Daheim im blauen Büro

Viele Gespräche geführt: Stefan Korpan tritt Bürgermeisteramt an

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Der Bürgermeister und das noch etwas kahle Amtszimmer im Rathaus: Stefan Korpan an seinem neuen Arbeitssplatz.

Penzberg – Die Wände sind noch recht kahl in seinem Büro, doch das stört Stefan Korpan nicht. Erst vor wenigen Tagen hat Penzbergs neuer Bürgermeister den Dreh- und Angelpunkt im Rathaus bezogen, zu wenig Zeit, um sich um die Einrichtung des Zimmers zu kümmern oder sich darüber Gedanken zu machen. Wie es der Zufall will, ist ein großer Teil des Mobiliars in CSU-Blau gehalten. Das ist an Korpan aber völlig vorübergegangen. Vielleicht, weil er „kein CSU-Meister, sondern ein Bürgermeister“ sei, wie er sagt.

Es ist schon ein wenig komisch für Korpan, wenn er nun zum Bäcker geht oder an der Kasse steht. Schon früher kam er dort mit anderen ins Gespräch, doch da war er immer „der Fußballer oder der Polizist“, sagt er. Nun sei er aber „der Bürgermeister“. Doch daran wird sich Penzbergs neues Stadt­oberhaupt gewiss rasch gewöhnen. An seinen neuen Arbeitsplatz hat er sich nämlich bereits gewöhnt. Als er am ersten Amtstag von seinem Besuch bei Roche, der Vorstellung des Corona-Antikörpertests und einem Foto mit Ministerpräsident Markus Söder und Alexander Dobrindt ins Rathaus zurückkehrte, meinte er zu seinen Vorzimmerdamen „jetzt bin ich wieder daheim“, und musste lachen, als er sich das völlig unbewusst sagen hörte. Viel Zeit, um sein neues Zuhause einzurichten, blieb in den ersten Tagen aber nicht. Während die Wände im Büro nackt auf Rahmen und Bilder warten, führte Korpan zahlreiche Gespräche mit Mitarbeitern der Verwaltung und einigen Stadträten. An Tag eins habe er auch schon wichtige Dokumente unterschrieben, wie er sagt. 

Der Rathauschef gibt sich zuversichtlich mit Blick auf das, was die nächsten sechs Jahre auf ihn zukommen mag. Wenngleich er weiß, dass viel Arbeit auf ihn wartet. Über die ersten Projekte, die er angehen möchte, spricht Korpan aber noch nicht, „man muss die finanzielle Situation abwarten“, sagt der Bürgermeister mit Blick auf die Corona-Pandemie. Auch verrät Korpan noch nicht, welche Umstrukturierungen er in den Abteilungen plant, nur, dass er welche im Kopf hat. Zunächst sei nämlich zu prüfen, „was arbeitstechnisch sinnvoll ist“, sagt Korpan und fügt hinzu, dass „keine Unzufriedenheit aufkommen soll“. 

Unzufriedenheit scheint er, der bislang nicht Teil des Stadtrates war, in diesem Gremium zu spüren, genauer gesagt ein „Misstrauen“, wie Kopran es formuliert. Mit Stadträten aus jeder Partei und Fraktion habe er schon Gespräche geführt und festgestellt, dass da ebendieses Misstrauen herrsche, dass sich in den vergangenen Jahren über das normale Maß hinaus entwickelt habe. Damit ein gesundes Misstrauen wieder einkehren kann, wird es wohl noch ein wenig Zeit brauchen. „Es ist eine schwierige Situation“, meint Korpan, „der eine oder andere hat größere Wunden zu lecken.“ Hinzu kommt eine weitere Herausforderung auf den Bürgermeister, denn mit neuen Gesichtern im Stadtrat kommen „neue Persönlichkeiten, neue Interessen, neue Charaktere“ ins Gremium. Sind die Wunden geleckt und verheilt, das stellt der Rathauschef klar, „sollen alle entscheiden“, es dürfe keine parteipolitischen Bevorzugungen geben. Alle sollen auch bei der Wahl seines Stellvertreters ihre Stimme abgeben. Mit jedem Kandidaten habe er schon geredet und dabei „tolle Gespräche“ geführt. Wen er an seiner Seite wissen möchte, verrät Korpan noch nicht, das solle der Stadtrat bei seiner konstituierenden Sitzung am kommenden Dienstag entscheiden. Doch verrät Korpan etwas anderes, nämlich, dass „die CSU und ich für einen dritten Bürgermeister sind“. 

Und auch wenn sich Kopran bei seinen künftigen Projekten und Plänen bedeckt hält, so offenbart er zumindest in einem Bereich eine wesentliche Veränderung, wobei es sich dabei ja eigentlich um eine Rückbesinnung handelt. Als „fast erste Amtshandlung“ habe er Thomas Sendl wieder zum Verantwortlichen für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gemacht, „nicht für mich persönlich, sondern für das Rathaus“, betont der Bürgermeister. Schließlich sei ohne einen Koordinator der „Informationsfluss schwierig“. Auch mit einem Pressesprecher wolle man ein „buntes Meinungsbild erhalten“, betont Sendl, aber eben „ein abgestimmtes“. Und auch das soll sich ändern: Er müsse sich als Bürgermeister nicht jeden Tag in der Zeitung mit breitem Grinsen sehen, sagt Korpan und fügt hinzu: „In den vergangenen Wochen war oft dasselbe Gesicht zu sehen.“ 

Korpan baut jedoch nicht allein auf Sendl. Um sich auf das Bürgermeisteramt vorzubereiten, hat er bereits intensive Gespräche mit den Abteilungsleitern geführt, denn wenn er sich in einer Sache unsicher sei, „bin ich mir nicht zu schade, nachzufragen“, betont Korpan. Er wie auch alle anderen neuen bayerischen Bürgermeister werden jetzt gewissermaßen ins kalte Wasser geschmissen, denn die obligatorische Schulung für die Neulinge in den Rathäusern wurde wegen Corona abgesagt. Bis Korpan auf ein Seminar darf, kann er sich ja dem Büro und dessen kahlen Wänden widmen. ra

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