Der Mann aus der Stille

Politik mit Pokerface: Armin Jabs setzt nicht auf Emotionen, sondern auf Kompetenz

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Armin Jabs ist kein Mann des großen Gefühlsausdrucks. Der wohl ruhigste Mann der BfP will nicht mit Sentiment, sondern mit Sachverstand Stimmen gewinnen.

Penzberg – Da sitzt er nun, dieser stille Mann, dessen Gesichtsmuskeln wenig Bewegungsdrang zu haben scheinen. Er verzieht kaum eine Miene. Was er denkt, was er fühlt, ist nur vage zu erahnen. „Ich war noch nie emotional“, sagt Armin Jabs, der Bürgermeisterkandidat der Bürger für Penzberg (BfP).

Das ist Jabs auf der Bühne, in der Öffentlichkeit, vor Publikum. Doch wenn der 53-Jährige unter vier Augen spricht, wirkt er nicht mehr so unnahbar und undurchschaubar, wenngleich sein Gesichtsausdruck kaum an Starre verliert. 

Da ist es plötzlich, dieses Lächeln, das so unverhofft ist. Armin Jabs sitzt im BfP-Bürgerbüro und grinst, ganz kurz. Seine Lippen machen ein kaum merkliches, aber dennoch hörbares, schnalzendes Geräusch, wenn sie sich zu einem Lächeln formen, nämlich dann, wenn Jabs seinem Gegenüber lauscht und auf eine Frage wartet. Sobald es aber mehrere Gegenüber werden, eine breite Masse, ist dieses Lächeln rar. „Das ist mein Naturell“, sagt Jabs. Ein emotionaler Typ sei er noch nie gewesen, es sei denn, er steht am Rand eines Fußballfeldes und sein Sohn steht auf dem Rasen. „Vom Platz gestellt wurde ich aber noch nie“, meint Jabs. 

Kupferfarbe statt Orange

Emotionalität, die ihre Grenzen kennt und schnell an ihre Grenzen stößt, etwa wenn Jabs beim Neujahrsempfang seiner BfP spricht. Während um ihn herum die orangenfarbenen BfP-Schals an den Hälsen baumeln, steht Jabs in einem dunklen Anzug am Rednerpult, um den Hals eine Krawatte in Kupferfarbe. Jabs wird nicht laut, wenn er vor einer Menge spricht, etwas monoton, aber zügig. Ein „Äh“ kommt ihm nicht in die Quere, wenn er seine Zielen darlegt, weniger Autos in der Stadt, ein attraktiverer ÖPNV, mehr Wohnraum durch Verdichtung, mehr Angebote für die Jugend und Schutz der Natur im Außenbereich. Hier und da mal ein kritischer Blick, der sich aber schnell wieder löst und das „Pokerface“, wie Jabs seinen ungewollt reglosen Ausdruck bezeichnet, kehrt zurück. Mehr Bewegung als im Gesicht ist da in seinen Beinen, als Jabs sich vom Pult löst und immer wieder kleine Schritte nach vorne und nach hinten macht, völlig unbewusst und die akkurate Bügelfalte in den Hosenbeinen kaum zerknitternd.

„Darum hat das, was ich sage, Hand und Fuß“

Unter vier Augen taut Jabs dann ein wenig auf. Sein Gesicht spiegelt aber trotzdem keineswegs sein Innenleben wieder, „wie es in mir aussieht, weiß keiner“, sagt Jabs. Selbst wenn er aufgewühlt ist, der Versicherungsfach- und Betriebswirt, der als Referatsleiter in der Hauptverwaltung eines Münchner Versicherungsunternehmens arbeitet, behält die in Hemd und Jackett verpackte Ordnung seines Körpers auch in der Mimik bei. „Ich bin die Ruhe in Person“, sagt er, und das brauche es ja auch im Bürgermeisteramt, jemanden „der den Überblick behält“. Und dass Jabs eine Vorliebe für den Überblick hat, lässt sich kaum bestreiten. Im Bürgerbüro der BfP, derzeit sein „Wahlkampfbüro“, so Jabs, liegt ein Ordner, so prall gefüllt mit Klarsichtfolien, dass der Deckel den Klemmbügel kaum noch berührt. In den Folien bewahrt Jabs Zeitungsartikel zu allen wichtigen Themen auf, und die reichen zum Teil über zwei Jahrzehnte zurück. Er beschäftigt sich mit allem, was die Stadt bewegt, schon bedeutend länger, als er im Stadtrat sitzt. „Darum hat das, was ich sage, Hand und Fuß“, sagt er selbstbewusst. 

Viel Transparenz und kein Herrschaftswissen

Hand und Fuß musste auch seine Zukunft haben, ehe er den Entschluss fasste, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren. „Ich habe einen guten Job“, sagt Jabs, der erst einmal klären wollte, ob er nach sechs Jahren als Bürgermeister überhaupt in sein altes Arbeitsverhältnis zurückkehren kann. „Ich würde sechs Jahre freigestellt werden“, betont er. Die Entscheidung, zur Wahl anzutreten, habe er daher „spät“ gefasst, und lässt seine Lippen leise zu einem kurzen Lächeln schnalzen. Selbst, wenn ihm etwas mal gegen den Strich geht, bleibt Jabs gelassen. Ruhe, die vielleicht für manche wie Schüchternheit oder Gleichgültigkeit wirkt. „Mein Gesichtsausdruck ist konzentriert, und dann ist er halt eingefroren“, so der Bürgermeisterkandidat. Konzentriert und damit eingefroren schaut Jabs auch, wenn er von den Zielen spricht, die er als Rathauschef anstreben würde. Sein erstes Bestreben wäre dabei, für mehr Transparenz zu sorgen. Er wolle aus den Stadtratssitzungen „so viel wie möglich öffentlich machen“. Und da ist für ihn eine Live-Übertragung der Sitzungen im Internet, wie sie die BfP schon seit längerem immer wieder erfolglos anstreben, noch nicht vom Tisch. Und: „Herrschaftswissen“ dürfe es im künftigen Gremium nicht mehr geben, „alle Stadträte müssen die gleichen Informationen erhalten“. Und auch auf eine harmonische Mitarbeiterführung legt Jabs großen Wert, schließlich gehe es darum, „vertrauensvoll zusammenzuarbeiten“. Wenn der 53-Jährige Kritik an Bürgermeisterin Elke Zehetner übt, dann keineswegs provokant, wie es der ein oder andere Schalträger zu tun pflegt. Jabs wirkt wie ein gezähmter BfPler, wenn er sagt, dass man mit seinen Mitarbeitern offen und entgegenkommend reden müsse, „nicht öffentlich, was man in der Personalführung in der ersten Stunde lernt“, so der Mann, der seit 25 Jahren in der Mitarbeiterführung tätig ist. 

Finger in Wunden

Bei Weitem noch nicht so lange in den Social-Media-Kanälen aktiv, dafür aber umso intensiver, sind die BfP, seitdem Jabs im Vorstand sitzt. „Wir waren nicht im Fokus“, sagt er. Das sollte sich ändern, die BfP sollten in das Bewusstsein der Penzberger gelangen, und „was gibt es da Besseres als Social Media?“, fragt Jabs. Nach der zweiten Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten habe er gute Reaktionen erhalten, und auch „auf Facebook ist nichts aufgeschlagen“, stellt er fest. Facebook, eine Plattform, auf welcher die BfP stringent Präsenz zeigen, schnell auf Kommentare reagieren, die sie selbst oder Penzberg betreffen, und auf welcher die BfP weder Diskussion noch Disput scheuen. Jabs kennt aber die Kritiker der BfP ebenso gut. „Wir legen die Finger in die Wunde“, sagt er über sich und seine Fraktionskollegen. Auf Konfrontation sei er dabei aber nicht aus: „Ich bin eher der Mann des Ausgleichs, ich bin für eine sachliche Darlegung.“ Doch bei aller Sachlichkeit, Empathie fehle ihm keineswegs, auch wenn er diese nach außen nicht ausstrahle. Im Rathaus sei es da „vielleicht genau umgekehrt“, meint Jabs leise mit Blick auf die Bürgermeisterin. 

„Wir sind nicht die Verhinderer und Neinsager“

Alles andere als leise ist dagegen seine Fraktion, die ihre Forderungen nicht in Floskeln kleiden, sondern sehr direkt äußern, die draufhauen und keine Konfrontation scheuen, diese jedoch keineswegs gezielt suchen, denn „wir sind nicht die Verhinderer und Neinsager“, stellt Jabs klar. „Wir sind pragmatisch, wir geben Beispiele“, sagt der 53-Jährige. Und diese Forderungen tragen sie auch deutlich nach außen, „wir sind maximal transparent“, meint Jabs mit Blick auf seine Fraktion. Forderungen wie etwa jene, den Verkehr aus der Stadt zu bringen, zum Beispiel mit einer Wochenendfußgängerzone, einer Temporeduzierung und guten Alternativen zum Auto. Oder jene, um die Attraktivität Penzbergs als Wohn- und Lebensort zu steigern durch die Belebung der Innenstadt, für welche man „mehr Magnete“ benötige. Oder die nach einer Fachoberschule für Penzberg. Doch ob und welche Maßnahmen letztlich realisiert werden, ist in den Augen von Jabs ein „ziviler Akt“, man müsse „mit den Bürger an einem Strang ziehen“, sagt er und meint: „Ich lebe in einer Demokratie, da kann ich nicht meinen Willen durchsetzen.“ Ob er sich am 15. März durchsetzen kann, wird sich zeigen. Dass Elke Zehtener als amtierende Bürgermeisterin gute Chancen hat, dessen scheint sich Jabs recht sicher zu sein, auch wenn „sie nicht im ersten Wahldurchgang durchkommen wird“. Vielleicht muss sich die Rathaus­chefin dann ja mit Armin Jabs messen, dem Mann mit dem wohl blassesten Orange um den Hals bei den Bürgern für Penzberg. ra

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