Befreiungsschlag erhofft

Kinderhaus im Müllerholz wird gebaut, Grüne vermissen aber ganzheitliches Konzept

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Schon zu eng oder noch etwas Platz? Der Stadtrat will jedenfalls mit der Suche nach einem Grundstück für eine dritte Grundschule beginnen.

Penzberg – Der Stadtrat hat nun einstimmig den Weg frei gemacht für die Errichtung eines Kinderhauses im Müllerholz nördlich des Nonnenwaldstadions und damit einen Schlussstrich unter die so hitzig geführte Debatte um den Bau einer Krippe im Pausenhof der Grundschule an der Birkenstraße gesetzt.

So unspektakulär dieser Tagesordnungspunkt, bei dem es formal um die Änderung des Bebauungsplans ging, abgehandelt wurde, so kontrovers wurde im Anschluss über die bildungspolitischen Anträge von Markus Bocksberger und Ute Frohwein-Sendl (Penz­berg Miteinander) sowie eine Anfrage der FLP debattiert. 

Bocksberger und Frohwein-Sendl hatten ein ganzheitliches bauliches Konzept für alle Kindertagesstätten, die Grundschulen und die Mittelschule gefordert, weil sie befürchten, dass der anhaltende Zuzug nach Penzberg die Einrichtungen an ihre Kapazitätsgrenzen bringen werde. Ein Ganztagsschulbetrieb sei deshalb nicht möglich, auch sei die Mittagsbetreuung an den Grundschulen nur provisorisch untergebracht. Hinzu komme, dass die Mittelschule dringend saniert werden müsse, weshalb es ein Konzept brauche, dass all diese Bereiche erfasse. Flankiert wurde diese Forderung von einer FLP-Anfrage zum Schulbedarf und einem Antrag der Grünen, die sich ebenfalls für ein Gesamtentwicklungskonzept stark machen.

Rathaus-Geschäftsführer Roman Reis gab jedoch erst einmal Entwarnung. Bei den Krippenplätzen, so führte er aus, werde die Betreuungsquote künftig auf etwa 75 Prozent (jetzt: 41 Prozent, Landesdurchschnitt 28,5 Prozent) ausgebaut, bei den Kindergärten könne die Stadt den Bedarf komplett abdecken. So habe man derzeit mehr Plätze als Kinder, wobei viele dieser Plätze durch „Integrationskinder“ kompensiert werden. Durch die Schaffung des neuen Kinderhauses im Müllerholz werde die hundertprozentige Bedarfsabdeckung aber weiter „auf Dauer gewährleistet“, versicherte Reis. 

Bei den Grundschulen sei es zwar nicht auszuschließen, dass alle Kapazitäten ausgeschöpft werden, allerdings, so Reis, bestünden an beiden Standorten gute Erweiterungsmöglichkeiten. Ungeachtet dessen empfahl Reis dem Stadtrat, ein Grundstück als Gemeinbedarfsfläche für den Bau einer zusätzlichen Schule auszuweisen. Bezüglich der Ganztagsbetreuung sei damit zu rechnen, dass der Bedarf von derzeit 46 auf 75 Prozent steige. Für den Ausbau gebe es Förderprogramme, allerdings noch keine Idee, wie das Angebot ausgeweitet werden soll. Reis sieht hier den Gesetzgeber in der Bringschuld. Und vor dem Hintergrund des aktuellen Lehrermangels stellte er fest: „Die Ganztagsschule in der jetzigen Form führt in Penzberg zu keiner Angebotserweiterung und birgt noch eine Vielzahl von Fragezeichen. Insgesamt aber sei Penzberg „für die Zukunft gut gerüstet“, vor allem das neue Kinderhaus im Müllerholz „wird ein Befreiungsschlag“. 

Kerstin Engel (Grüne) zeigte sich davon aber „sehr enttäuscht“. Denn der Vortrag von Reis sei alles andere als ein nachhaltiges Entwicklungskonzept gewesen. „Das ist nur die Schilderung der Ist-Situation.“ Dabei müsse man mit einem Vorlauf von drei Jahren den Bedarf an Betreuungsplätzen planen. Mit Blick auf die Neubaugebiete in der Stadt sagte Engel: „Da kann man doch Kinderzahlen in etwa prognostizieren.“ Und sie warnte: „In drei Jahren werden die Schulen aus allen Nähten platzen.“ Das sah auch Markus Bocksberger (Penzberg Miteinander) so, der deshalb an den Stadtrat appellierte, die Verwaltung mit der Suche nach einem Grundstück für eine neue Schule zu betrauen. Dem folgte das Gremium dann auch und erteilte der Verwaltung zugleich den Auftrag, an den Grundschulen Flächen für Ganztagsbetreuungsangebote zu eruieren. dd

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