Mitten in Absurdistan

Angebot für 40 günstige Bauplätze: Stadtrat lehnt mehrheitlich dankend ab

Zwischen Reindl und Untermaxkron bleibt alles wie es ist: Eine Wohnbebauung an dieser Stelle kann sich der Stadtrat derzeit überhaupt nicht vorstellen.

Penzberg – Bisweilen ist Politik ein undankbares Geschäft. Da macht man sich, wie die SPD, Gedanken, wie man möglichst schnell möglichst viele bezahlbare Wohnungen in der Stadt schaffen kann und dann schmettert man die erst beste sich bietende Möglichkeit mit Verve und Leidenschaft ab.

Thomas Keller ahnte schon, was hinterher viele denken würden, als er ausholte, um zu erklären, weshalb die Genossen das Angebot auf 40 günstige Bauplätze für Einheimische rundheraus ablehnen. „Das mag jetzt absurd klingen“, schnaufte Keller und wusste wohl schon, dass es auch wirklich absurd klang. 

Aus dem nahen Iffeldorf, wo man Einheimischenmodelle in einem Bruchteil der in Penzberg dafür benötigten Zeit realisiert, ereilte den Stadtrat ein Konzept des Planungsbüros von Thomas Link. Im Auftrag von zwei Grundeigentümern hatte der die Ausweisung eines knapp 50.000 Quadratmeter großen Areals zwischen den Ortsteilen Reindl und Untermaxkron beantragt. Damit wollten die Eigentümer es ihren Kindern und Enkeln ermöglichen, den Traum von Eigenheim auf eigenem Grund und Boden zu verwirklichen. Im Gegensatz für die erhoffte Zustimmung des Stadtrates wäre man bereit gewesen, 40 Prozent des gesamten Areals der Stadt für sozial geförderten Wohnraum als Einheimischenmodell zu überlassen. 

Stadtbaumeister Justus Klement mag bei dieser Offerte seinen Augen nicht getraut haben, er empfahl dem Stadtrat jedenfalls dringlich die Zustimmung und die dafür erforderliche Aufstellung eines Bebauungsplanes. Doch der Stadtrat in Gestalt der Fraktionen von SPD, CSU und Grünen wollte partout nicht. Thomas Keller setzte also an, das Absurde zu erklären, was umgehend in einer Frage mündete: „Wollen wir Wohnraum schaffen für die, die es sich leisten können, oder für Geringverdiener?“ Die SPD jedenfalls glaube, dass dies an anderer Stelle im Stadtgebiet möglich sei, weshalb man erst einmal abwarten wolle, bis die in ihrem Antrag zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum geforderte Aufstellung mit dafür geeigneten Flächen vorliege. Johannes Bauer (Grüne) sah dies ähnlich und erklärte: „Wir können Stadtentwicklung nicht auf Zuruf machen, sondern müssen uns ein Konzept überlegen.“ Zudem verwies Bauer darauf, dass die fraglichen Grundstücke im Flächennutzungsplan als Grüngürtel, den es zu erhalten gelte, ausgewiesen seien. Und wie Keller warnte Bauer auch davor, dass die Ausweisung neuer Bauflächen in dieser Größenordnung die Errichtung eines weiteren Kindergartens unmittelbar nach sich zögen. Ein Einwurf, der allerdings zu der Frage verleitet, ob die Schaffung von günstigem Wohnraum an anderen Stellen völlig kinderlos möglich ist. Hardi Lenk hatte auch was Feines beizutragen: er riet unbedingt dazu, sich Gedanken zu machen, „wie groß Penzberg noch werden soll“. Es sollte aber nicht angenommen werden, dass man sich bei Roche von Sätzen wie diesen beeindrucken lässt, wenn es eines Tages wieder darum gehen sollte, die nächste Hundertschaft an neuen Jobs im Nonnenwald zu schaffen. 

Zu diesem Zeitpunkt war schon klar, dass dieses Projekt, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, zum Scheitern verurteilt war. Jack Eberl (FLP) ließ es sich aber nicht nehmen, darauf hinzuweisen, dass doch die SPD in ihrem Antrag explizit fordere, auch private Bauwerber bei der Umsetzung von Wohnbauvorhaben zu unterstützen. Da war man dann plötzlich mitten in Absurdistan. Und Armin Jabs, der neue Fraktionsvorsitzende der BfP, warnte: „Wir werden aufgrund des Siedlungsdrucks nicht umhin kommen, an Flächen ranzugehen, an die wir bis heute nicht denken.“ Sein Fraktionskollege Wolfgang Sacher wies zudem darauf hin, dass der Stadtrat im Falle einer Zustimmung der „Herr des Verfahrens“ sei und deshalb es in der Hand habe, aus den 40 Bauplätzen sehr viel mehr Wohnungen zu machen, wenn auf diesen Flächen etwa Wohnblocks entstünden. 

Das half aber alles nichts, der Antrag wurde abgelehnt, jetzt hofft man, dass vom Bauamt bei der Bearbeitung des SPD-Antrags interessante Flächen für eine Wohnbebauung aufgezeigt werden. Sollte sich die Fläche zwischen Reindl und Untermaxkron darunter befinden, darf man sich schon auf interessante Reaktionen von SPD, CSU und Grünen freuen. la

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