Bedrückende Lage

Seniorenbeirat beklagt fehlende Bänke und Toiletten

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Eine Rarität in Penzberg? Ein öffentliches WC findet sich am Rathaus. Davon sollte es, geht es nach dem Seniorenbeirat, mehr geben.

Penzberg – Als die Kommunalwahl unmittelbar vor der Tür stand, schien es ein Kandidat besser als der andere zu verstehen, im Balztanz um Stimmen die Bedürfnisse der Wähler aufzugreifen. Von bezahlbarem Wohnraum über Klimaschutz bis hin zur Neuerfindung der Demokratie im Rathaus war da die Rede. Nur eines haben alle schlichtweg vergessen: Bänke und Toiletten mit in den Wahlkampf aufzunehmen. An beidem mangelt es in Penzberg in den Augen des Seniorenbeirats nämlich gewaltig.

So jeder Lebensabschnitt bringt sein ganz persönliches Kreuz mit sich. Sind junge Mütter und Väter etwa ständig auf der Suche nach einem Wickelplatz, um ihr Kind trockenzulegen, klagen Penzberger mittleren Alters über mangelnde Einkaufsvielfalt, und die Jüngeren über zu wenig Action in der Stadt. Was all jenen am wenigsten fehlt, sind Bänke und Toiletten, ein Bedürfnis, das für ältere Menschen jedoch essenziell ist. Mit diesen Themen hat sich der Penzberger Seniorenbeirat in seiner letzten Sitzung vor der Corona-Krise ausgiebig beschäftigt. Nach Ansicht der Senioren fehlen in Penzberg etwa zwei bis drei Bänke, einige wenige seien reparaturbedürftig. 

Die Mitglieder des Beirats sehen vor allem die großen Discounter der Stadt in der Pflicht, vor ihren Geschäften für Plätze zum Rasten und Ruhen zu sorgen. „Wenn ich beim Rewe oder Edeka mein Geld lasse, sollte es doch kein Problem sein, auch eine einfache Bank hinzustellen“, wetterte Siegfried Höfler, der Vorsitzende des Seniorenbeirats. Von einem Antrag an die Stadt, sie solle sich im Auftrag der Senioren der Sache annehmen, versprechen sich Höfler und seine Mitstreiter nun Abhilfe. Die restlichen fehlenden Bänke will der Seniorenbeirat selbst anschaffen, aus Spendengeldern. 

Schwerer wiegt für die Senioren auch der Toilettennotstand. Laut Höfler trauten sich viele ältere Menschen nicht mehr zum Einkaufen zu gehen. „Wer steht schon gerne mit drückender Blase im Aldi?“, fragte Höfler in die Runde. Lebensmittelgeschäfte mit angeschlossener Gastronomie verfügten nach Erkenntnissen der Senioren über ein WC, so etwa beide Edeka-Filialen. Bei Discountern wie Aldi oder Lidl suche man aber vergeblich nach einer Möglichkeit, sich zu erleichtern. Das sei eine klare Aufgabe der Stadt, so die Auffassung des Beirats. Die solle sich mit Norma, Netto & Co. in Verbindung setzen und „Druck machen“. Wie sehr ein dringender Toilettengang die Lebensqualität beeinträchtigen kann, zeigten anschauliche Schilderungen der Mitglieder des Seniorenbeirats. „Oft schäme ich mich, Personal in Läden anzusprechen“, hieß es an einer Stelle. Und selbst in Geschäften, die über ein WC verfügten, seien die Örtlichkeiten oft so sehr versteckt oder für Gehbehinderte schwer zugänglich, dass das alltägliche Bedürfnis zum schier unüberwindbaren Hindernis mutiert. Auch die vorhandenen öffentlichen Toiletten seien nicht immer gut erreichbar, manche gar verschlossen. Frei zugängliche, stets geöffnete, barrierefreie und saubere Toiletten, da war sich das Gremium schließlich einig, bräuchte es deutlich mehr in Penzberg. sg

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