Keine sichere Bank

Seniorenbeirat will klären, ob die Stadt über ausreichend Sitzgelegenheiten verfügt

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Kämpft seit Jahren für mehr Bänke in der Stadt: Kato Schulz (links).

Penzberg – Sie brachte den Stein ins Rollen: Kato Schulz. Die Rentnerin beklagte sich schon viele Male bei der Stadt Penzberg über einen Mangel an Sitzgelegenheiten. Der Seniorenbeirat nahm die 90-Jährige schließlich mit auf eine Erkundungsfahrt durch die Stadt, um ihren Vorwurf zu überprüfen. 

Eine ganze Liste liegt vor Siegfried Höfler, Vorsitzender des Seniorenbeirats, als er im Großen Sitzungssaal des Rathauses den ersten Tagesordnungspunkt einleitet. Höfler liest: „Am Rewe, am Edeka, an der Bushaltestelle Grube, an der Seeshaupter Straße zwischen Friedhof und Autohaus“. Es ist nur der Anfang einer ganzen Reihe von Plätzen in Penzberg, an welchen es an Sitzgelegenheiten mangele , geht es nach Höfler und Schulz, die diese auf einer Rundfahrt ausfindig gemacht haben. Nun nickt die Rentnerin zufrieden bei jedem Punkt, den Höfler aufführt. Vor allem zwischen dem Supermarkt Lidl und dem Stadtteil Reindl fehlen Bänke, hebt die betagte Dame da noch vor, während sich auf der einen Straßenseite gleich vier Bänke aneinanderreihen, finden sich auf der gegenüberliegenden gerade einmal zwei, beschwert sich Schulz, die als Zuhörerin im Sitzungssaal Platz genommen hat und nicht davor zurückschreckt, immer wieder in die Diskussion des Beirats einzugreifen. 

Verständnisloses Kopfschütteln bei Hans-Werner Neumann, der „schon seit 40 Jahren in Reindl wohnt“ und sich „absolut sicher“ sei, „dass genügend Bänke da sind“. Zwar versteht Schulz nicht jedes Wort im Sitzungssaal akustisch, doch diesen Satz hört sie gut, bestens sogar, er macht sie wütend: „Das stimmt doch gar nicht“, interveniert sie mit lauter Stimme. Ludwig Schmuck schloss sich dem Kopfschütteln seines Kollegen Neumann an, in Reindl müsse man halt wissen, auf welcher Straßenseite man gehe, schließlich könne man nicht allenthalben Bänke aufstellen, fuhr Schmuck aus der Haut. Liselotte Schlossbauer versucht da zu beruhigen, man solle doch berücksichtigen, dass viele ältere Menschen auf dem Weg vom Arzt mit Schmerzen oder vom Einkauf mit Taschen bepackt eine nahegelegene Rastmöglichkeit benötigen, diejenigen, die darauf nicht angewiesen seien, „übersehen das oft“. Und wenn Sitzmöglichkeiten vorhanden sind, dann „muss man sich auch um die kümmern“, ergänzt Schlossbauer. Eine Forderung, der auch Höfler nur zustimmen kann, immerhin seien manche Bänke „in sehr schlechtem Zustand“, urteilt er. Und Kato Schulz nickt. Ein wenig hin und her und auch heiß her geht es da zwischen Schmuck, Neumann und dem Rest des Gremiums. Einig, wie gut die Stadt mit Bänken bestückt ist, will man sich nicht so recht werden, daher schlägt Renate Mair vor, die Stadt in einzelne Gebiete aufzuteilen und diese dann als Dreiergruppen auf ihre Rastmöglichkeiten zu untersuchen. Ein Vorschlag, der Höfler ganz gelegen kommt, „bevor wir uns hier jetzt zerfleischen“, sagt der Vorsitzende, und schlägt vor, nach der Bank-Bestandsaufnahme mit Holzmann das Gespräch zu suchen und das gesammelte „Paket“ an fehlenden Bänken in einem Antrag gebündelt aufzunehmen. 

Zu klären sein dürfte da dann noch, wie sich die Anschaffung der gewünschten Bänken finanzieren lässt, denn der Bauhof hat keine auf Lager. Geht es nach Mair, so könnte die Bürgerstiftung, die jüngst eine Spende erhalten hat, etwas ausschütten, immerhin habe sich die Bürgermeisterin ja Ideen gewünscht, was mit dem Zuschuss geschehen soll. Eine Idee, die Schmuck sauer aufstößt, denn die Bürgerstiftung könne das Geld schließlich nicht verteilen, wie sie lustig ist, „da gibt es Vorgaben“, betont Schmuck, der sichtlich erleichtert ist, als anschließend der nächste Tagesordnungspunkt aufgerufen wird. Es ist also keine sichere Bank, ob schon bald mehr Sitzmöglichkeiten in Penzberg Platz finden. Schulz jedenfalls bleibt dran. ra

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