Autofrei mit Bergblick

Für das Baugebiet „Birkenstraße West“ haben die Erschließungsarbeiten begonnen

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Startschuss: Für Elke Zehetner (6. von links) ist dies etwas Historisches, die Vertreter der Baufirmen hoffen dagegen, ganz pragmatisch, auf einen milden Winter.

Penzberg – Lange Zeit hat es ja so ausgesehen, als würden die Bäume, die auf dem 3,6 Hektar großen Areal südlich der Wölflstraße vor zwei Jahren gerodet worden waren, langsam wieder nachwachsen. Nun aber macht sich ein Bagger im Baugebiet „Birkenstraße West“ breit.

Zwischenzeitlich war auch Bürgermeisterin Elke Zehetner ziemlich hibbelig geworden, weil mit der Erschließung des neuen Baugebietes mit dem Namen „Birkenstraße West“ einfach nichts voranging. Jetzt aber ist der Startschuss gefallen – zumindest für die Erschließung, die aber angesichts der Größe des Areals so umfangreich ist, dass diese Arbeiten erst Ende Juni 2020 abgeschlossen sein sollen. Zehetner hatte vor dem großen Bagger auch längst ihre Fassung wieder gewonnen. Sie strahlte und sprach von einem „historischen Zeitpunkt“. 


„50 Millionen plus x“

So ganz Unrecht hat sie damit nicht, denn erstens ist die Dimension, die hier entsteht, durchaus beachtlich, und zweitens will die Stadt hier ein modernes, autofreies Quartier schaffen. Unterm Strich sollen hier rund 150 Wohnungen sowie 27 Häuser unterschiedlichen Zuschnitts entstehen. Im Westen des Areals wurden bereits im Vorfeld erste Nägel mit Köpfen gemacht. Dort werden neun Reihenhäuser und zwei Doppelhäuser im Einheimischenmodell errichtet, „die alle schon vergeben sind“, wie Stadtbaumeister Justus Klement ausführte. In diesem Bereich sind dann weitere 16 Doppel- und Einfamilienhäuser geplant, deren Flächen im kommenden Jahr ohne Preisbeschränkung (wie beim Einheimischenmodell) auf dem freien Immobilienmarkt veräußert werden sollen. Damit will die Stadt auch einen Teil der Kosten für dieses ehrgeizige Projekt wieder hereinbringen, die Bürgermeisterin Zehetner auf „50 Millionen plus x“ schätzt. 


Ein Anfang mit Lärm und Dreck

Die 8 Millionen Euro, die nun im ersten Schritt für die Erschließung fällig werden, sind da beinahe nur ein Klacks. Allerdings wird auch hier ein großer Aufwand betrieben, womit die Verlegung von Breitbandkabeln nur einen vergleichsweise geringen Posten ausmacht. Schon mehr ins Geld geht das Fernwärmenetz mit dem Anschluss an die Heizzentrale neben dem bald nicht mehr vorhandenem Wellenbad. Ein Vertreter der Baufirmen meinte deshalb mit Blick auf den anvisieren Fertigstellungstermin der Erschließung schon mal: „Wir hoffen auf einen nicht allzu langen Winter.“ Ebenfalls mit großem Aufwand betrieben wird die Ableitung des Regenwassers: Da sich das Baugebiet an einem Hang befindet, werden an dessen unterem Ende im Erdreich Speicherkapazitäten geschaffen, um bei Starkregen zu verhindern, dass die Häuser und Grundstücke am Fuße des Hangs überflutet werden. Die ersten Erschließungsarbeiten konzentrieren sich in den nächsten Wochen aber erstmal darauf, das Erdreich im Bereich der künftigen Straßen und Wege abzutragen. Dass dies nicht ohne Lärm und Dreck abgeht, ist Elke Zehetner natürlich bewusst, weshalb sie versicherte, „dass wir die Belastungen für die Anwohner so gering wie möglich halten“. Sie räumte aber zugleich ein, dass es für die Leute in der Nachbarschaft „jetzt nicht ganz einfach sein wird“.

Wohnungen mit Bergblick

Stadtbaumeister Klement geht davon aus, dass jene Penzberger, die beim Einheimischenmodell einen Zuschlag erhalten haben, in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres mit der Errichtung ihrer Häuser beginnen können. Das ist dann auch jener Teil der Fläche, der als erstes Gestalt annehmen wird. Große Spannung verspricht hingegen der auf 1,4 Hektar geplante Bau von rund 150 Wohnungen (vorwiegend mit zwei und drei Zimmern), für den die Stadt selbst verantwortlich zeichnet, weshalb in der Gesamtsumme des Projekts auch rund 32 Millionen Euro für Hochbaumaßnahmen veranschlagt sind. Entstehen soll hier ein autofreies Quartier, wie man es in Penzberg bislang nicht kennt. Die einzelnen Gebäude werden nämlich nicht durch Straßen, sondern nur durch Wege erschlossen. Geparkt wird in einer riesigen Tiefgarage. Zugleich, so Justus Klement, werde man die einzelnen Wohnblöcke so anordnen, „dass das Gefälle von zehn Meter problemlos überwunden werden kann“. Und die einzelnen Gebäude werden so angeordnet, dass alle Wohnungen einen Blick auf die Berge bieten. Im Oktober, so Klement, erwarte man die ersten Entwürfe von den Architekten, erst dann könne man auch sagen, wie viele Wohnungen dort tatsächlich entstehen. Aus diesem Grund könne derzeit auch noch keine Auskunft darüber getroffen werden, in welcher Höhe die Regierung von Oberbayern dieses Projekt fördere. 


Mehr Wohnraum, mehr Kinder

Nur eines steht für Bürgermeisterin Zehetner schon jetzt fest. Die Zeiten, als die Grundschule an der Birkenstraße, so wie im Augenblick, lediglich zwei Klassen pro Jahrgangsstufe hatte, „werden dann vorbei sein“. Und auch Krippe und Kindertagesstätte an der Birkenstraße werden sich dann über mangelnde Nachfrage nicht beklagen können. la

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