Welpe mit fixierendem Blick

Stefan Korpan ist der Hoffnungsträger der CSU, weil er mehr als Blutgrätsche kann

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„Prince Charming“: Stefan Korpan hat sich bei seinen öffentlichen Auftritten bisher achtbar aus der Affäre gezogen.

Penzberg – Der Ball ist rund. Vor dem Spiel ist nach dem Spiel. Das Runde muss ins Eckige. Stefan Korpan kennt sie alle, die Weisheiten, die den Fußball seit Generationen bestimmen.

Sogar den Klassiker (Franz Beckenbauer würde sagen: It‘s a classical) von Andreas Brehme hat er drauf, der einst eine Niederlagenserie seines 1. FC Kaiserslautern mit den Worten kommentierte, dass man jetzt nicht alles hochsterilisieren dürfe. Kurzum: Wenn es um die Ausgestaltung von 90 Minuten geht, ist Korpan bestens vorbereitet: mit falschen Sechsern, hängenden Neunern und was der moderne Fußballsprech sonst noch so alles hergibt. Korpan ist Trainer des ESV Penzberg, eines traditionsbehafteten Vereins, der es jedoch nie aus den kickenden Niederungen geschafft hat. Jetzt ist Korpan auch noch Hoffnungsträger und Bürgermeisterkandidat der CSU und plötzlich eine Person, für die sich die ganze Stadt interessiert, nicht bloß eine Handvoll Unentwegter an der Fischhaberstraße. 

Ein Welpe, der auch beißen kann

Hammelklasse beim Fußball oder Champions Lea­gue in der Kommunalpolitik, was ist besser, wurde Korpan beim politischen Aschermittwoch der CSU gefragt und wollte sich nicht festlegen. „Beides macht Spaß, eine Wertung fällt mir schwer“, sagte er und schaute treuherzig in die Kamera. Im Fechtsport würde man von einer Parade reposte sprechen, Korpan sollte zu einer unbedachten Äußerung verführt werden, er konterte aber mit so viel Diplomatie, als solle er für das Auswärtige Amt demnächst in Syrien verhandeln. Das überrascht insofern, als Korpan, 36 Jahre alt und Vater von drei Kindern, bisher politisch in Penzberg nicht in Erscheinung getreten ist. Erst vor zwei Jahren ist er überhaupt der CSU beigetreten, dort hat man aber offenbar rasch gemerkt, dass der Polizist, der mal Zimmer gelernt und Architektur studiert hat, offenbar nicht nur was von der Viererkette, sondern auch was von der Politik zu verstehen scheint. Irgendwann kam dann das mit der Kandidatur, die Frage, ob er sich nicht vorstellen könne, für die CSU die große Sensation zu schaffen: der erste schwarze Bürgermeister im roten Penzberg zu werden. Korpan sagte nicht Nein, was in der Politik als leidenschaftliche Zustimmung zu werten ist. Und Korpan setzte sich auch innerhalb der Partei durch, gegen Michael Schmatz, der auch gerne Bürgermeisterkandidat geworden wäre, in der internen Abstimmung gegen Korpan aber keine Chance hatte. Ein Neuling, dem Bürgermeisterin Elke Zehetner aufgrund seiner kommunalpolitischen Unerfahrenheit bereitwillig „Welpenschutz“ einräumt, den dieser aber selbstbewusst ablehnt. „Ich kann auch beißen“, sagt Korpan, plötzlich gar nicht im Stile eines putzigen Hundebabys. Wer ihn dabei anschaut, blickt in Augen, aus denen nicht mehr der Schalk hervorzutreten schein, sondern die einen ohne Unterlass fixieren, so als stünde er, der Polizist, im Verhör unmittelbar vor dem Geständnis des Serienkillers. 

Ein charmantes Raubtier

Korpan kann lieb sein, er ist charmant, hat Witz und Humor, aber wie ein Raubtier in der Serengeti setzt er zum Sprung an, wenn er eine Schwäche seiner Beute zu erkennen glaubt. Bürgermeisterin Elke Zehetner kann ein Lied davon singen. Dennoch hat sie ihn in ihr Herz geschlossen, gewährt ihm den Welpenschutz und meint, wenn Korpan Dinge sage, die nicht Hand und Fuß hätten, dann sähe sie ihm das nach, weil er ja nicht, wie die anderen Bürgermeisterkandidaten, dem Stadtrat angehöre und deshalb auch nicht alles wissen könne. 

Politik mit Visionen

Ungeachtet dessen oder vielleicht gerade deswegen sorgten die beiden Podiumsdiskussionen der Bürgermeisterkandidaten für jede Menge Aufregung, weil nämlich Zehetner vor allem über die Leute vom Bauhof („keine Best- und Mittelleister“) Dinge gesagt hat, die man besser nicht gesagt hätte. Daneben, so das einhellige Befinden der Beobachter, agierte Korpan als „Prince Charming“, der im ersten Durchgang mit Kerstin Engel von den Grünen flirtete, um in der zweiten Auflage mit treuherzigem Augenaufschlag die Kritik am CSU-Vorstoß, die Gleise am Bahnhof in den Untergrund zu verlegen, mit den Worten kommentierte: „Wenn man in der Politik keine Visionen mehr formulieren darf, sondern nur noch das sagen soll, was die Leute gerne hören, dann entspricht das nicht meinem Politikverständnis.“ Und dass sich über diese Vision und die Pläne der CSU, das alte Indus­triegleis als Trasse für eine innerstädtische Umgehungsstraße bereits der präventive Widerstand von möglicherweise betroffenen Anwohner geformt hat, empfindet Korpan nicht als Kritik, sondern als Bestätigung dessen, was er sich unter der Amtsführung eines Bürgermeisters vorstellt: „Ist doch klar, dass ich erst mit den Anwohnern rede und versuche, sie von meiner Idee zu überzeugen.“ Und er sagt: „Wir können unsere Stadt nur mit den Menschen, aber nicht gegen sie weiterentwickeln.“ Unter dem bereitwilligen Verzicht auf Welpenschutz murmelt er dann auch noch etwas davon, dass er ein solches Vorgehen von der Spitze im Rathaus bisher vermisse. 

Geschicktes Stellungsspiel und Blutgrätschen

Das alleine hätte Korpan aber nicht die Anerkennung auch jener eingetragen, die sich geschworen haben, im Leben nie einen von der CSU zu wählen. Korpan, der früher mal einen leidlichen Innenverteidiger gegeben und bisweilen auch die Blut­grätsche ausgepackt hat, bewies an den beiden Abenden in der Stadthalle, dass er seinen Gegner auch mit geschicktem Stellungsspiel auszuschalten vermag. Er war jedenfalls der einzige, der Bürgermeisterin Zehetner direkt ansprach und sie zu fataler Plapperei verführte. Hätte Korpan nicht nachgebohrt, hätte Zehetner die Bauhofleute nicht als schwer vermittelbar gebrandmarkt. 

Der Hoffnungsträger

Der politische Aschermittwoch der CSU hat erneut gezeigt, dass Korpan auf vieles eine halbwegs gescheite Antwort weiß. Nicht umsonst gilt er als einer der großen Hoffnungsträger all jener, die Elke Zehetner keine zweite Amtszeit gönnen. Wer ihn etwa beim Umweltschutz auf sein Wahlprogramm anspricht und zu bedenken gibt, dass die CSU-Fraktion im Stadtrat doch erst kürzlich genau das Gegenteil beschlossen habe, der hat keinen zerknirschten, ertappten Korpan vor sich, sondern einen, der selbstbewusst erklärt, dass die Vergangenheit das eine, die Zukunft mit ihm im Stadtrat aber das andere, das Entscheidende sei. Er wirkt dabei wie jemand, der davon überzeugt ist, dass es ihm als Spitzenkandidat seiner Partei auch zusteht, die Marschrichtung vorzugeben. 

„3. Bürgermeister günstig abzugeben“

Das letzte Wort in Penzbergs CSU ist seit Urzeiten aber eigentlich ein Privileg von Ludwig Schmuck. Der dritte Bürgermeister ist berühmt für seine individuelle Betrachtungsweise, mittlerweile ist er aber berüchtigt dafür, Korpans großer Gegenspieler zu sein. Feind, Erzfeind, Parteifreund: Nie schien dies mehr Berechtigung zu haben als in diesem Fall. Schmuck, der von Elke Zehetner in den diplomatischen Stand eines Gratulationsministers gehoben wurde, fürchtet ganz offenbar um seine Pfründe. Und das aus gutem Grund: Selbst wenn Korpan Bürgermeister werden sollte, gilt eine absolute Mehrheit für die CSU als ausgeschlossen, er müsste sich also Verbündete suchen und diese mit Aussicht auf den Posten des 2. und 3. Bürgermeisters locken. Schmucks Nominierung für die Gratulationsliga würde also auslaufen. Doch Korpan lässt sich davon nicht aus dem Konzept bringen und überzieht Schmuck erstmal mit süßem Lob: „Er hat viel für Penzberg geleistet und ein brutales Wissen, ein Wissen das man nutzen kann, wenn er uns denn lässt.“ Dabei ist Korpan aber nicht entgangen, dass Schmuck im Zweifel die Bürgermeisterin wichtiger ist als die CSU. Und er merkt deshalb an, dass es bereits Überlegungen gebe, Schmuck unter dem Prädikat „3. Bürgermeister günstig abzugeben“ anzupreisen. 

In diesem Moment schaut einen Korpan wieder so an, als könne er kein Wässerchen trüben. Der Welpe lächelt, als wolle er sagen, das war doch alles bloß Spaß. Doch dann blitzt es in seinen Augen und man weiß: Dieser kleine Mann sollte nicht unterschätzt werden. la

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