Zukunft des Walchensee-Kraftwerks

Plädoyer für Mitbestimmung

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Kochel - Politiker und Naturschützer fordern mehr Mitsprache bei einer neuen Genehmigung für das Walchensee-Kraftwerk. MdL Hans Urban (Grüne) verlangt: Der Freistaat soll das "Kronjuwel" zurückholen. 

Noch besitzt das Energieunternehmen Uniper die Wasserrechte für das seit 1924 laufende Walchenseekraftwerk bei Kochel. Die Genehmigung läuft jedoch im Jahr 2030 aus – der Freistaat schreibt sie neu aus. Grund, für Naturschutzverbände und Politik mehr Mitsprache der Region und der Kommunen zu fordern. Grünen-MdL Hans Urban (Eurasburg) lud deshalb zum Pressegespräch zur „Zukunft Walchensee“. Diskutiert wurde, wie das Kraftwerk künftig und im Einklang der Natur betrieben werden soll. Forderung: Der Betrieb soll regionalisiert werden und das Verfahren transparent laufen. „Nach 100 Jahren bietet sich die einmalige Möglichkeit, das Wasserkraftwerk Walchensee wieder in den Besitz der Region zu bringen“, erklärte Urban bei dem Termin im Hofcafé am Stern in Großweil. Seit das vormals staatliche Kraftwerk in den 1990er Jahren privatisiert wurde, liegen die Rechte mittlerweile beim Energiekonzern Uniper. Die Genehmigung endet jedoch zum 30. September 2030. Wenn das Kraftwerk dann wieder in staatliche Hände fiele, müssten Umweltorganisationen wie die Isar-Allianz „nicht wie Bittsteller bei den großen Unternehmen betteln“, so Urban. „Wir können unsere Kronjuwelen, das Kraftwerk zurückholen.“

„Robuste Technologie“

Für Prof. Markus Aufleger ist „Wasserkraft eine robuste Technologie mit hoher Wirkungskraft und hat damit einen enorm hohen Stellenwert“. Dies betont der Leiter des Arbeitsbereichs Wasserbau an der Universität Innsbruck. Aufleger, nach dessen Aussage etliche Strecken in der Oberen Isar wegen des Kraftwerks kein Wasser führen, ist der Meinung, dass Wasser ein Allgemeingut ist – denkt jedoch auch, „dass große Unternehmen wie Uniper anders ticken“. Eine richtige oder falsche Firma gibt es für ihn nicht, für ihn ist Uniper zunächst einmal ein professioneller Betreiber. „Es muss ein gemeinsamer Weg gefunden werden“, so Aufleger. Der Geschäftsstellenleiter der in Penzberg sitzenden Energiewende Oberland (EWO), Stefan Drexlmeier, präsentierte Zahlen: „84 Prozent der Stromerzeugung im Oberland stammen aus erneuerbaren Energien, 60 Prozent davon erzeugt das Walchenseekraftwerk. Das bedeutet, ein Fünftel der erneuerbaren Energien im Oberland besteht aus Wasserkraft.“ Drexlmeier weiter: „Nach dem heutigen Stand ist eine reibungslose Energiewende auf 100 Prozent erneuerbare Energien bis 2035 nicht machbar“, erklärte der EWO-Mann. „Das wird auch so bleiben, wenn die Leute Windkraft, und Solarenergie durch Photovoltaikanlagen nicht akzeptieren, weil sie das Landschaftsbild stören.“ Die Herausforderung sei dabei, als Region zusammenzukommen und die Zukunft des Kraftwerks gemeinsam gut zu gestalten. „Die Leute sollen an einem transparenten Verfahren partizipieren können“, teilte Drexlmeier mit.

Isar-Allianz mahnt

„Wir brauchen den Naturbezug für Stabilität“, erklärte Nico Döring von der Isar-Allianz bei dem Pressetermin. Er sprach sich für Wasserkraftnutzung am Walchenseekraftwerk für die Region aus. „Wenn das richtige Maß von Nutzung von Wasserkraft und der Schutz der Gewässer gewährleistet ist, dann kann das funktionieren.“ Döring mahnte aber auch: „Wenn es aber so wie bisher weitergeht, dann ist das nicht nachhaltig und auch nicht zukunftsfähig.“ Noch ist unklar, ob der Freistaat wirklich für den Heimfall des Kraftwerks nach dem Erlöschen der Erlaubnis in staatliche Hand tendiert. Grünen-MdL Hans Urban hatte eine dreiseitige schriftliche Anfrage zur Neuverhandlung der Wasserrechte des Walchenseesystem an die Staatsregierung gestellt. Eine Antwort aus München lautete: „Der Umgang mit der Heimfalloption spielt eine wichtige Rolle.“ Allerdings sei „die Faktenanalyse und der interne Abstimmungsprozess“ noch nicht abgeschlossen, bekam Urban Mitte September mitgeteilt.

Viktoria Gray

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