Abschied mit Wehmut

Pfarrer Mladen Znahor kehrt in seine Heimat zurück

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Ein Ausblick, den er vermissen wird: Pfarrer Mladen Znahor auf seiner Lieblingsbank im Schatten, den Starnberger See direkt zu Füßen.

Seeshaupt – Er sitzt im Garten des Pfarrhauses am See und meint, den Blick und das Schwimmen werde er sehr vermissen. Nach 20 Jahren in Seeshaupt kehrt Pfarrer Mladen Znahor für seinen Ruhestand in die Heimat nahe Sarajevo in Bosnien-Herzegowina zurück. Etwas Wehmut dringt durch seinen Gedanken, wenn er an die Zeit am Starnberger See und in Iffeldorf denkt.

Bis Ende Juli kommt Znahor seinem Amt als Seelsorger nach, im August ist Urlaub angesagt und danach geht’s nach Hause, wo seine kirchliche Laufbahn in einem christlichen Elternhaus mit sieben Geschwistern begann. Nach acht Jahren in der Grundschule im ehemaligen Jugoslawien wechselte er aufs Gymnasium, das von Franziskanern geführt wurde. Von seinen 30 Klassenkameraden begannen vier das Studium zum Priester in Sarajewo, später führte ihn sein Weg ans Bischöfliche Seminar in Eichstätt. Im Jahr 1984 wurde Mladen Znahor in Tuttlingen zum Priester geweiht, seine Primiz feierte er zu Hause in Herzegowina. Seine erste Stelle trat er dann in der Nähe von Dillingen an, wo ihn später ein Anruf des Generalvikars erreichte wegen der Besetzung einer Pfarrei in Burgau. Gleichzeitig war aber auch die Pfarrgemeinde St. Michael in Seeshaupt neu zu besetzen, der Mladen Znahor eindeutig den Vorzug gab. Und so begannen seine Jahre am Starnberger See in der Pfarreiengemeinschaft Seeshaupt, Iffeldorf und Bernried mit den Außenstellen Magnetsried, Jenhausen, St. Heinrich und Nantesbuch. 

Es gab kaum einen Anlass in Seeshaupt, den der Pfarrer nicht mit seinen Schäfchen geteilt hätte. Traurig stimmten ihn so manche Beerdigungen, „vor allem wenn junge Leute betroffen waren“, wie er sagt. Als tröstlich habe er es aber immer empfunden, „wenn ich gemerkt habe, dass die Worte am Grab von den Angehörigen gut aufgenommen wurden“. Besonders gern erinnert sich Znahor natürlich an die Taufen und auch an die Trauungen jener Menschen, denen erst schon die Erstkommunion gespendet hatte. Tief in sein Gedächtnis eingegraben hat sich auch das 130-Jahre-Fest der Seeshaupter Verein. Den absoluten Höhepunkt seiner Amtszeit sieht Znahor aber im Gottesdienst anlässlich des großen Gautrachtenfestes im Jahr 2014 mit fast 3.000 Gläubigen: „So etwas erlebt man nicht alle Tage“, stellt er fest. 

Mladen Znahor bedauert sehr, dass die letzten Monate nicht abgelaufen sind wie gewohnt: keine letzte Fronleichnamsprozession und kein großer Gottesdienst zum Abschied. Doch gänzlich geht er dem Priesteramt nicht verloren, denn für Aushilfsdienste wird er auch weiterhin zur Verfügung stehen, und wenn 2023 die Kirche in Bernried fertig gestellt ist, will er gerne bei der Eröffnung dabei sein. Aber er freut sich auch auf einen Lebensabend, „der nicht von Pflichten geprägt ist“. So konnte er beispielsweise nicht zur Beerdigung seiner Schwester nach Hause reisen, weil die Gottesdienste an den Pfingstfeiertagen natürlich Vorrang hatten. 

Seinen Gläubigen gibt Mladen Znahor mit auf den Weg, „dass sie den tollen Zusammenhalt und die Wahrung der bayerischen Tradition nicht aufgeben sollen“. Vielleicht ist es ja ein gutes Zeichen, dass der ab 1. Oktober als Nachfolger bestellte Pfarrer Bernd Reithemann am gleichen Tag Geburtstag feiert wie Znahor, nämlich am 16. Juni. fw

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