Kitz unterm Korb

Helfer, Jäger und Landwirte bewahren zahlreiche Jungtiere vor dem Mähtod

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Damit Rehkitzen ihr Versteck im hohen Gras nicht zum Verhängnis wird, rückten heuer wieder viele Retter zur Erntezeit aus.

Penzberg/Landkreis – Wenn plötzlich mitten im Grün ein Korb orange, rot oder gelb leuchtete, so mag das einen Landwirt auf seinem Bulldog kaum verwundert haben. Der Bauer mähte einfach drumherum. Weil er wusste, dass sich unter dem Behälter etwas Schützenswertes befand. „Die Aktion war sehr erfolgreich“, sagt Walter Heußler, Penzberger Jäger, Naturschutzwächter und Vize-Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe Weilheim und zieht damit ein positives Fazit zur diesjährigen Rettung von Jungtieren vor dem qualvollen Mähtod.

Wie viele Rehkitze von den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, Jägern und Landwirten in Sicherheit gebracht werden konnten, weiß Heußler nicht. Angesichts von 200 Revieren im Landkreis Weilheim-Schongau dürfte eine genaue Zahl aber auch schwer auszumachen sein. Heußler selbst hat fünf Tiere gerettet. Wie das funktioniert, weiß der Naturschutzwächter schließlich genau. Mit Handschuhen legt man Gras in großen Mengen auf das Kitz, damit es den menschlichen Geruch nicht annimmt. Erst dann könne das Tier getragen werden. Häufig wird auch ein Klappkorb in einer leuchtenden Signalfarbe über das Jungtier gestülpt, so kann der Landwirt getrost mähen und eine Kurve um den Kasten machen. „Später machen wir den Kitzfiep“, sagt Heußler. Das heißt, der Ruf des Rehkitzes wird imitiert, damit das Muttertier, das sich oft nur wenige Sprünge von seinem Nachwuchs entfernt befindet, angelockt wird. „Jungtiere sind oft alleine anzufinden. Das hat nichts damit zu tun, dass die Elterntiere nicht mehr da sind“, betont Heußler. Vielmehr sei es eine Strategie, um die Kitze vor Fressfeinden zu schützen. Nach dem imitierten Fiepen wird das Kitz in die Richtung der Geiß getragen und an einer günstige Stelle abgelegt. „Es ist uns wieder gelungen, viele von den Kitzen vor dem Tod oder vor schlimmen Verstümmelungen zu bewahren“, sagt Heußler, und dankt allen Rettern. Helfer gab es heuer so viele, dass manche sogar weggeschickt werden mussten. „Es war ein großer Erfolg, aber kein ganzer“, bilanziert Heußler, denn ein ganzer Erfolg würde bedeuten: kein einziges Rehkitz verendet in einer Mähmaschine. ra

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