Aufgeregt und konzentriert

Schulklassen interpretieren die Bücher, die im diesjährigen „Urmel“-Finale stehen

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Eröffneten Welten aus Büchern: Kinder aus verschiedenen Penzberger Schulen widmeten sich ausgiebig den „Urmel“-nominierten Werken.

Penzberg – Es kommt nicht häufig vor, dass die Stadthalle bis fast auf den letzten Platz nur mit Kindern gefüllt ist. Schulklassen interpretierten dort mit großer Begeisterung sieben der zehn Bücher, die im diesjährigen Finale um den „Urmel“-Preis für Kinder- und Jugendliteratur stehen. 

Man hätte meinen können, gleich kippt die Stimmung im Saal. Die Nerven der Sechs- bis Elfjährigen waren sichtlich und hörbar bis zum Zerreißen gespannt: kaum ein Kind, das es ruhig auf seinem Stuhl hielt. Als dann jedoch Veronika Fürst vom Team der Stadtbücherei aus einem der zehn nominierten Bücher las, wurde es auf einmal mucksmäuschenstill. Fürst hatte sich eine Stelle aus dem Buch „Ein Hund namens Kominek“ von Antje Bones und Jasmin Schäfer herausgesucht. Kominek, das bedeutet Kamin und bezieht sich auf die Fellfarbe eines außergewöhnlichen Hundes, um den es in Antje Bones poetischer Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Mensch und Hund geht. 

Von einem Jungen, der mit seinen Freunden in einer Schule für Schwererziehbare einem Geheimnis auf die Spur kommt, von der besonderen Beziehung zwischen einer dementen Oma und ihrer Enkelin und vom Untergang der Titanic handeln drei weitere der zehn Bücher, die in diesem Jahr als Urmel-Preisträger in Frage kommen. Die zehn Titel wurden im vergangenen Sommer von einer Erwachsenenjury aus rund 80 Büchern ausgewählt und einer 16-köpfigen Kinderjury für die letztendliche Entscheidung an die Hand gegeben. 

Für sieben der zehn Bücher übernahmen Klassen verschiedener Schulen aus Penzberg eine Patenschaft. An zwei Tagen duften sie die Ergebnisse ihrer Beschäftigung mit dem Buch vorstellen. Während die Klassen 1 bis 3 der Montessori-Schule eine „Szene im Karton“ zu dem Buch „Die Gorgel“ von Jochem Myjers und Rick de Haas gefertigt hatten, begeisterte die 3. Klasse der Grundschule an der Birkenstraße mit einem Film zu „König Guu“ von Adam Stower. In der Geschichte geht es um einen Jungen namens Ben, der auf der Flucht vor seinem Schulkameraden und Erzfeind Monty plötzlich durch ein mysteriöses Erdloch fällt und so unverhofft einen versteckten Wald entdeckt. Hier regiert König Guu, ein Mädchen mit einem stattlichen Bart, einem gigantischen Baumhaus und einem Wombat namens Herbert. Klar, dass Monty und seine Bande dieses Paradies zerstören wollen. Aber Ben und Guu sind bestens auf ihren Gegner vorbereitet. 

Eine ganz andere Art der Präsentation boten die Schüler der 4. Klasse aus der Bürgermeister-Prandl-Grundschule, die Bilder zu einzelnen Szenen aus „Der halbste Held der ganzen Welt“ von Andrea Schomburg und Betina Gotzen-Beek gemalt hatten. Jeweils ein Kind las dann eine Textstelle vor oder erzählte frei, während das Bild im Hintergrund den Vortrag illustrierte. 

Am Tag zuvor waren die weiterführenden Schulen dran. Die Klassen 5c und 5e des Gymnasiums zeigten jeweils einen Film zu den Büchern „Titanic: 24 Stunden bis zum Untergang“ von Stephen Davies und Torben Kuhlmann sowie „Mount Caravan“ von Anna Ruhe und Max Meinzold, das von den Abenteuern des Außenseiters Jake in einer Schule für Schwererziehbare handelt. Die 6b der Realschule wiederum begeisterte mit einem Filmbeitrag zum Buch „Krasshüpfer“ von Simon van der Geest, während „Das Blaubeerhaus“ von Antonia Michaelis und Claudia Carls den Leseclub des Gymnasiums zu einem Theaterstück inspirierte. „Eine klasse Leistung“, wie nicht nur Moderatorin Heissig von der Stadtbücherei fand. Dennoch entschied sich die Kinderjury für die Präsentation von „Mount Caravan“. Bei den Grundschülern gewann die Interpretation von „König Guu“. 

Wer letztlich den alle zwei Jahre ausgelobten und mit 2.500 Euro dotierten „Urmel“-Literaturpreis erhält, wird erst bei der Preisverleihung am 4. Oktober in der Stadthalle bekannt gegeben. Einen gravierten Urmel sollen an diesem Tag jedoch nicht nur das ausgezeichnete Autoren-Illustratoren-Duo, sondern auch die Klassen mit den beiden besten Präsentationen erhalten. sg

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