Neues Wohnquartier

Penzberg: Stadtrat schwenkt um - weniger Wohnungen in Birkenstraße-West

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Penzberg – Rolle rückwärts beim neuen Baugebiet Birkenstraße-West: Der Penzberger Stadtrat ändert die Planungen für die sieben Gebäude. Die Geschosshöhen werden zum Teil verringert – damit die Zahl der Wohnungen von 171 auf 149.

Der Beschluss fiel nach langer Debatte und mit knapper Mehrheit. Grund für das Umschwenken einiger Räte war die öffentliche Kritik an dem Entwurf. Eigentlich schien alles klar. In seiner September-Sitzung hatte der Penzberger Stadtrat den Planentwurf der Münchner Architekten von „H2M“ auf den Weg gebracht. Inklusive sieben Gebäude, jeweils mit vier Geschossen und stolzen 171 Wohneinheiten. Auch die unerfreuliche Kostenmehrung gegenüber der ersten Schätzung von rund 48,72 Millionen Euro auf nunmehr 53,44 Millionen Euro nickten die Räte ab. Lediglich Kerstin Engel (Grüne) stimmte damals gegen den aus ihrer Sicht überdimensionierten Entwurf. Am Dienstag, 6. Oktober, legte der Stadtrat eine Kehrtwende hin.

Initiative von Korpan

Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) begründet die erneute Behandlung und sein Umdenken mit einer lebhaften Diskussion in der Öffentlichkeit „über die Massivität der Bebauung“. Vor allem aus den Reihen der Anwohnerschaft war Protest gegen die Vielzahl der Wohneinheiten und der aus ihrer Sicht zu wenigen Stellplätze laut geworden. Korpan brachte deshalb eine Umplanung auf den Weg (siehe Kasten). Das Ergebnis: Fünf Gebäudeteile werden nur noch mit drei Geschossen versehen. „Die Variante ist verträglicher“, erklärte „H2M“-Geschäftsführer Prof. Daniel Halswick im Hinblick auf die städtebauliche Optik. Er sprach von einer „Differenzierung der Baukörper“. Als Planer könne er die Reduzierung durchaus vertreten. Sein Fazit: „Die Qualität in dem Quartier wird mit Sicherheit besser.“

Weniger Baukosten

Der Bürgermeister konnte sich damit anfreunden. Auch, weil die neue Variante geschätzte 4 bis 4,5 Millionen Euro an Baukosten einsparen würde, wie Korpan vorrechnete. Etwa 90.000 Euro setzt die Verwaltung für die Umplanung an. Jedoch muss mit einer Verzögerung bei dem Projekt von bis zu sechs Wochen gerechnet werden. Wie berichtet, werden 3,5 Jahre Bauzeit veranschlagt, im Januar 2024 sollte alles fertig sein. Allerdings fallen bei der neuen Variante immerhin 22 Wohneinheiten weg. 

Kritik an Änderung

Eine Aussicht, die nicht jedem Stadtrat gefiel. „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum“, mahnte Regina Bartusch (SPD). „Wir gehen jetzt wieder einen Schritt zurück“, schimpfte Wolfgang Sacher (BfP) über die Verzögerung. „Wir bringen nichts weiter.“ Und Fraktionskollege Armin Jabs ergänzte süffisant: „Unsere Verzögerungen von sechs Wochen sind meist sechs Monate.“ Der altgediente CSU-Rat Ludwig Schmuck sprach sich für den Wohnraum aus und verwies auf die Vergangenheit: „Wir bauen in Penzberg seit 40 Jahren viergeschossig.“

Auch Fürsprecher

Korpan und die Planer erhielten jedoch viel Zuspruch. „Die Gebäude sind schon sehr wuchtig“, nutzte Grünen-Rätin Kerstin Engel die Gelegenheit, ihre Ablehnung der großen Planungsvariante zu erneuern. Überhaupt freute sie sich über die Debatte: „Ich finde es schön, dass ein Status Quo auch mal hinterfragt wird.“ Fraktionskollege John-Christian Eilert räumte ein: „Natürlich zahlen wir einen Preis.“ Der es aber wert sei. „Das macht es lockerer, macht es hübscher.“ Bis auf Schmuck schwenkte die komplette CSU auf die Linie ihres Bürgermeisters um. Es sei nicht verkehrt, wenn man „bestehende Beschlüsse auch mal hinterfragt“, begründete Aleksandar Trifunovic das fraktionelle Umdenken. Er sprach von „mehr Lebensqualität“, die durch die abgespeckte Variante in dem Quartier möglich sei. Anette Völker-Rasor (PM) sprache von „einer Chance“ für das Areal.

Stellplätze würden langen

Seitens der Bauverwaltung hofft man, mit der Reduzierung der Wohneinheiten das Problem der leidigen Stellplatzfrage zu lösen. Bei 171 Wohhnungen sind laut Günther Fuchs vom Bauamt nach der derzeitigen Satzung 305 Parkplätze nötig – 205 sind allerdings nur geplant gewesen. Bei 149 Einheiten wären es nur noch 265 Plätze. Was auch nicht reichen würde, allerdings diskutiert der Bauausschuss derzeit hinter verschlossener Tür über eine Satzungsänderung. Ist diese unter Dach und Fach liegt der Bedarf nur bei umgerechnet 199,5 Parkplätzen – würde dann reichen und Luft aus dem Kessel nehmen. Am Ende wurde es eine knappe Mehrheit. Für die kleinere Lösung mit 149 Wohnungen votierten 13 Stadträte und Bürgermeister Korpan. „Nein“ sagten elf Räte – von SPD, BfP, FLP und CSU-Mann Schmuck.

"Neue Erkenntnisse"

Das Vorgehen von Bürgermeister Korpan bei der Umplanung des Wohnquartiers Birkenstraße-West sorgte für Stirnrunzeln unter einigen Stadträten. SPD-Fraktionschef Adrian Leinweber kritisierte die Auftragsvergabe an die „H2M“-Planer durch den Rathauschef „gegen einen Beschluss des Stadtrats“. Korpan verteidigte sich mit Verweis auf „neue Erkenntnisse“ und Bedenken aus der Bürgerschaft. Der Rathauschef hatte seine Verwaltung gebeten, die Möglichkeiten einer Reduzierung der Gebäudehöhen zu prüfen. Es sei „völlig legitim“, eine neue Diskussion im Stadtrat zu starten. Laut Korpan kommen bei der Vorlage der neuen Variante auf die Stadt keine Kosten zu. „Der Aufwand war relativ gering“, bestätigte „H2M“-Architekt Prof. Daniel Halswick. Man habe vorliegendes Material aufbereiten können.

Andreas Baar

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