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Melone und ein eigener Schlachtruf: Penzberger Fasching feiert 50-jähriges Bestehen

Ende der Achtzigerjahre, als in der Stadthalle noch die Faschingsdekoration an die Wand genagelt werden durfte, stand die Polonäse ganz hoch im Kurs.

Penzberg – Melone statt Narrenkappe, grenzenlose Gaudi und ein eigener Prinzenwalzer sowie ein eigener Marsch: Der Faschingsverein in Penzberg ist einzigartig. Und ebenso einzigartig dürfte die närrische Zeit heuer in der Stadt werden, schließlich feiert das Organisationskomitee sein 50-Jähriges.

Während am 11.11. offiziell die Faschingssaison begonnen hat, fiebert man in Penzberg dem 11.1. entgegen. Dann nämlich präsentiert sich das neue Prinzenpaar in seinen prächtigen Gewändern, begleitet von seinem Hofstaat, auf dem Krönungsball. Die diesjährige fünfte Jahreszeit steht ganz unter dem Stern des 50-jährigen Bestehens des Organisationskomitees. Aber eigentlich geht das Faschingstreiben in der Stadt noch viel weiter zurück. 

Den ersten schriftlichen Beweis findet man in der Chronik des Handwerkervereins. Dort nämlich steht geschrieben, dass der 1876 gegründete Stammtisch der Handwerker im Februar 1877 seinen ersten Handwerkerball im Staltacher Hof ausgerichtet hatte. 1886, also neun Jahre später, sind ein Faschingsball und der erste Umzug überliefert. Im Februar 1920 fand dann der erste Faschingsball nach dem 1. Weltkrieg statt, und nach den Tanzverboten von 1921 und 1922 wurden wieder die Handwerker aktiv, so dass ein weiterer Ball von 1927 in deren Chronik zu finden ist. 

„Richtig los ging es allerdings erst in den Fünfzigerjahren“, berichtet Joachim Fey vom Organisationskomitee (OK). Er ist seit längerem damit beschäftigt, aus alten Dokumenten, Fotos und Zeitzeugenerzählungen die vielen Puzzleteile zusammenzusetzen. „Gott sei Dank steht in unserer Satzung festgeschrieben, dass jedes Jahr dokumentiert werden und die Chronik fortgeführt werden muss“, so Fey, „doch das galt natürlich erst seit der Vereinsgründung des OK.“ Die Fünfziger- und Sechzigerjahre seien eher unorganisiert gewesen. Es gab wohl verschiedenste Veranstaltungen, die von unterschiedlichen Vereinen, Organisationen oder der Stadt selbst durchgeführt wurden, aber so genau weiß man das nicht mehr. „Damals gab es etwa 32 Kneipen in Penzberg. Zum Teil fanden dort vier Bälle am selben Abend statt. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, grinst Fey. 

Am 11.11.1969, und damit standesgemäß zum Auftakt der närrischen Zeit, wurde schließlich das Organisationskomitee Penzberger Fasching als eingetragener Verein gegründet. Gründungsmitglieder waren unter anderem der spätere Bürgermeister Kurt Wessner, einige Stadtratsmitglieder und natürlich Franz Wagner, der als erster Faschingsprinz in die Geschichtsbücher des OK eingegangen ist. Seit ihrer ersten Session 1969/70 besuchen Wagner und seine Frau Inge, die damaligen Prinzessin, jede Proklamation und jeden Krönungsball. Natürlich war auch von Anfang an der Elferrat, die Garde sowie ein Hofnarr fester Bestandteil des Gefolges. 

Mit der Gründung des Vereins sollten noch weitere Einzigartigkeiten folgen, wie Joachim Fey stolz betont: „Wir sind der einzige Faschingsverein auf der Welt, der eine Melone anstatt der Narrenkappe trägt, der das lustige Treiben ‚Gaudi ohne Grenzen‘ ausrichtet und einen eigenen Prinzenwalzer und Marsch hat.“ Für beide hat Franz Wagner die Texte geschrieben, für den Walzer sogar die Melodie komponiert. 1972 hatte man dann auch noch einen eigenen Faschingsruf gefunden: Das „Helau“ wurde von „Lasst´s net aus“ abgelöst. Legendär waren auch die Mottobälle mit fester Dekoration während der gesamten Faschingssaison in der Stadthalle. „Leider ist das heute, in der neuen Stadthalle, nicht mehr möglich“, lacht der OK-Vorsitzende Holger Fey, „denn damals haben wir in die Wände und Säulen einfach Nägel gehauen und Stoffe hingetackert.“ 

Heute zählt das OK knapp 300 Mitglieder, wovon rund 80 aktiv am närrischen Treiben teilnehmen und jedes Jahr über zehn Veranstaltungen inklusive Gaudiwurm organisieren. „Das ist eine Wahnsinnsarbeit, aber es macht auch viel Spaß“, so Holger Fey. Seit 40 Jahren besucht das Prinzenpaar mit seinem Hofstaat zudem den Faschingsball der Lebenshilfe. „Das ist bei uns schon fester Bestandteil“, so Holger Fey. Und immer wieder beteiligt sich das OK auch an sozialen Projekten, unter anderem bei der Errichtung des BRK-Gebäudes und nach der Tsunami-Katastrophe 2004, als die Faschingsleute einen Teil ihrer Einnahmen spendeten. 

Zum 50-jährigen Jubiläum veranstaltet das OK den Jubiläumsball, zwei Kinderbälle, den Mottoball „Manege frei“ sowie den Weiber- und den Rosenmontagsball. Außerdem gibt es zwei Gardetreffen, die Gaudi ohne Grenzen, den Gaudiwurm mit Outdoor-Party und schließlich den Kehraus. 

Den Auftakt in die heiße Phase des diesjährigen Faschings aber macht am kommenden Samstag, 11. Januar, ab 20 Uhr in der Stadthalle der Krönungsball. Erst werden da Prinzessin Franziska II. vom Vier-Generationen-Reich und Prinz Benedikt I. von der OK-Manege für acht Wochen die Regentschaft über das Narrenvolk und den symbolischen Schlüssel für das Rathaus übernehmen, ehe die Band „Take it easy“ zum Tanz aufspielt. au

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