Existenzgründer und Kunstschaffende

Penzberger FDP plant Antrag: Innovationsquartier in alter Bücherei

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Leerstand in 1A-Lage: Die Zukunft der alten Bücherei am Penzberger Rathausplatz ist weiterhin unklar.
  • Andreas Baar
    VonAndreas Baar
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Penzberg – Der Penzberger FDP-Ortsverband hat einen konkreten Vorschlag: Die leerstehende alte Bücherei am Rathausplatz soll ein Innovationsquartier werden.

Im Jahr 2013 zog die Penzberger Stadtbücherei aus ihrem alten Domizil in neue Räumlichkeiten in der benachbarten Rathauspassage um. Seitdem steht das Gebäude am Rathausplatz leer. Die Räume wurden von Vereinen als Lager genutzt, auch für diverse kommunale Infoveranstaltungen im Zuge des gescheiterten Hotel-Projekts. Ideen gab es einige, was mit dem in die Jahre gekommenen Betonklotz geschehen soll. Vor allem ein Seniorentreff geisterte immer wieder durch Gremien und Öffentlichkeit – letztendlich aber gescheitert an fehlender Barrierefreiheit und erheblichen Defiziten beim Brandschutz. Jetzt kommt die örtliche FDP mit einer neuen Idee. Diese ist ganz konkret: Die alte Bücherei „ist naheliegend“ für ein Innovationsquartier , sagt Ortsvorsitzender Yannick Böge. Ungenutzt und in zentraler Lage, was wolle man mehr?

Yannick Böge, Penzberger FDP-Chef, hätte selbst ein Innovationsquartier vor Ort gut gebrauchen können.

„Offener Co-Working-Space“

Böge denkt an einen „offenen Co-Working-Space“. Das heißt: „Offene Arbeitsbereiche“, die flexibel geteilt werden können, dazu noch technische Infrastruktur wie Internet. Eine Zielgruppe hat die FDP bereits ausgemacht. „Eher die Selbstständigen“, wie Böge sagt. Aber auch Kulturschaffende, Studenten sowie natürlich Jungunternehmer und Gründer haben die Freien Demokraten im Blick. Böge schwärmt von einer „Verlängerung der Rathauspassage“. Dort soll sich eh einiges tun: Stadtbücherei und Volkshochschule haben in der Passage das Projekt „wohnZimmer“ angestoßen, dass die wenig anheimelnde Örtlichkeit kräftig aufwerten soll als sozialen Treffpunkt der Generationen samt gastronomischer Angebote. Letzteres könnten die Nutzer eines unweit gelegenen Innovationsquartiers künftig bequem nutzen, wirbt Böge und erwartet „eine höhere Frequenz“ der Passage. Grundsätzlich würde das Quartierskonzept eine Aufwertung der Innenstadt bringen, ist sich der FDP-Ortsvorsitzende sicher.

Es braucht politische Unterstützung

Erste Gespräche mit der Stadtpolitik hat der noch junge Ortsverband der Liberalen bereits geführt. Weil man nicht im Stadtrat sitzt, braucht man Unterstützer. Die gibt es bereits aus Reihen der BfP und der CSU, ist zu hören. Derzeit wird laut FDP-Vorsitzendem Böge an einem Antrag gefeilt, der dann im Namen seiner Partei eingereicht werden soll. Konkretes gibt es aber noch nicht. Ziel sei es, das Ansinnen noch heuer, möglichst schon im März, im Stadtrat einzubringen. Sollte es mit der alten Bücherei nicht klappen, hat man laut Böge ein „back up“ für ein Innovationsquartier in Penzberg im Blick: die ehemalige Molkerei an der Christianstraße.

Clemens Deyerling ist stellvertretender FDP-Vorsitzender in Penzberg und fand seinen Gründer-Heimat in Murnau.

Schon Gespräch im Rathaus

Der noch junge Penzberger FDP-Ortsverband, im März 2019 aus der Taufe gehoben, hat mit dem Innovationsquartier sein erstes großes Politikfeld gefunden. Die Liberalen waren dafür die vergangenen Monate aktiv. Dafür haben die Liberalen diverse Klinken geputzt. Zwar fiel ein Termin im Münchner Wirtschaftsministerium, ein Workshop und Treffen mit Penzberger Parteien der Corona-Lage zum Opfer. „Nichtsdestotrotz waren wir in der Zwischenzeit doch noch aktiv“, so Ortsvorsitzender Böge. So wurde das Konzept Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) und Wirtschaftsförderin Monique van Eijk im Rathaus vorgestellt. Man habe ein „sehr gutes und konstruktives Gespräch“ geführt, bestätigt Korpan der Rundschau. Zuspruch erhielt die Penzberger FDP auch von Parteifreund Wolfgang Heubisch. Der ehemalige bayerische Wissenschaftsminister und aktuelle Landtags-Vizepräsident habe bei einem Treffen in München „volle Unterstützung“ für das Vorgehen zugesagt, berichtet Böge.

Vorbild in Murnau

Anregungen holte sich der Ortsverein in Murnau, wo Penzbergs stellvertretender FDP-Ortsvorsitzende Clemens Deyerling selbst als Mitgründer des Rufbus-Projekts „omobi“ in den Genuss des dort von der Kommune eingerichteten Innovationsquartiers kam. Er habe ein „kreatives Arbeitsumfeld“ gesucht, erinnert sich der Iffeldorfer Deyerling, aber in Penzberg nichts gefunden. Auch Böge, selbst Start-up-Gründer im Medizintechnikbereich, machte diese Erfahrung: In Penzberg fehlen Räumlichkeiten gerade für junge Unternehmen, die nur wenig Infrastruktur brauchen. Böge sitzt mit seiner Firma „S4DX“ jetzt in München. Beim Murnauer Konzept gefällt Böge und Deyerling noch etwas: Dass Innovationsquartier und Volkshochschule (VHS) gemeinsam Sache machen. Dies wäre auch in der alten Bücherei als „verlängerte Rathauspassage“ mit der dortigen VHS möglich, sagt Böge.

Antrag bis März fertig haben

Doch bis es so weit ist, muss die Stadtpolitik die Weichen für die Nutzung des seit fast neun Jahren leerstehenden Gebäudes stellen. Laut Böge ist die FDP an einem entsprechenden Antrag für den Stadtrat dran. Sein Ziel: Bis März soll das Ansinnen stehen und dann eingereicht werden. Von wem, ist noch unklar. Einen politischen Partner hat sich die FDP nach Böges Aussage bereits ausgesucht: Die BfP hätten sie bislang „sehr unterstützt“. Allerdings brauche es noch eine Feinabstimmung, vor allem müsse die Frage der Finanzierung geklärt sein. Auch seitens der CSU habe es positive Signale gegeben, ist von Böge zu hören.

Wohlwollen bei den BfP

Bei den BfP will sich Fraktionschef Armin Jabs zu einem Antrag politisch nicht aus dem Fenster lehnen. Man sei jedoch „grundsätzlich“ schon dafür, schließlich habe das Thema im eigenen Programm für die Kommunalwahl 2020 gestanden. Ein Innovationsquartier wäre „ein erster Schritt in die richtige Richtung“ und könne „mit einfachen Mittel“ realisiert werden, sagt Jabs auf Anfrage. Und es biete „eine Zwischenlösung“ für die leerstehende Immobilie, ergänzt er.

Korpan nennt es „eine gute Idee“

Bürgermeister Korpan (CSU) nennt das Projekt „eine gute Idee, die man unterstützen kann“. Gerade bei Co-Working Flächen sei der Bedarf bestimmt vorhanden. Allerdings könne es womöglich „von privater Seite aus ein Projekt in dieser Art bald geben“, sagt der Rathauschef auch – ohne Details zu nennen.

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