Zweiter Schritt vor dem ersten

Stadtrat setzt auf Wohnbebauung, Bocksberger vermisst aber eine „richtige Strategie“

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Wie groß soll Penzberg werden und wie schnell wächst die Stadt? Diese Fragen stellte Stadtrat Markus Bocksberger vor dem Hintergrund der Neubaugebiete Daserweg und Birkenstraße. Er vermisst eine städtebauliche Strategie.

Penzberg – Viel soll in Penzberg passieren, um der Wohnungsnot Einhalt zu gebieten. Daher liegen immer wieder Bebauungspläne im Stadtrat auf dem Tisch. Dass dabei jedoch eines fehlt, nämlich eine „richtige Strategie“, bemängelte Stadtrat Markus Bocksberger (parteifrei) in der jüngsten Sitzung.

Die Stadt versucht mit einigen großen Projekten der Wohnungsnot zu begegnen. So brachte der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung sowohl den Bebauungsplan für die Birkenstraße als auch den für das Bauvorhaben am Daserweg eine Runde weiter im Verfahren. Gleichwohl brach Markus Bocksberger eine Grundsatzdiskussion vom Zaun, da er ein städtebauliches Gesamtkonzept vermisst.Der Stadtrat reagiere lediglich, steuere aber nicht, lautete Bocksbergers Vorwurf. „Wir brauchen für unsere Stadt eine langfristig angelegte Strategie, die nicht nur den Bedarf von heute, sondern vielmehr auch den Bedarf der Zukunft im Auge hat“, forderte er.

Im Augenblick unternimmt die Stadt tatsächlich eine ganze Menge auf diesem Gebiet. So entstehen an der Birkenstraße zwischen 108 und 144 Wohneinheiten, und am Daserweg errichtet die Stadt neben 22 Wohnungen eines privaten Bauträgers weitere 35 bis 40 Einheiten. Bocksberger erinnerte auch an das Edeka-Areal, wo inzwischen offen über die Schaffung von Wohnraum nachgedacht wird, an die angedachte Bebauung des Schlachthof-Geländes und die Mehrfamilienhäuser, die am Schwadergraben entstehen sollen. Angesichts dieser Fülle neuer Wohneinheiten drängten sich ihm jedoch einige Fragen auf. „Wie viele Einwohner wird Penzberg denn in zehn Jahren haben? Und ab welchem Bevölkerungszuwachs kommen wir an die Kapazitätsgrenzen der jetzigen Infrastruktur bei Kindergärten, Schulen, Senioreneinrichtungen und der Kläranlage?“, wollte Bocksberger wissen. Schließlich wüchsen auch Iffeldorf und Bad Heilbrunn sehr schnell. Bocksberger befürchtet deshalb: „Wir machen den zweiten Schritt vor dem ersten.“ 

Heute seien 20 Prozent der Penzberger Bevölkerung älter als 65 Jahre, 2030 aber bereits über 60 Prozent der Einwohner älter als 55 Jahre. Deshalb müsse sich der Stadtrat mit der Frage beschäftigen, wie alt Penzberg im Jahr 2030 sein soll. Es brauche jedenfalls dringend „richtige Strategien“, um bei Kindergärten, Krankenhäusern und Senioreneinrichtungen die erforderlichen Kapazitäten zur Verfügung zu stellen. Diese Strategien müssten langfristig ausgelegt sein und nicht nur den Bedarf von heute, sondern vielmehr auch den Bedarf der Zukunft berücksichtigen. 

Der Stadtrat wie auch die Stadtverwaltung müssten jedenfalls Antworten auf Fragen wie „Wann soll Penzberg wie groß werden?“, „Wo soll es wachsen?“, „Mit welcher Art von Wohnraum soll es wachsen?“ oder „Welche Bedürfnisse gibt es auch morgen?“ finden. Es könne jedenfalls nicht sein, so Bocksberger, dass der Stadtrat im Jahr 2030 über Containerlösungen für Pflegeplätze diskutieren müsse, „nur weil wir hier uns heute diese Fragen nicht gestellt haben oder dazu keine Antworten gefunden haben“. 

Auch Kerstin Engel (Grüne) sieht das so: „Wir haben kein echtes Stadt­entwicklungskonzept. Wir reagieren nur, agieren aber nie“, ärgerte sie sich. So rutsche man mit neuen Bauprojekten immer mehr in Außenbereiche oder zerstöre zumindest Grünzüge. Anders argumentierte Adrian Leinweber (SPD), der in der Schaffung von Wohnraum die eigentliche Problemlösung erkennt. „Das einzubremsen, wäre das falsche Signal.“ Jeder fordere günstigen Wohnraum, „da können wir jetzt nicht Stopp machen“. 

Ähnlich sah das wohl auch die Mehrheit des Stadtrats, denn der billigte die beiden Bebauungspläne für die Birkenstraße und den Daserweg, nachdem darin die Stellungnahmen der Fachbehörden berücksichtigt worden waren. Großer Diskussionsbedarf bestand dabei nicht, wohl auch deshalb, weil Stadtbaumeister Justus Klement zum Daserweg noch Modifikationen in der Höhenentwicklung der Gebäude ankündigte. Auch sei nach einiger Kritik von Anliegern klar, dass der vorliegende Plan noch nicht optimal sei. Klement kündigte deshalb ein Treffen mit den Anliegern an, um die Höhen der künftigen Gebäude im Einvernehmen festzulegen. arr

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