Grundstück im Nonnenwald

Penzberg: Stadtrat stimmt mit 16:9-Mehrheit für Marvel Fusion

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Am Ende stimmten 16 Stadträte inklusive Bürgermeister für den Grundstücksverkauf.

Penzberg – Grünes Licht für Marvel Fusion: Der Penzberger Stadtrat stimmte für den Verkauf eines Grundstücks an das Münchner Unternehmen. Die Entscheidung fiel mit einer 16:9-Mehrheit. Marvel Fusion will eine Forschungsanlage für ein Fusionskraftwerk errichten.

Für den Verkauf des städtischen Areals im Industriepark Nonnenwald stimmten bei einer Sondersitzung am Dienstag, 12. Januar, geschlossen die Fraktionen von CSU, BfP und FLP sowie Teile von SPD und Grüne. Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) hatte sich stets für die Ansiedlung des Start-Up-Unternehmens ausgesprochen. Er sei von den Fusions-Plänen für eine nachhaltige Energiegewinnung überzeugt, sagte er danach der Rundschau. Dass es eine knappe Mehrheit wurde, stört ihn nicht: „Das spiegelt die Diskussion wieder.“

Kaufvertrag wird erarbeitet

Im Anschluss besprach der Stadtrat hinter verschlossener Tür das weitere Vorgehen. Laut Korpan erarbeitet die Stadt jetzt unter Mitwirkung der Fraktionen einen Kaufvertrag. Das fertige Exemplar geht an Marvel Fusion zur Abstimmung. Den Notarvertrag muss letztendlich der Stadtrat nichtöffentlich absegnen. Korpan rechnet damit, dass dies im Februar geschehen kann.

Die Reaktion von Marvel Fusion

Bei Marvel Fusion ist man „extrem erfreut über die positive Rückmeldung“, so Sprecherin Britta Weddeling gegenüber der Rundschau. Eine konkrete Aussage zur Ansiedlung will man jedoch nicht treffen. Über die weitere Vorgehensweise hält man sich bedeckt. „Wir prüfen momentan die verschiedenen Optionen, unter anderem Penzberg“, erklärt die Firmensprecherin auf Nachfrage. Zu diesem Zeitpunkt könne man keine Infos darüber geben, „mit wem wir sprechen und wann unser interner Entscheidungsprozess abgeschlossen ist“. Ein Grundstückserwerb sei für das Start-Up-Unternehmen eine extrem wichtige Entscheidung, die man umsichtig umsichtig treffen müsse und die Zeit erfordere. Eigentlich war der Spatenstich für die Demonstrationsanlage bereits für Mai 2021 angedacht, wie es im Herbst 2020 hieß. 2023 soll diese in Betrieb gehen. Ab 2028 soll der Prototyp eines kommerziellen Fusionskraftwerks entwickelt werden. 200 bis 300 Millionen Euro an Investitionen wurden angekündigt. Am Schluss, ab 2030 oder später, steht ein milliardenschweres Kraftwerk auf der Agenda – aber nicht im Nonnenwald.. Doch nun rudert Marvel Fusion beim Zeitplan zurück. Die Sprecherin begründet es mit zahlreichen Angeboten, die auf Grund der Öffentlichkeit und des positiven Echos auf die Penzberg-Pläne eingegangen seien. „Deshalb treten wir in der aktuellen Planungsphase einen Schritt zurück und spannen einen etwas größeren Schirm auf.“ Grundsätzlich sei man „extrem erfreut“ über die positive Rückmeldung aus der Stadt, kommentiert Weddeling die Stadtratsentscheidung. „Penzberg hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, hat sich Zeit genommen und externe Experten befragt.“ Dass am Ende „eine große Mehrheit“ für Marvel Fusion gestimmt habe, „bestätigt uns, unsere Technologie und die Sicherheit unseres Verfahrens“, so die Sprecherin. Andreas Baar

Nach fast zwei Stunden Debatte im Stadtrat und einer mehrminütigen Besprechungspause war es keine Überraschung: Nicht alle Stadträte waren bereit, Bürgermeister und erklärtem Marvel-Fusion-Unterstützer Stefan Korpan (CSU) zu folgen. Zu grundsätzlich waren die Bedenken einiger Stadträte gegenüber den Plänen des jungen und unbekannten Münchner High-Tech-Unternehmens für ein Fusionskraftwerk im Industriepark Nonnenwald. Nicht jeder Abgeordnete war bereit, für das Projekt das rund 29.000 Quadratmeter große städtische Filetgrundstück zu veräußern.

Bürgermeister klar für Ansiedlung

Der Rathauschef hatte zuvor nochmals für die Ansiedlung geworben. Die Idee einer brennstofffreien und sauberen Energiegewinnung mittels lasergestützter Fusion hat es Korpan angetan. Es sei „ein Schritt weiter in Richtung Klimaschutz“, sagte er. Solch ein Projekt sei wichtig „für das Image“ von Penzberg und „ein Magnet“, der Zulieferer und Personal anziehe. Bedenken wegen Sicherheit, Zeit- und Investitionsansätzen, Verkehr und Infrastruktur hat Korpan nicht. Auch, dass die Firma auf Nachfrage diverser Fraktionen keine Details zu Businessplan und Gesellschaftervertrag nannte, stört den Bürgermeister nicht. „Das sind Firmeninterna.“

CSU, BfP, FLP geschlossen dafür

Der Unterstützung seiner CSU-Fraktion konnte er sicher sein. Vorsitzende Christine Geiger nannte die Ansiedlung eine „einmalige Chance, um zum High-Tech-Standort zu werden“. Sämtliche Befürchtungen seien ausgeräumt worden. „Wir können sehr viel mehr gewinnen als verlieren“, so Geiger. Zustimmung herrschte auch bei BfP und FLP. Armin Jabs (BfP) sah keine negativen Auswirkungen für die städtische Struktur. „Wir hätten einen höheren Einkommenssteueranteil“, spielte er auf gut bezahlte Jobs an. Wirtschaftlichkeit und Erfolgsaussichten seien nur „ein Thema“ für Firma und Investoren. Jack Eberl (FLP) wünschte sich ein „eindeutiges Statement“ für das Unternehmen. „Der Mut fehlt hier“, sagte er in Richtung der Kritiker.

Riss durch Fraktionen

Bei anderen Fraktionen ging der Riss quer durch die Reihen. Während sich SPD-Fraktionsvorsitzender Adrian Leinweber für den Verkauf aussprach, lehnte diesen Parteifreundin Elke Zehetner ab. „Wir sprechen über die Zukunft dieser Stadt“, sagte sie. Die Fläche solle lieber für „unsere Firmen“ genutzt werden. „Wir haben nicht die Aufgabe einer Maklerfunktion, um ein Grundstück gut zu verkaufen.“ Bei den Grünen unterstützte Sebastian Fügener die Ansiedlung und das Fusionsvorhaben. „Wir wollen Innovation fördern“, sagte er. Fügener machte deutlich, dass die möglichen Auswirkungen auf die Stadt „etwas Glaskugel-Leserei“ sei. Er verlangte jedoch auch Zugeständnisse des Unternehmens: „Es muss sich in die Stadt integrieren.“ Grünen-Kollege John-Christian Eilert lehnte den Verkauf dagegen ab. Er sah keinen Nutzen für das angestrebte Klimaschutzziel in der Region: „Die Entwicklung für dieses Fusionskraftwerk wird auf jeden Fall zu spät kommen.“ Zudem hat Eilert grundsätzliche Bedenken: „Ich habe kein Vertrauen in Marvel Fusion.“

PM-Räte alle dagegen

Eine klare Front gegen die Ansiedlung gab es bei Penzberg Miteinander. PM-Rätin Anette Völker-Rasor kritisierte das Unternehmen für seine Infopolitik: „Allgemeine Fragen sind geblieben.“ Auch kann sie die Firmenpläne nicht nachvollziehen. „Ein schneller Erfolg scheint nicht wahrscheinlich.“ Man habe „keine Basis“ für eine Entscheidung, betonte Völker-Rasor – PM hatte im Vorfeld der Sitzung weiteren Gesprächsbedarf angemeldet. Und überhaupt: „Das notwendige Vertrauen will sich nicht einstellen.“

Anderer Kaufinteressent

Für erstaunte Blicke sorgte im Gremium die Nachricht Korpans, dass plötzlich ein zweiter Interessent für das Grundstück aufgetaucht war. Laut Bürgermeister hatte eine Schweizer Firma, einen Namen nannte er nicht, bereits zwei Mal im Rathaus vorgesprochen. Das Unternehmen wolle seinen Deutschland-Sitz nach Penzberg verlegen und sich in der Region um „ein Projekt“ bemühen, erklärte Korpan. Bei den Gesprächen sei es jedoch lediglich um Büros gegangen, „in keinster Weise war die Rede von einem Grundstückskauf“. Um so überraschter war der Rathauschef als am Freitag, 8. Januar, eine E-Mail einging – mit einem Kaufangebot der Firma. Es sei ein Preis genannt worden, der „in Höhe“ der städtischen Vorstellung lag. Konkreter sei der Interessent nicht mehr geworden. Andreas Baar

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