Öffentlicher Nahverkehr

Penzberger Stadtbus wird digital - und es gibt eine neue Linie

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Penzberg- Die Stadt Penzberg geht beim öffentlichen Nahverkehr neue digitale Wege. Ab sofort gibt es die „Wohin-du-willst“-App für den Stadtbus. Es ist eine Premiere im Landkreis Weilheim-Schongau.

Wann geht der Stadtbus? Eine Frage, die sich nun mit wenigen Klicks auf dem Smartphone beantworten lässt. Voraussetzung ist das einmalige Laden der „Wohin-du-willst“-App ders Regionalverkehr Oberbayern (RVO). Fahrplanauskünfte, Routenplanung, Echtzeitauskünfte und Push-Nachrichten über Verspätungen oder Ausfälle lassen sich abrufen. Sogar Neuigkeiten aus der Region liefert die Mobilitätsplattform. Und ab Januar 2021 soll auch der Ticketkauf für Penzbergs Stadtbus möglich sein. 

Vorreiter im Landkreis

Neben Garmisch-Partenkirchen und Miesbach hat sich nun Penzberg für eine regionalisierte Version der Anwendungssoftware entschieden. Der Vorteil ist, dass die Kommune selbst Neuigkeiten wie Veranstaltungshinweise, Umleitungen und Ersatzverkehr einstellen kann. Eine Route oder Fahrplanauskunft lässt sich leicht erstellen, hieß es nun bei der Präsentation im Rathaus. So muss man als Startpunkt nicht etwa die Haltestelle eingeben, sondern kann direkt bei seiner Heimatadresse beginnen - das Programm spuckt nicht nur die Fahrzeit, sondern zudem die Gehminuten zu oder zwischen den Haltestellen aus. Als Nächstes gibt man sein Ziel ein und die Abfahrzeit. So lassen sich Routen planen und speichern. 

Mobilitätskonzept ausbauen

„Dies funktioniert nicht nur im Stadtgebiet“, erklärt Ralf Kreuzer, RVO-Niederlassungsleiter in Weilheim. „Ich kann die Strecke von zu Hause bis zum Münchner Marienplatz eingeben und bekomme alle Verbindungen mit Zeit, Zugnummer, S-Bahn und Wegstrecken angezeigt.“ Speichert man die Route, gibt es optional eine Benachrichtigung, wenn sich im Fahrplan etwas ändert und wann es Zeit ist, sich auf den Weg zu machen. Laut Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) nimmt das heimische Mobilitätskonzept mit der App eine weitere Hürde, um den Penzberger Verkehr zu beruhigen. „Viele wollen ja weniger Verkehr in der Innenstadt oder klagen über zu wenig Parkmöglichkeiten. Wir schaffen mit dem Mobilitätskonzept die Möglichkeit, das Fahrzeug zu Hause zu lassen und mit dem Bus zu fahren.“ Ab Anfang 2021 soll der Ticketkauf über die App abgewickelt werden können. „Kontaktloses Bezahlen ist ein wichtiger Baustein, nicht nur in Coronazeiten“, erklärt Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann. „Dadurch wird ein schnelleres Einsteigen ermöglicht, was wiederum die Pünktlichkeit sichert.“

Entwickelt von DB Regio Bus

Entwickelt wurde der App-Grundbaustein von der Stelle für innovative Verkehrskonzepte bei der DB Regio Bus. Die Kosten dafür trägt grundsätzlich der Landkreis, wobei sich die Stadt für eine individualisierte Variante entschieden hat. Das Grundpaket wurde für rund 1600 Euro erworben, für die Regionalisierung ist man laut Holzmann in Vertragsverhandlungen. Für den Nutzer ist die App in allen Varianten kostenlos. Für die Entwicklung der Ticketkauffunktion wird die DB Regio Bus vom Freistaat gefördert - mit der Auflage, unter einem Betrag von 25 000 Euro zu bleiben. „Wir entwickeln das nun für den Landkreis Cham, weil dies ein großer Flächenlandkreis ist, mit einem komplexen Ticketsystem“, so Lisa Wolf, zuständige Referentin bei der DB Regio Bus.

Jungfernfahrt der neuen Linie 3

Ein gutes Zeichen für die Zukunft: So bezeichnete Bürgermeister Stefan Korpan bei der Jungfernfahrt die Einführung der neuen Stadtbuslinie 3. Lob kam auch vom städtischen Partner RVO: „Penzbergs Nahverkehrsangebot ist außergewöhnlich und sucht in Bayern seinesgleichen“, meinte Ralf Kreuzer, Leiter der Niederlassung Weilheim. Auf den ersten Blick macht die neue Linie mit ihren rund zehn Minuten Wegzeit vom Bahnhof zum Haupttor der Firma Roche im Nonnenwald nicht viel her. Doch dahinter verbirgt sich ein Potenzial, dass es in sich hat. Nachdem sich der Biotech-Konzern seit längerem eine noch bessere ÖPNV-Verbindung für seine Mitarbeiter gewünscht hatte, gab der Stadtrat Mitte Mai sein Okay zur neuen Linie (wir berichteten). Doch nicht nur der Weg zum größten Arbeitgeber in der Stadt wird damit erleichtert. Gleichzeitig schließt sich die Lücke von zwei noch nicht erschlossenen Stadtgebieten zu den großen Einkaufsmärkten, zum Gewerbegebiet Grube und zum Nonnenwaldstadion. Die Bewohner der südlichen und östlichen Stadtteile um die Ludwig-März-Straße, der Stadthalle und der Bürgermeister-Rummer-Straße wird es freuen. Mussten sie bisher noch eine lange Wegstrecke zur nächsten Bushaltestelle in Kauf nehmen, so können sie nun bequem an drei neuen Haltestellen zusteigen. Gerade hier wohnen, laut Aussage von Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann, viele Mitarbeiter der Firma Roche.

Anbindung an Bahn

Auch für Fahrgäste, die aus Richtung Kochel mit dem Zug ankommen, stellt die neue Strecke eine Bereicherung dar. „Alle Busse fahren direkt im Anschluss“, erklärt RVO-Vertreter Kreuzer. Zu den Hauptarbeitszeiten morgens und abends wird im Halbstundentakt gefahren - und das durchgehend an allen Werktagen auch in den Ferien. Zwischen 9 und 15 Uhr gilt der Stundentakt. 

Erstmal Probebetrieb

Im strömenden Regen hatte sich Rathauschef Korpan mit etlichen Stadtratsmitgliedern, Ordnungsamtsleiter Holzmann und RVO-Niederlassungsleiter Kreuzer zur Jungfernfahrt an der Haltestelle am Bahnhof eingefunden. Auf der Fahrt wies Holzmann auf die neuen, bislang noch provisorischen Haltestellen hin - denn die neue Linie läuft erstmal im Probebetrieb bis Dezember 2022. „Die Fahrgäste werden gezählt und die Zahlen ausgewertet“, so Holzmann. Erst wenn feststeht, dass die Linie sich bewährt, wird in Bushäuschen und Bänke investiert. Bis dahin möchte man sich jedoch Flexibilität bewahren. „Jetzt schauen wir mal wie es läuft, sind aber für Rückmeldungen und Verbesserungen offen“, erklärte der Ordnungsamtsleiter und hofft zugleich, dass viele Bürger das Angebot nutzen. 

Zehn Minuten Fahrt

Rund zehn Minuten dauert die Fahrt vom Bahnhof über die Ludwig-März-Straße, Stadthalle, Bürgermeister-Rummer-Straße, REWE (ehemaliger Sportplatz), An der Freiheit, Henlestraße über die Nonnenwaldstraße (Sportstadion) zum Roche-Haupttor und danach zum Westeingang des Unternehmens. Ausnahmsweise legte der Bus auf seiner Jungfernfahrt einen kurzen Stopp bei der Haltestelle am Haupttor ein, denn dort warteten Johannes Ritter, Leiter der Kommunikation, und Wolfgang Schek, Mobility Manager von Roche, um zu gratulieren - bevor es nach einer Wende am Westeingang zurück zum Bahnhof ging. 

Haltestellen gereinigt

Um die Qualität und den Wohlfühlfaktor des Stadtbuskonzeptes noch weiter zu erhöhen, ließ die Stadt Penzberg alle Haltestellen von Grund auf reinigen. Die RVO montierte im gesamten Stadtgebiet 72 neue Haltestellenschilder - welche nun auch das rote Stadtbuslogo ziert. Als mobiler Service zur Routenplanung und Fahrzeitenabfrage kann man sich ab sofort die neue „Wohin-du-willst App“ auf das Smartphone laden - diese soll ab Januar nächsten Jahres sogar bargeldloses Bezahlen der Fahrtickets möglich machen.

Astrid Unterreiner

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