Energetisch ja, aber wie?

Neubaugebiet an der Birkenstraße: Klimaschutz und Mietpreise sorgen für Diskussion

+
Welcher energetische Standard beim Neubaugebiet an der Birkenstraße gelten soll, wird nun im Fachbeirat Klimaschutz diskutiert. Die Abwägung ist sehr komplex und steht in Abhängigkeit zum späteren Mietpreis.

Penzberg – Energetisch hochwertig zu bauen ist teurer als normalen Standard herzustellen. Selbstredend, dass dann die Mieten höher ausfallen. Doch die Mieten will die Stadt beim Neubaugebiet an der Birkenstraße in einem sozial verträglichen Maß halten. Das Dilemma beschäftigte nun den Bauausschuss.

Das Gremium sollte den Standard festlegen, an dem die Neubauten energetisch ausgerichtet werden. Doch nach dem Vortrag einiger Fachleute und Planer sah sich der Ausschuss außerstande, eine Entscheidung zu fällen. Deshalb soll sich nun noch einmal der Fachbeirat Klimaschutz mit den Experten und dem Thema auseinandersetzen. 

Zunächst gab Gabriele Bruckmayer, Architektin des Planungsbüros H2M, einen Überblick über das Projekt. Noch bis März will sie mit ihrem Team einen Vorentwurf präsentieren, dann geht es auch schon um erste Vorschläge zu den Fassaden. Die Planerin ist überzeugt: „Das wird ein Prestigeobjekt.“ 

Insgesamt 179 Wohneinheiten entstehen in den Gebäuden, die das Büro für die Stadt entwirft: Drei- und Vierspänner mit Zwei-, Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen. Die Gebäude erhalten eine Tiefgarage, die sich unter den Gebäuden in den Hang gräbt und diese miteinander verbindet. Der Teil des Gebäudes, der aus dem Hang herausragt, soll die Gärten der Erdgeschoßwohnungen bilden. Exakt 197 Stellplätze können die Planer so in den Tiefgaragen nachweisen, benötigt werden indes 317. Wie also die noch offenen 120 Stellplätze nachgewiesen werden können, wollte Thomas Keller (SPD) wissen. Bruckmayer hofft da auf eine Nachbesserung beim Stellplatzschlüssel, den die Stadt selbst festlegen kann. Keller aber blieb skeptisch: „Wie sollen wir das nur schaffen?“ 

Angefahren werden die Garagen von einer Zufahrt, die Idee, diese auch von der Birkenstraße aus anfahren zu können, wurde wieder verworfen. „Wir hätten sonst zu massive zweite Rampen bauen müssen“, sagte Bruckmayer. Das „einfach intensiv begrünte Dach“ sei aber trotz einer geplanten Photovoltaikanlage durchführbar, versicherte sie und appellierte an den Ausschuss, darauf nicht zu verzichten: „Denn so wird das Dach zum Wasserspeicher, das macht energetisch absolut Sinn.“ 

Apropos energetisch: Die Frage, nach welchen Energiestandards die Häuser gebaut werden sollen, beschäftigte das Gremium recht intensiv. ENEV, KfW 40 oder KfW 55 sind hier die Schlüsselworte, die aber unterschiedliche Standards bedeuten. Das Problem: Je höher der Standard, desto teurer. Je teurer der Neubau, desto höher am Ende die Mieten. Doch die sollen bei dem sozial geförderten Wohnbauprojekt ja erschwinglich sein. Die Mitglieder des Ausschusses, die sich in Sachen Klimaschutz selbst hohe Auflagen machen wollen, haben also ein Abwägungsproblem. Und im aktuellen Fall ist dies sehr komplex, denn laut den Planern ist ein ENEV-Modell nicht zwangsläufig mit dem Standard der KfW-Varianten vergleichbar. Und: „Die Ökobilanz bei hochwertig gedämmten Häusern muss nicht zwangsläufig gut ausfallen“, so Bauphysiker Frank Blessing. Was auch Architektin Bruckmayer unterstrich: „Wichtiger als die Festlegung auf einen der verschiedenen Standards ist die Auswahl der Baumaterialien.“ Johannes Bauer (Grüne) wunderte sich darüber allerdings: „Wieso überlegen wir denn, welchen Standard wir hernehmen, wenn wir die unterschiedlichen aufgrund verschiedener Rechenmodelle doch gar nicht vergleichen können?“ 

Bis März wollen die Architekten eine Variante einmal komplett durchrechnen, auch um die Kosten darzustellen. Welcher energetische Gebäudetypus es dann werden soll, könnte vorab noch der Fachbeirat Klimaschutz eruieren, der kurzfristig nun über dieses Thema beraten wird. dd

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Penzberg: Turnhalle-Sanierung wird teurer und dauert länger – das hat zwei Gründe
Penzberg: Turnhalle-Sanierung wird teurer und dauert länger – das hat zwei Gründe
Benediktbeurer Garten- und Verschönerungsverein mit Umweltpreis ausgezeichnet
Benediktbeurer Garten- und Verschönerungsverein mit Umweltpreis ausgezeichnet
Die evangelische Pfarrerin Ursula Schwager wird am Sonntag verabschiedet
Die evangelische Pfarrerin Ursula Schwager wird am Sonntag verabschiedet

Kommentare