um Kulturpreis „unglücklich“

Prof. Dr. Dr. Reinhard Heydenreuter hält den Festvortrag zum 100-jährigen Stadtjubiläum in der Stadthalle Penzberg.
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Reinhard Heydenreuter ist einer von zwei Penzberger Kulturpreisträgern 2020.

Penzberg – Die Stadt Penzberg verleiht heuer einen Kulturpreis im Doppelpack. Reinhard Heydenreuter und Johannes Bauer erhalten ihn. Die Entscheidung im Stadtrat fiel nach einem politischen Gerangel um die Nominierungen.

Wie zu hören ist, verlief die Stadtratssitzung am 6. Oktober hinter verschlossener Tür kontrovers. Heftig debattiert, und gestritten wurde über den Kulturpreis. Diesen vergibt die Stadt Penzberg alle zwei Jahre an verdiente Persönlichkeiten. Auf der Liste standen bislang so illustre Namen wie der Kinderbuchautor Max Kruse und der Grafiker Egbert Greven, aber auch die Musikerfamilie Horn, der Bergknappenverein und zuletzt die Jungritter. Doch heuer war alles anders. Kandidaten wurden erstmals öffentlich genannt – von der Politik. Die CSU preschte mit dem Buchautor, Denkmalvereins-Gründer und einstigen CSU-Stadtrat Prof. Dr. Dr. Reinhard Heydenreuter vor. Die SPD zog mit Dr. Johannes Bauer – 30 Jahre Grünen-Stadtrat, ehemaliger zweiter Bürgermeister und ausgewiesener Kulturfreund – nach. Penzberg Miteinander (PM) brachte die ehemaligen Museumschefin Gisela Geiger ins Spiel. Vorgeschlagen wurden noch Katrin Fügener, Johannes Meyer, Franz Löhner und Thomas Sendl.

„Guter Kompromiss“

Am Ende setzte sich eine knappe Mehrheit im Stadtrat durch und beschloss, die mit 1600 Euro und einer Plastik dotierte Auszeichnung zu gleichen Teilen an Heydenreuter und Bauer zu vergeben. Deren „herausragender Einsatz in den Bereichen Kultur und Brauchtumspflege“ werde damit gewürdigt, teilte danach die Stadt mit. Die beiden Preisträger jedenfalls freuen sich unisono. Man schätzt sich. Heydenreuter nennt es „einen guten Kompromiss“ – schließlich habe er mit Bauer stets gut zusammengearbeitet, zuletzt bei seiner Festschrift zum 100-jährigen Stadtjubiläum. Der 78-Jährige, mittlerweile wohnhaft in München, betrachtet die Vorgeschichte gelassen: Er sei „kein Objekt der politischen Auseinandersetzung“, betont er.

„Sehr große Ehre“

Bauer (72) sieht den Preis als „sehr große Ehre“ an. Als Stadtpolitiker sei es ihm immer wichtig gewesen, „dass jede Form von Kultur“ gefördert und gewürdigt wurde. „Wir haben uns immer gut verstanden“, sagt er über seinen Mitpreisträger. Mit der Doppelbesetzung habe er kein Problem. „Das ist eine Entscheidung des Stadtrats.“ Das sieht man auch im Rathaus so. Diskussion und Abstimmung seien ein „völlig normaler demokratischer Prozess“ gewesen, sagt Sprecher Thomas Sendl, in der Verwaltung auch zuständig für Kultur. Die Entscheidung müsse nicht einstimmig gefällt werden. Allerdings räumte er ein, dass die öffentlichen Vorschläge der Parteien überrascht hatten: „Wir betrachten dies eher als unglücklich und war so nicht vorgesehen.“

Festakt abgesagt

Biografisches Material für die Laudatio hat Sendl bereits von beiden Preisträgern erhalten. Seine Rede wird Sendl allerdings nicht wie geplant am 20. November halten – der Festakt im kleinen Rahmen in der Penzberger Stadthalle wurde wegen der Corona-Situation abgesagt. Er soll im kommenden Jahr nachgeholt werden.

Andreas Baar

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