Stift, Stuhl und Stimme

Der Glück-auf-Chor wagt seine Probenpremiere auf dem Eisstockplatz

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Der Glück-auf-Chor unter der Leitung von Barbara Mahlke (vorne) probte Corona wegen auf dem Eisstockplatz auf der Berghalde.

Penzberg – Nein, untätig war Barbara Mahlke wirklich nicht. Zwar konnte die Leiterin des Glück-auf-Chors die vergangenen Monate ihre Arme nicht so schwingen, wie sie es gewohnt war, wenn sie ihrem Klangkörper zeigte, wohin die Töne sollen. Doch wochenlang probte die Penzbergerin mit ihren Sängern von zuhause aus, online. Das klappte gut, doch die Sehnsucht, sich wiederzusehen, und zwar nicht an einem flackernden Bildschirm, war groß. Bis vor gut einer Woche, als endlich wieder gemeinsam gesungen wurde, ohne verzerrte oder verzögerte Töne, ohne ein Dach über dem Kopf, dafür aber mit einem umfangreichen Hygienekonzept.

Mahlke muss schmunzeln. Dort, wo eigentlich die Eisstockschützen versuchen, möglichst nah an die Daube heranzurücken, stand beziehungsweise saß nun ihr Glück-auf-Chor vor einigen Tagen erstmals. „Die Umsetzung des strengen Hygienekonzeptes ähnelte einem gut choreographierten Tanz“, gesteht Mahlke, die vorab an ihre Sänger ein Papier geschickt hatte, auf dem fein säuberlich der Ablauf der Probe unter Corona-Regeln notiert war. Unangemeldet darf kein Mitglied auftauchen, denn die Teilnehmerzahl ist beschränkt und die Sitz­ordnung wird vorab festgelegt. Wer sich anmeldet, der muss nun einen neuen Proberaum ansteuern, der eigentlich kein wirklicher Raum ist: die Berghalde. 

Und so rollten die Sänger mit ihren Autos an, kurz vor halb acht, und fanden praktischerweise, wenige Meter vom Probenort entfernt, ihre Parklücken. Motor aus, Maske auf, hieß es da. Und während es keineswegs ungewöhnlich ist, dass die Sänger mit Notenblättern unterm Arm aussteigen und zur Probe marschieren, so war es doch neu, dass unter der anderen Achsel ein Campingstuhl eingeklemmt war, denn der war ebenso mitzubringen wie ein eigener Stift. Der erste Weg führte so zum Anmeldetisch, wo die Hände desinfiziert werden konnten und die Teilnehmer ihre Kontaktdaten auf einer Liste festhielten, mit dem eigenen Stift. 

„Nun ging es einzeln aufs Parkett zum jeweils zugewiesenen Platz“, berichtet Mahlke. Die Stühle wurden dabei nicht wahllos auf dem Asphalt aufgeklappt, sondern dort aufgestellt wo eine entsprechende Markierung den Boden zierte. Markierungen, welche im Vorfeld exakt bemessen wurden, um den nötigen Abstand zu gewährleisten. Dort konnten die Sänger ihre Maske abnehmen, erst dann wurde gesungen, wobei die südamerikanischen Rhythmen, die Mahlke ausgewählt hatte, nicht alleine die Stimmbänder, sondern auch andere Muskeln in Bewegung brachten und für die nötige Wärme sorgten. Unter meteorologischen Gesichtspunkten hatte der Glück-auf Chor an diesem Abend ohnehin viel Glück. „Nach dem wolkenbruchartigen Regen am Vortag war es trocken und die Luft herrlich frisch zum Singen“, lächelt die Chorleiterin. Nur die Geselligkeit dürfte ein wenig gelitten haben, denn „Gespräche während der Probe sind zu unterlassen“, zitiert Mahlke aus dem Corona-Kriterienkatalog. Gefolgt von der nächsten Vorschrift, die Geselligkeit mindert: „Nach der Probe Mund-Nase-Schutz aufsetzen und das Gelände einzeln verlassen.“ Eine Grüppchenbildung ist immer noch nicht möglich. Und so scheint es fast, auf den ersten Blick, als ob der Chor wie eine Schulklasse vor einer strengen Lehrerin sitzt. Es darf zwei Stunden lang nicht geredet werden und jeder muss sein eigenes Schulzeug dabei haben. „Diese Regeln scheinen manchem vielleicht übertrieben, sind aber unbedingt einzuhalten, da wir ein Hygienekonzept bei der Gesundheitsbehörde vorlegen müssen“, betont Barbara Mahlke. 

Doch der erste Blick täuscht oft, und so erkannte Mahlke trotz der Einschränkungen viele glückliche Gesichter bei der ersten Probe nach der Zwangspause. „Die Freude unter den Sängern war riesengroß“, so die Chorleiterin, die betont, dass es eine weitere Freiluftprobe „mit Sicherheit“ geben wird. ra

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