Zahlen im Versteck

In Penzberg bleibt man mit Blick auf das umstrittene Mathematik-Abitur gelassen

Das Mathematik-Abitur erfordert mehr als Rechenkünste: Geht es nach Bernhard Kerscher, so gehören kontexturierte Aufgaben zum Mathematik-Abitur einfach dazu. Und das schon seit Jahren.

Penzberg – Mathematik: Zahlen, Wurzeln, Vektoren. Und Texte. Zu lange Texte, finden einige Schüler nach der Abiturpüfung: In einer Petition fordern Abiturienten eine Überprüfung der Aufgabenstellungen. Ohne Aussicht auf Erfolg, glaubt zumindest Bernhard Kerscher, Direktor des Penzberger Gymnasiums.

Ein Text zum Thema Bohrung. Den galt es erst einmal zu verstehen, ehe es daran ging, die Zahlen aus ihrem Buchstabenversteck herauszulocken. Doch dass eine Mathematikaufgabe einen „Alltagsbezug“ hat, auch in der Abiturprüfung, sei keine Neuheit, sondern seit Jahren Praxis, meint Mathe­lehrer Fuksik. Er war es, der mit acht weiteren Kollegen am Morgen der Abiturprüfung in Mathematik die Qual der Wahl hatte: Für jeden Teilbereich, Analysis, Stochastik und Geometrie, standen zwei Aufgabenkomplexe zur Verfügung. Für jeweils einen galt es sich zu entscheiden. Dass ihm da viel Gedrucktes entgegenblickte, überraschte ihn nicht, immerhin werde auch im Fach Mathematik „die Lesekompetenz geprüft“, so Fuksik. Doch überrascht sein dürften auch die Prüflinge nicht, denn: „Wir haben seit Jahren schon textreiche Aufgaben“, betont der Lehrer. 

Solche Aufgaben, die auch vor der Prüfung im Kurs besprochen werden, solche Aufgaben, die es auch in den Klausuren der Oberstufe zu bewältigen gelte, und das nicht erst seit diesem Schuljahr. In der Vergangenheit habe man bei jedem Abschlussjahrgang den Schnitt der Schulaufgaben mit dem Abiturschnitt verglichen, um herauszufinden, ob die Abschlussprüfung einen vergleichbaren Schwierigkeitsgrad hatte und damit zu bewältigen war. „Und da gab es keine Auffälligkeiten“, so Fuksik. Dass es solche auch dieses Mal nicht geben wird, davon scheint Schulleiter Kerscher überzeugt, immerhin gebe es niveaudifferenzierte Mathematikkurse am Penzberger Gymnasium, die verhindern, dass die „heterogene Schülermasse“ auseinanderdrifte. Das bedeutet: Leistungsschwächere und leistungsstärkere Schüler werden in der Oberstufe in unterschiedlichen Kursen unterrichtet, um den Lernbedürfnissen der angehenden Abitu­rienten gerecht zu werden. Doch in allen Kursen werden letztlich dieselben Klausuren geschrieben, sodass jeder Schüler dieselben Aufgaben lösen muss und lösen lernt. So wolle man „null Punkte im Abitur“ verhindern, meint Fuksik. Und diejenigen, die dennoch keinen Punkt in der finalen Prüfung erreichen, die „haben eine Vorgeschichte“, weiß Kerscher. 

Dass Abituraufgaben nicht einfach aus dem Ärmel geschüttelt, sondern in einem langwierigen Prozess entwickelt werden, stellen Fuksik und Kerscher ebenfalls klar. Ausgewählte Lehrer von verschiedenen Gymnasien setzen sich eine Woche lang zusammen, erarbeiten die Aufgaben und überprüfen, ob diese mit dem Lehrplan und den Vorgaben des IFB, des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, konform gehen. Dabei stellen sie sich immer wieder die Frage, ob die Aufgabe in einen „lebenswirklichen Zusammenhang gepackt“ ist, sagt Kerscher. So lebenswirklich wie die jüngste Abituraufgabe zum Thema Bohrung. 

Eine Lebenswirklichkeit, die scheinbar vielen Schülern vor den Kopf stieß, blickt man auf die zahlreichen Unterstützer der Petition und auch auf die Auszubildenden & Schüler Union in Bayern (SU), welche die angehenden Abiturienten in ihrem Bestreben unterstützt und sich dabei auf die Berichte von Prüflingen beruft, in denen die Aufgabestellung vor allem im Teilbereich Geometrie als „unnötig lange“ und als „mit vielen überflüssigen Informationen gefüllt“ beschrieben werde, wodurch die Schüler einiges an Zeit einbüßen hätten müssen. Doch nicht allein auf Aussagen der Schüler, sondern auch auf Einschätzungen des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands beruft sich die SU Bayern und beklagt die „zu kompliziert gewählten Rechenwerte“. Endgültige Klarheit über die Machbarkeit des diesjährigen Mathematik-Abiturs wird es wohl erst geben, wenn die Ergebnisse auf dem Tisch liegen. Die Noten sollen am 31. Mai bekanntgegeben werden. ra

Auch interessant

Meistgelesen

Abbruch des Wellenbads: Sogar für die „Gaststätte“ fand sich ein Interessent
Abbruch des Wellenbads: Sogar für die „Gaststätte“ fand sich ein Interessent
Grüne wählen ihren Landratskandidaten für den Landkreis Weilheim-Schongau
Grüne wählen ihren Landratskandidaten für den Landkreis Weilheim-Schongau
Stadt lässt vier Birken vor dem Metropol fällen: Naturschützer sind entsetzt
Stadt lässt vier Birken vor dem Metropol fällen: Naturschützer sind entsetzt
Stadt will sich Vorkaufsrecht am Erwerb des HAP-Areals sichern
Stadt will sich Vorkaufsrecht am Erwerb des HAP-Areals sichern

Kommentare