Bürgermeisterin Zehetner und neun Stadträte im Zeichen von Corona verabschiedet

Nicht auf Lebenszeit bestellt

Sie gehören dem neuen Stadtrat nicht mehr oder nur noch als ganz normales Mitglied an: Michael Zöller, Ludwig Schmuck, Elke Zehetner, Johannes Bauer, Manfred Reitmeier, André Anderl, Wolfgang Schweiger, Holger Fey, Susanne Meindl, Markus Kleinen und Thomas Keller (von links).

Penzberg – Nach sechs Jahren, in denen man gemeinsam viel diskutiert, mitunter gestritten und zumeist neutrale Beobachter aufgrund des nicht enden wollenden Gesprächsbedarf an den Rand der Leidensfähigkeit getrieben hat, war jetzt Schluss: In der letzten Sitzung des bis 20. April amtierenden Stadtrates, die wegen Corona in den großen Saal der Stadthalle verlegt worden war, wurden nicht nur neun Mitglieder dieses Gremiums, sondern auch Elke Zehetner, Ludwig Schmuck und Johannes Bauer als Bürgermeister verabschiedet.

Schon am Eingang der Stadthalle wurde jedem klar, dass Covid-19 auch in den kommenden Monaten die politische Entscheidungsfindung prägen wird: Es herrschte Maskenpflicht, und die Leute vom Bauhof ließen nur so viele Besucher passieren, wie drinnen Stühle aufgestellt worden waren, alles streng nach den Regeln des Mindestabstands ausgerichtet und mit einem eigenen Tisch für jeden Stadtrat. 

Während viele andere Städte und Gemeinden die Verabschiedung der ausscheidenden Volksvertreter vertagten, wollte Elke Zehetner jedoch an einem „würdevollen Rahmen“ zur jetzigen Zeit festhalten. „Auch ich bin abgewählt. Ich stehe als Verliererin hier und begrüße meinen Nachfolger“, sagte sie mit Blick auf Stefan Korpan. Im Stadtrat, so fuhr sie fort, sei viel diskutiert worden, „wir haben auch viel gestritten“, dennoch seien 95 Prozent der Beschlüsse einstimmig erfolgt. Zehetner leitete davon ab, dass man stets um die beste Lösung bemüht gewesen sei. Sie selbst sei jedenfalls von der ersten bis zur letzten Minute mit Leidenschaft ins Rathaus gegangen, machte Zehetner deutlich. Allerdings sei der Anspruchsgedanke der Bürger gegenüber dem Stadtrat und der Verwaltung im Rathaus sei groß, die Zufriedenheit dagegen klein, weil vieles als selbstverständlich erachtet werde. Zehetner, die dem neuen Stadtrat angehören wird, wünscht sich, dass es dieses Gremium schaffe, „über die Regenbogengruppierungen hinweg in Sympathie und Harmonie zum Wohl der Stadt zu arbeiten“. Lange habe sie sich überlegt, so Zehetner, was sie denn zum Abschied sagen solle und entschied sich dann für dies: „Trete ich heute nach, bin ich eine schlechte Verliererin, tu ich so, als ob nichts gewesen ist, ist das nicht Zehetner. Denn Zehetner ist Klarheit, Zehetner ist Wahrheit, Zehetner ist Kompromisslosigkeit. Und das hat mir vielleicht auch das Genick gebrochen.“ 

Zehetner würdigte sodann die scheidenden Stadtratsmitglieder Holger Fey, Susanne Meindl, Thomas Keller, Michael Zöller und Markus Kleinen (SPD), Wolfgang Schweiger und Johannes Bauer (Grüne) sowie André Anderl (FLP) und Manfred Reitmeier (BfP), ehe sie von ihrem Stellvertreter selbst verabschiedet wurde. Er könne nachempfinden, so Johannes Bauer, dass es sicher schmerze, aus einem Amt scheiden zu müssen, mit dem man so verbunden gewesen sei, doch es sei eben ein Grundpfeiler der Demokratie, dass „wir als Politiker nicht auf Lebenszeit bestellt werden“. Zehetner habe „unheimlich viel Fleiß, Engagement und spezifische Sachkompetenz“ an den Tag gelegt, sie sei ein Arbeitsmensch gewesen, ein großer Teil ihres Pensums nach außen aber nicht sichtbar. So sei dies auch bei den Bergleuten gewesen: „Ihr Fleiß und ihre Mühen waren nicht für jedermann zu sehen.“ Und Bauer blieb bei diesem Vergleich: Nach der Schließung des Bergwerks seien viele Kumpel nicht weggezogen sondern hätten sich weiter in der Stadt engagiert, wie dies auch Zehetner tue, die nicht enttäuscht die politische Flinte ins Korn werfe, sondern ihr Mandat als Stadträtin wahrnehme.     dd

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