Marsch aus der Vergessenheit

Volker Halbmeyer vertrat den Musikverein „Glück-Auf“ beim Festzug

Die „Glück-Auf“-Kapelle 1976: Die Standarte trug Volker Halbmeyer beim Jubiläumsfestzug durch Penzberg.

Penzberg – Noch einmal ließ er die Heilige Cäcilia von der Fahne blicken. Dabei waren er, Volker Halbmeyer, und die Patronin der Musiker eigentlich gar nicht als Teilnehmer des Festzuges anlässlich des Penzberger Stadtjubiläums vorgesehen. 

Volker Halbmeyer, langjähriger Vorsitzender des Musikvereins „Glück-Auf“, wollte nicht, dass die Kapelle, die Penzbergs Geschichte 80 Jahre lang begleitete, beim Festzug durch die Stadt außen vor gelassen wird. Er entstaubte die alte Standarte, fertigte eine Tafel an und marschierte als einziges Mitglied des aufgelösten Vereins mit.

An jedem 25. Dezember stand die Kapelle auf dem Stadtplatz und gab ihr Weihnachtskonzert. „Die Leute warteten schon immer darauf“, lächelt Volker Halbmeyer. Jahrelang gehörte er der Kapelle an, eine Zeit, an die er sich gerne erinnert: „Wir waren weit über Penzberg hinaus bekannt.“ Ob 1971 beim Gartenfest auf der Rosenburg in Bonn oder 1988 bei der 750-Jahr-Feier in Berlin, die Penzberger wussten auch im großen Kreis aufzuspielen. Selbst nach New York verschlug es die Kapelle, um auf der Steubenparade einen Marsch zu blasen. Darüber hinaus waren die Musiker auf vielen Volksfesten in Bayern, Österreich und Südtirol zu hören und auf der Bühne auch stets bestens zu sehen, denn hinter Notenblättern versteckten sich die Posaunisten und Trompeter keineswegs. „Wir haben viel auswendig gespielt“, erinnert sich Halbmeyer. Und oft auch ohne Unterlass, schließlich „wollten wir die Leute auf die Tische bringen“. 

Doch irgendwann war dann Schluss: „Wir mussten leider wegen Nachwuchsmangels unsere musikalischen Aktivitäten beenden“, bedauert Halbmeyer. Einst immer mit einer bis zu 26 Mann starken Kapelle unterwegs, fehlte in den Nullerjahren dann der Nachwuchs, „und die Älteren haben nicht mehr gekonnt“. 

Spuren des Vereins sind jedoch geblieben. Zum einen die Standarte mit dem Schriftzug „Glück-Auf-Penzberg“ und der Heiligen Cäcilia als Patronin der Musiker. Zum anderen lebt der Verein in der Musik weiter: Im Jahr 2008 komponierte Günther Ertl, der letzte Vorsitzende der Kapelle, den Marsch „Huat Heil“ für den Huadara-Verein. Und dieser Marsch werde auch heute noch gespielt, lächelt Halbmeyer. 

Umso untröstlicher war er, als er das Plakat für den Festumzug erblickte. Zahlreiche Vereine wurden da als Teilnehmer aufgelistet, von seinem Musikverein war jedoch nicht die Rede, „und das, obwohl wir 80 Jahre lang den Namen Penzberg getragen haben.“ Halbmeyer suchte das Gespräch mit Jubiläumskoordinator Tom Sendl, der Halbmeyer gestattete, mitzumarschieren. Eine Standarte und eine Tafel sollte er aber mit sich tragen. Die Fahne war kein Problem, eine Tafel schon, denn eine solche hatte Halbmeyer nicht mehr. Kurzerhand fertigte er auf eigene Kosten eine an. Mit seiner Familie lief er dann beim Festzug mit, denn Mitglieder gibt es ja keine mehr. Für Halbmeyer aber kein Grund, die Musikanten in Vergessenheit geraten zu lassen. ra

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