Blubbernde e-Saite

Musikschule ermöglicht Unterricht von zuhause aus

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Lehren am Laptop: Andreas Pilat unterrichtet seine Bläserklasse digital.

Penzberg – Wenn sich bei Johannes Meyer die Notenblätter zuhause stapeln, so ist dies wohl das beste Indiz dafür, dass der Leiter der Penzberger Musikschule ein Homeoffice eingerichtet hat. Doch er ist nicht der einzige, all seine Lehrer unterrichten nun in den eigenen vier Wänden.

Als klar war, dass die Musikschule wegen der Corona-Pandemie geschlossen werden muss, agierten alle Involvierten schnell. Man wollte weiter unterrichten, immerhin hat die Musikschule allein 550 Instrumentalisten unter ihren Fittichen. Die Lehrkräfte mussten sich daher mit diversen digitalen Kommunikationsmitteln auseinandersetzen, bei einer „geringen Vorlaufzeit von einer Woche“, so Simon Zehentbauer, stellvertretender Leiter der Musikschule. Doch die Vorarbeit fruchtete, mittlerweile werden die Musikschüler über Whatsapp-Videoanrufe oder Skype-Konferenzen unterrichtet, selbst übers Telefon wurden schon falsche Töne korrigiert. Der Nachteil: „Man hat es mit Zeitversetzungen zu tun“, so Meyer. Und auch die Tonqualität leidet gewaltig. Der Ton der e-Saite einer Geige beispielsweise „blubbert“, schmunzelt der Leiter. Generell seien hohe Frequenzen problematisch, ergänzt Zehentbauer. Meyer weiß genau, woran es da hapert, denn diese „Medien sind ja für Sprache gemacht“. Die App Zoom sei da schon etwas fortschrittlicher und unterscheide zwischen Sprache und Musik. 

Trotz alledem laufen die Unterrichtsstunden gut. Die Lektionen werden gemäß dem gewohnten Plan abgehalten, um unnötig großen organisatorischen Aufwand zu vermeiden. Und so ertönen Trompete, Fagott und Klavier nun eben im Kinderzimmer, in der guten Stube oder in der Küche, eben dort, wo die Akustik einigermaßen passt, „ob die Nachbarn wollen oder nicht“, grinst Meyer. Darüber hinaus „haben wir uns kreative Lösungen einfallen lassen“, sagt Zehentbauer. So werden etwa Lernvideos erstellt und per E-Mail verschickt oder in einer Dropbox gesammelt. Außerdem werden Arbeitsaufträge vergeben, welche die Lehrer dann selbstredend auch korrigieren. 

Das Feedback der Eltern sei durchweg positiv, strahlt Zehentbauer, nicht nur, weil die Lektionen wie gewohnt weitergeführt, sondern auch, „weil die Kinder beschäftigt werden“. Immerhin gebe es andere Musikschulen, die in der Hoffnung, sie könnten nach zwei, drei Wochen wieder öffnen, „gleich ganz dicht gemacht haben“, so Zehentbauer. Meyer nickt: Der Musikschulchef hofft, dass der Einzelunterricht sowie der Unterricht für kleine Gruppen am 4. oder 11. Mai wieder starten kann. Denn digitaler Unterricht könne realen nicht ersetzen, da sind sich Zehentbauer und Meyer einig. Doch um wieder öffnen zu dürfen, braucht es erst einmal grünes Licht vom Verband Bayerischer Sing- und Musikschulen (VBSM) als auch vom Verband deutscher Musikschulen (VDM). 

Was Konzerte anbelangt, so sieht Meyer aber schwarz, zumindest für die nächsten Monate. „Wahrscheinlich müssen alle Veranstaltungen bis Sommer ausfallen“, bedauert er. Auch der Tag der offenen Tür am 9. Mai findet nicht statt und wird vermutlich erst im Herbst stattfinden können. Anmeldungen sowie telefonische Beratungen seien aber jederzeit möglich, sagt Meyer und nimmt die Programmbroschüre aus dem vergangenen Jahr in die Hand. „Ein großes Glück“, sagt er leise. 2019 hatte die Musikschule ihr 40-jähriges Bestehen groß gefeiert, in Corona-Zeiten wäre das undenkbar gewesen. ra

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