Orgelpfeifen und Bienensummen

Penzbergs Pfarrer über Gottesdienste und Andachten in der Corona-Zeit

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In der Christkönig-Kirche sorgen dünne gelbe Schnüre dafür, dass ausreichend Abstand bei den Gottesdiensten gehalten wird. In der Martin-Luther-Kirche finden dagegen noch keine Gottesdienste statt, dafür aber Abendgebete. Neu sind Kurzandachten am Sonntag, die, wie die Pfingstandachten, nach draußen verlegt werden.
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In der Christkönig-Kirche sorgen dünne gelbe Schnüre dafür, dass ausreichend Abstand bei den Gottesdiensten gehalten wird. In der Martin-Luther-Kirche finden dagegen noch keine Gottesdienste statt, dafür aber Abendgebete. Neu sind Kurzandachten am Sonntag, die, wie die Pfingstandachten, nach draußen verlegt werden.

Penzberg – Es ist schon ein wenig befremdlich, wenn man die Christkönig-Kirche betritt. Auf den Bänken, die für gewöhnlich zu Gebet und innerer Einkehr einladen, kleben in großen Abständen Markierungen, orangenfarbene Papierrechtecke, die unter Folie das durch die Kirchenfenster fallende Sonnenlicht reflektieren. An manchen Bänken sind außerdem gelbe Schnüre so gespannt, dass gar niemand erst auf die Idee kommt, in die Reihe zu rutschen. „Es ist noch gewöhnungsbedürftig“, sagt Pfarrer Bernhard Holz zu den Gottesdiensten, die er unter den Corona-Beschränkungen abhält. Sein evangelische Kollege Julian Lademann feiert dagegen noch immer keine Gottesdienste.

Es ist gerade einmal 8 Uhr, ein Wochentag wie jeder andere. Die Tür der Christkönig-Kirche geht schwerfällig auf, eine Frau im Sommerkleid steuert das Kerzenmeer für ein Licht und ein Gebet an. Sie nimmt die Absperrungen und Markierungen gar nicht erst wahr, vielleicht weil sie als treue Kirchengängerin diese schon kennt, vielleicht aber auch, weil die Neuerungen sehr dezent sind. Das Absperrband ist mehr eine feine Schnur, welche sich an jeder zweiten Bank von Lehne zu Lehne hangelt, die Markierungen, die zeigen, wo nun gesessen, gebetet und gelauscht werden darf, leuchten dezent in Orange, das sich dem Farbton der Bänke annähert. Genügend Plätze gibt es aber nach wie vor. 

Seit einigen Wochen hält Pfarrer Bernhard Holz wieder Gottesdienste, am Samstag und Sonntag, seit wenigen Wochen auch unter der Woche. Schon vor Corona hätten nur wenige Menschen an den Gottesdiensten unter der Woche teilgenommen, sagt der Geistliche. Folglich sieht er nun, mit Corona, kaum einen Unterschied in der Kirche, sodass er eine Veränderung auch nicht an Zahlen messen möchte. Am Wochenende sind es dagegen schon weniger Gläubige geworden, welche die Kirche zum Gottesdienst aufsuchen. „Es tun sich manche schwer, eine Dreiviertelstunde mit Maske in der Kirche zu sitzen“, meint Holz. Oder aber es liegt am Ablauf, der eben nicht derselbe ist wie noch vor ein paar Monaten. In den Kirchen in Penzbergs Zentrum und in Steigenberg „sind die vorhandenen Plätze ungefähr zur Hälfte ausgenutzt“, sagt der Pfarrer. Und das, obwohl die Platzauswahl angesichts des geforderten Mindestabstandes ohnehin schon stark reduziert werden musste. „Für manche ist es aber auch ein Hindernis, sich anzumelden“, sagt Holz. Denn an den Wochenenden müssen Gläubige vor dem Kirchengang im Pfarrbüro ihr Kommen ankündigen. Eine Maßnahme, die dem Pfarrer wichtig ist, „ich will niemanden abweisen müssen“, sagt er. 

Die, die kommen, bleiben recht stumm, denn gesungen wird nicht mehr, stattdessen spielt die Orgel bekannte Kirchenlieder. „Durch den Gesang bräuchte man noch mehr Abstände“, sagt Holz. Dennoch konnte er schon beobachten, dass manch ein Gottesdienstbesucher unter dem Mund-Nase-Schutz die Lippen bewegt. Nun denkt Holz darüber nach, Texte zum Orgelspiel zu sprechen. Doch letztlich wird der Gottesdienst, so wie Holz diesen feiert, so wie seine Gemeinde mit ihm diesen feiert, eines bleiben: gewöhnungsbedürftig. Ein Wort, das der Pfarrer findet, nachdem er einen längeren Moment inne gehalten und über die momentane Situation nachgedacht hat. Doch es gebe eben nur die Möglichkeit, sich daran zu gewöhnen. „Die Alternative wäre, auf Gottesdienste ganz zu verzichten“, sagt der Geistliche, dessen Stimme dennoch weitaus fröhlicher klingt als damals, als er in der Zeit mit leeren Kirchenbänken darüber sprach, auf Distanz den Kontakt zur Gemeinde zu halten. 

Fröhlich klingt dagegen der evangelische Pfarrer Julian Lademann fast immer. Selbst, als es ruhig in seiner Kirche war, bewahrte er sich die hohen Stimmlagen. Und das, obwohl es in Lademanns Kirche noch länger ruhig bleibt als im katholischen Gotteshaus. Nach wie vor finden in der Martin-Luther-Kirche keine Gottesdienste statt, dafür aber zweimal in der Woche Abendgebete in sehr kleiner Runde. Maximal ein Dutzend Personen dürfen dann in die Kirche, im Schnitt sitzen acht Gläubige auf den Bänken. 

An Pfingsten konnten da schon ein paar mehr Menschen den Worten Lademanns lauschen. Bei Andachten in den Kirchgärten in Penzberg und Seeshaupt waren jeweils 40 Gläubige bei Sonnenschein gekommen: „Die Stimmung war trotz der Masken und Abstandsregelungen sehr feierlich“, lächelt Lademann. In Penzberg war dann aber keine Orgel zu hören, sondern eine Band, die stellvertretend für die Besucher sang. „Man hat deutlich gespürt, dass viele das Zusammenkommen in Gebet und Gemeinschaft vermissen“, sagt der Pfarrer. 

Ab dem 15. Juni darf Lademann 100 statt lediglich 50 Personen zu Andachten im Freien begrüßen. „Nicht dass wir ehrgeizig werden, aber wenn es dann doch 51 Teilnehmer wären, müssen wir niemanden nach Hause schicken“, grinst der Geistliche, dem eine Gläubige an Pfingsten ein noch breiteres Lächeln ins Gesicht zauberte als man es bei ihm für gewöhnlich entdeckt. „Hier kann man sich nur schwer anstecken, höchstens mit dem Heiligen Geist“, rezitiert Lademann die Frau. 

Gläubige, die der Pfarrer gerade nicht hören, sehen oder rezitieren kann, verliert er aber nicht aus dem Sinn. Nach wie vor möchte Lademann ein breites Angebot an Audiodateien und Filmen auf der Homepage der evangelischen Gemeinde zur Verfügung stellen. „Hier erreichen wir tatsächlich viele, durch alle Altersklassen hindurch. Und wir hören davon, dass der Enkel der Oma auf dem Handy die Pfarrerin zeigt“, schmunzelt der Geistliche, der durchaus zufrieden sein kann: Alleine das Pfingstvideo, in dem Posaunisten ebenso zu hören sind wie zahlreiche Bienen, wurde schon rund 150 mal aufgerufen. ra

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