Ein Löffelchen Baldrian

Elke Zehetner hat Gefallen am Amt gefunden und möchte gerne Bürgermeisterin bleiben

+
„Wer frei von Fehlern ist, der werfe den ersten Stein“: Elke Zehetner ist mit sich im Reinen und bereit für eine zweite Amtszeit.

Penzberg – Vor sechs Jahren, da war alles anders. Da kannte sie keiner, sie war die große Unbekannte, die Hans Mummert als politisches Vermächtnis aus dem Hut zauberte, um sie als seine Nachfolgerin an der Spitze des Penzberger Rathauses zu etablieren.

Der sperrige, introvertierte, nicht bei allen beliebte Richard Kreuzer, so dachte man damals bei der SPD, könnte als Bürgermeisterkandidat die seit dem Zweiten Weltkrieg andauernde sozialdemokratische Dauerthronfolge womöglich gefährden. Die Mehrheit der Genossen sah das auch so und entschied sich bei der internen Nominierung für Elke Zehetner, eine Frau aus dem Kreisverwaltungsreferat in München, deren größte Leistung für Penzberg bis dahin darin bestand, ihren Erstwohnsitz von Geretsried nach Steigenberg verlegt zu haben. Eine Frau, die nicht der SPD angehörte, die betonte, dass sie Verwaltung könne, und die von sich behauptete, dass sie gerne personen- und anlassunabhängig rede. Der Rest ist Geschichte: Die Unbekannte mit den rumänischen Wurzeln deklassierte gleich im ersten Wahlgang den zur CSU geflüchteten Kreuzer und mit ihm auch noch Wolfgang Sacher von den BfP. 

Angriffe „auf der persönlichen Schiene“

Elke Zehetner sitzt in Steigenberg am Esstisch. Sie hat Apfelkuchen mitgebracht, ihre Tochter serviert Cappuccino. Es sind gerade aufreibende Zeiten für die Bürgermeisterin, kaum ein Tag vergeht, an dem sie in der Zeitung nicht attackiert wird. Engel, Sacher, Bocksberger, ein klein wenig auch Korpan. Sie alle melden sich zu Wort, mal mit lausbübischem Grinsen, mal mit frontaler Attacke. Es geht um Diensthandys und vermeintlich nicht genehmigte Nebentätigkeiten, es geht um Best- und Mittelleister – und immer geht es um sie. Zehetner lächelt das dauerfröhliche Zehetnerlächeln, doch wenn sie sich dem Apfelkuchen widmet und für einen Moment innehält, dann merkt man, wie es in ihr gärt. Die Angriffe auf ihre Person findet sie ungerecht und man kann es förmlich spüren, wie verletzt sie sich dadurch fühlt. „Nachdem man mir inhaltlich nichts anhaben kann, versucht man es eben auf der persönlichen Schiene. Das ist im Wahlkampf leider so“, schnauft sie durch. 

Inhaltliche Kritik bleibt aus

An dieser Stelle muss man freilich etwas präzisieren und kurz zurückblicken, in die unmittelbare und die etwas weiter entferntere Vergangenheit. Es ist nicht so, dass man Zehetner nicht auch inhaltlich kritisieren könnte, nur tut das keiner. Keiner hält ihr die vor drei Jahren von ihr geplante Erhöhung der Kindergartengebühren vor, die nach massiven Elternprotesten zurückgenommen wurde. Keiner erinnert an die von ihr geplante Einführung einer Sondernutzungsgebühr für den öffentlichen Raum, die jeder Einzelhändler für einen Kleiderständer auf der Straße hätte bezahlen sollen und die nach massiven Protesten der Geschäftsleute wieder abgeblasen wurde. Und massiver Protest, diesmal wieder von Eltern, verhinderte auch den Bau einer Kinderkrippe auf dem Pausenhof der Grundschule an der Birkenstraße. Das wären Themen, da könnte man Elke Zehetner packen. Genauso wie der fingierte Leserbrief auf dem Höhepunkt der Hoteldiskussion, für den sie innerhalb der SPD einen Absender suchte, was aber alleine schon deshalb nicht geklappt hat, weil sie ihr Ansinnen im Eifer des Gefechts auch an die Presse gesandt hatte. Es gäbe also genügend Reibungsflächen und Inhalte, bei denen die Bürgermeisterin keine gute Figur abgegeben hat. Die aber spielen in diesem Wahlkampf keine Rolle. 

Zehetner und das Heft des Handelns

Elke Zehetner weiß natürlich, dass während ihrer ersten Amtszeit nicht alles so gelaufen ist, wie sich das für eine ungetrübte Bilanz gehören würde. „Aber wer frei von Fehlern ist, der werfe den ersten Stein“, zitiert sie, leicht abgewandelt, den Evangelisten Johannes. An dieser Stelle muss man aber auch feststellen, dass Elke Zehetner eine Bürgermeisterin ist, die durchaus über den richtigen Instinkt verfügen kann. Zusammen mit Kämmerer Johann Blank hat sie einen Modus gefunden, um die millionenschwere Gewerbesteuerrückzahlung an Roche für den Haushalt der Stadt erträglich zu gestalten. Und als im vergangenen Jahr ruchbar wurde, dass das HAP-Werk an der Seeshaupter Straße geschlossen wird, hat Zehetner das Heft des Handelns in die Hand genommen und sogleich auf der Homepage der Stadt eine Jobbörse installieren lassen. Als vor ein paar Wochen nun bei HAP in den Werkshallen eine richtige Jobmesse über die Bühne ging, schritt sie sehr demütig durch die Hallen, beinahe wie eine Mutter, die sehr stolz darauf ist, was die Kinder aus ihrer Idee gemacht haben. 

„Das Parteibuch tut mir also nicht weh“

„Wir sind zusammengewachsen“, sagt Elke Zehetner zwischen zwei Bissen Apfelkuchen. Sie meint damit sich und das Amt als Bürgermeisterin. Und sie schiebt sogleich hinterher: „Ich möchte mich von diesem Amt nicht trennen.“ Kann man verstehen, ginge einem selbst wohl auch nicht anders, denkt man in diesem Moment. Und erinnert sich daran, dass Zehetners erneute Nominierung als Bürgermeisterkandidatin unter keinem guten Stern stand. Vor sechs Jahren hatte sie versprochen, im Falle ihrer Wahl der SPD beizutreten, ein Versprechen, das sie erst eingelöst hat, als sich herausgestellt hatte, dass ihr Sieg bei der ersten Nominierungsrunde gegen Andreas Vetter nicht satzungskonform war, weil die schlafmützige Penzberger SPD es versäumt hatte, ihr Regelwerk dergestalt anzugleichen, dass auch Parteifreie ihren Hut in den Ring werfen dürfen. Um die Partei keiner Zerreißprobe auszusetzen, unterschrieb sie letztlich den Mitgliedsantrag. Heute darauf angesprochen, meint Zehetner, dass dies alles ja gar kein Problem gewesen sei, weil sie sich auch vorher schon mit den Werten der SPD identifiziert habe. „Das Parteibuch tut mir also nicht weh.“

Grußworte und Fertigkeiten

Es ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo sie sich ein wenig aus der Deckung wagt und angesichts der Kritik an ihrer Person auch etwas selbstbewusster wird. Es sei doch nicht schlecht, sagt sie mit Blick auf ihre langjährige Verwaltungstätigkeit, „dass ich mich auskenne“. Ein Bürgermeister müsse zwar auch vernünftige Grußworte halten können, aber es bedürfe schon einer gewissen Fertigkeit, „in die Tiefen von Roche zu tauchen“ oder die bestmöglichen Fördermittel zu akquirieren. „Ein Dachdecker ist am besten auf dem Dach aufgehoben. Und von einem Polizisten habe ich auch andere Vorstellungen“, sagt sie mit Blick auf zwei unmittelbare Gegenkandidaten: den Dachdecker Michael Kühberger von der FLP und den Polizisten Stefan Korpan von der CSU. Das ist sicher nicht ganz verkehrt, andererseits lässt es unberücksichtigt, dass ein Bürgermeister nicht nur ein Bürohengst ist, sondern auch ein Politiker, der für die Tiefen des Tagesgeschäfts auf die Experten in der Verwaltung zurückgreifen kann. 

Ein Löffel Baldrian

Irgendwie scheint Elke Zehetner mit der Formulierung auch nicht ganz glücklich zu sein. Jedenfalls schiebt sie mit Blick auf ihre eigene Vita eilig hinterher, dass es doch nicht schaden könne, wenn man sich als Bürgermeister auch im öffentlichen Recht auskenne. Doch dann sinniert sie, denkt vielleicht an die Zeit vor sechs Jahren zurück, als das Bekenntnis von ihrer Vorliebe für personen- und anlass­unabhängiges Sprechen für den Wahlsieg gereicht hat. Wer als Bürgermeister spricht, der begibt sich aber kraft Amtes immer in ein personen- und anlassabhängiges Verhältnis beim Sprechen. Auch das musste Elke Zehetner in diesem Wahlkampf erfahren. Ausgerechnet CSU-Herausforderer Korpan hat es geschafft, sie aus der Reserve zu locken und sie bei der Frage nach ihrem Führungsstil zu der Aussage zu bewegen, dass man in einer Stadtverwaltung nicht immer davon ausgehen könne, dass dort Bestleister tätig seien, sondern auch ganz einfache „Leister“, die sich in der freien Wirtschaft schwer täten, überhaupt einen Job zu finden. Dass das in der öffentlichen Wahrnehmung nicht überall gut ankam, weiß sie jetzt auch. Mit entwaffnender Offenheit räumt sie ein: „Wenn ich in Rage bin, dann rede ich mich manchmal um Kopf und Kragen.“ Sie stoppt, stochert im Apfelkuchen herum und setzt zur Gegenfrage an: „Aber ist das nicht ehrlich?“ Sollte sie am 15. März wiedergewählt werden, verspricht Zehetner für ihre zweite Amtszeit: „Da werde ich dann jeden Tag einen Löffel Baldrian nehmen.“ 

„Ich bin eine starke Frau“

Jetzt, kurz vor der Wahl, scheint sie ihre Mitte wiedergefunden zu haben: „Das, was in den letzten Wochen über mich hereingebrochen ist, tut aber keinen Abbruch, dass ich auch weiterhin Bürgermeisterin dieser Stadt sein möchte.“ Und noch ein Satz ist ihr sehr wichtig: „Ich bin eine starke Frau.“ Was sie damit sagen möchte: Ich bin so wie ich bin. Nehmt mich einfach, denn ich will nur das Beste für diese Stadt! la

Auch interessant

Meistgelesen

Gesichtsmasken: Trachtenstube näht doch wieder
Gesichtsmasken: Trachtenstube näht doch wieder
Lautstarke Rekultivierungsarbeiten in der Antdorfer Kiesgrube belasten Anwohnerin aus Iffeldorf
Lautstarke Rekultivierungsarbeiten in der Antdorfer Kiesgrube belasten Anwohnerin aus Iffeldorf
Sanierung der Asamstraße wird vorangetrieben
Sanierung der Asamstraße wird vorangetrieben
Stefan Korpan stellt Agenda für die ersten 100 Tage im Amt vor
Stefan Korpan stellt Agenda für die ersten 100 Tage im Amt vor

Kommentare