Stapfen und Rupfen

Nach der Stadt legen nun Penzberger Naturschützer Birken um

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Raus mit dir: Hannelore Jaresch hat schon mal ein zartes Stämmchen gerupft, am 19. Oktober sollen noch viele weitere folgen.

Penzberg – Knapp zwei Wochen ist es her, dass die Stadt Birken am ehemaligen Metropol-Kino fällen ließ. Ein Procedere, das Entrüstung unter den Naturschützern in Penzberg auslöste. Nun packt der Bund Naturschutz (BN) am 19. Oktober Birken selbst an der Wurzel und reißt Baumtriebe aus der Erde.

Vor Freude Bäume ausreißen ist ein Akt, den Naturschützer vielleicht als Sprichwort in den Mund nehmen, wohl aber niemals in die Tat umsetzen. Auch nicht die Penzberger Fraktion der BN-Leute, die gebrandmarkt zu sein scheint, was das Verschwinden von Bäumen aus der Stadt anbelangt. Doch gemeinsam mit der AWO-Mittagsbetreuung und der Kinderschutz­organisation terre des hommes wollen die Naturschützer nun Stämme in die Horizontale befördern. Was auf den ersten Blick paradox erscheinen mag, klärt sich auf den zweiten Blick. Am „Freiwilligen-Tag“ am 19. Oktober möchten Vertreter des Dreiergespanns gemeinsam mit Kindern in Gummi­stiefeln und Gartenhandschuhen ins Breitfilz stapfen, um das Moor von Baumbewuchs zu befreien. „Das Artensterben, der Stickstoffkreislauf und der Klimawandel“ sind laut Uwe Herrmann von der terre des hommes die drei Probleme, mit welchen der Mensch künftig zu kämpfen haben wird.

 „Und das Moor hilft uns bei all diesen Problemen“, sagt Herrmann. Als Biotop biete es Tieren und Pflanzen einen Lebensraum, es sei eine „starke Senke für Stickstoff“, es binde Kohlenstoffdioxid und produziere mehr Nährstoffe als es verbraucht, zählt er auf. Hannelore Jaresch von der Penzberger BN-Ortsgruppe steht neben Herrmann, nickt und ergänzt, dass das Breitfilz als Hochmoor auch für den Hochwasserschutz von Bedeutung sei. Dann beugt sie sich hinunter und nimmt eine Handvoll Torfmoos zwischen die Finger. Sie ballt die Faust, Wasser quillt aus dem Grün. Ein gutes Zeichen, trotzdem ist es um das Breitfilz nicht optimal bestellt. Bäume und Büsche entziehen dem Hochmoor Flüssigkeit und mit dieser Nährstoffe, die Denaturierung droht. Daher müssen Pflanzen, die nicht moortypisch sind, entfernt werden. Vor allem Birken „saugen viel Wasser“, betont Herrmann. 

Gemeinsam mit Kindern wollen die Naturschützer am „Freiwilligen-Tag“, der im Zeichen des Ehrenamtes steht, diese Pflanzen nun entfernen. Mit Helmut Hermann vom Bund Naturschutz wird die Gruppe durch das Hochmoor streifen, Triebe ausrupfen oder die Stämme einsammeln, die Hermann mit einer Motorsäge auf das noch nasse Torfmoos bettet. ra 


Kinder zwischen acht und zwölf Jahren und ihre Eltern können helfen, das Breitfilz vor dem Austrocknen zu bewahren. Treffpunkt ist am Samstag, 19. Oktober, um 9.30 Uhr am Parkplatz am Bahnhof. Anmeldung unter www.freiwillig­-stark.de.

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